Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/allgschulen/gs/versuche/opplus/1ausgang/, Stand 17. May. 2012
|
![]() |
Alle an der frühkindlichen Bildung beteiligten Personen werden derzeit mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, für deren erfolgreiche Bewältigung jedoch die bisherigen Lösungsstrategien noch viele Fragen offen lassen und innovative Lösungen dringend gesucht werden. An der derzeitigen zentralen Herausforderung, die Umsetzung des Orientierungsplanes (OP) in Baden-Württemberg, kann dies sehr eindrücklich verdeutlicht werden. 2006 wurde der vorläufige Orientierungsplan in Baden-Württemberg eingeführt und die Kindertagesstätten bzw. Träger wurden aufgefordert, Umsetzungsmöglichkeiten zu erarbeiten und die Anforderungen bzw. Minimalstandards in den sozial-pädagogischen Alltag zu integrieren.
In der Regel setzen hier Träger, Fortbildner, Ministerien und diverse Verantwortliche
vor Ort auf die bisher erfolgreichen Umsetzungsstrategien aus der Vergangenheit.
So werden Expertenstimmen eingeholt, deren Anregungen die Grundlage für
Fortbildungsangebote bilden. Im vorliegenden Fall wurden sechs Module entwickelt,
mit dem Ziel, die Ergebnisse in den alten Organisationsstrukturen der Kindertagestätten
(Kita) vor Ort umzusetzen – also den Strukturen, die vor der Einführung
des Orientierungsplans aufzufinden waren.
Allerdings mit einem wichtigen Unterschied, dass in der Tat enorme finanzielle
Summen von Land, Gemeinden und Trägern für die Fortbildung der Erzieherinnen
und Erzieher zu Verfügung gestellt wurden, um diese Umsetzung zu unterstützen.
Aufgabe aller Kindertagesstätten (Kita), unabhängig welches pädagogische
Konzept sie verfolgen, ist es nun die minimalen Standards des Orientierungsplans
(Bild des Kindes, Erziehungspartnerschaft, Entwicklungsfelder, Beobachtung und
Dokumentation, Kooperation mit GS, Qualitätsmanagement) umzusetzen.
Die Umsetzung erfordert enorme Anstrengungsleistungen der überwiegend hoch
motivierten Erzieherinnen und Erzieher. Zudem werden die Erzieherinnen und Erzieher
in ihrer alltäglichen Arbeit vor allem durch folgende Phänomene zusätzlich
belastet:
All diese Aktionen, Projekte und vor dem Hintergrund der sich z. T. widersprechenden Aussagen der Experten, in Verbindung mit der Einführung des Orientierungsplanes lassen derzeit bei den betroffenen Erzieherinnen das Gefühl aufkommen, „wir alleine“ sollen nun diese Anforderungen bewältigen, ohne das für uns ein erkennbares Gesamtkonzept bei einem Träger oder der Gemeinde zu erkennen ist.
Dass dieses Gefühl einer hohen Umsetzungsqualität sozialpädagogischer Arbeit eher abträglich ist und das Engagement der Erzieherinnenlangsam lähmt, ist leicht nachvollziehbar. Die größte Gefahr aufgrund der erlebten Überforderung besteht jedoch für die betroffenen Kinder darin, dass Erzieherinnen trotz zahlreicher Projekte und zahlreicher neuer Ansätze die Kinder nur noch „verwalten“!
Diese Bestandsaufnahme spiegelt die Erfahrungen wider, die eine Mehrzahl der
Beteiligten, die in diesem Feld tätig sind, täglich erleben. Sie macht
deutlich, dass es sich beim Wandel um eine sehr komplexe Herausforderung handelt,
die mit den üblichen Lösungsstrategien aus der Vergangenheit nicht
erfolgreich bewältigt werden kann
Nun reagieren die meisten Träger und anderen Unterstützungssysteme
sehr vielfältig auf die Probleme und die Anforderung einer Transformation
im Bereich der frühkindlichen Pädagogik.
Mit den alten Lösungsstrategien kann der Orientierungsplan nur unzureichend umgesetzt werden. Ebenso bedarf es neuer Formen der Fortbildung, die die Erzieherinnen nicht überfordern und ihnen wirksame Hilfe bieten, anstatt sie unter den unrealistischen Druck zu setzen, sie hätten den Wandel vor Ort allein zu bewältigen.
Weiter:
2
Neue Wege
Verfasser: Dr. Dipl. Päd. Heinz Hinz M.A. |