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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/bs/nm/schreiben/lesbarkeit/lesbarkeit.htm, Stand 13. Feb. 2012

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Lesbarkeit

 
1 Lesevorgang
2 Wovon hängt die Lesbarkeit eines Textes ab?
3 Erarbeitung im Unterricht
4 Anmutung von Schrift
5 Erarbeitung im Unterricht
6 Materialien zu den Kapiteln 1 - 5 Ansicht (PDF-Datei),
Download (32 KB)
  Literaturangaben zu den Kapitel 1 - 5 Ansicht (PDF-Datei,
Download (10 KB)
7 Unterschied Print- und Bildschirm - Layout

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

1 Lesevorgang
Aspekte dieses Kapitels und des Kapitels 2 können Sie als PowerPoint - Präsentation hier ansehen und downloaden (521 KB).
Saccaden
Geübte Leser/innen lesen, indem das Auge in kurzen Bewegungen (Saccaden), unterbrochen von kurzen Pausen (Fixationsperioden von 0,2 - 0,4 Sekunden), von Textstück zu Textstück über die Zeilen fährt. Eine Saccade umfasst ca. 5 - 10 Buchstaben, also 1 - 2 Wörter.
 
In mehreren Sprüngen wird eine Zeile abgetastet, und in einer großen Saccade springt das Auge zum nächsten Zeilenanfang nach links. Wo innerhalb einer Zeile fixiert wird, hängt von der Sequenz vorausgehender Buchstaben/Wörter ab. Satzzeichen helfen dem Auge beim Unterteilen, Großbuchstaben bilden einen häufigen Fixationspunkt. Aber nicht nur die visuelle Struktur eines Textes bestimmt die Blickmotorik, auch seine sprachliche Struktur spielt eine Rolle.
 
Erwachsene Leser/innen registrieren keine Einzelbuchstaben, sondern Wortbilder. Erfasste Wortbilder werden mit Wortbildern in unserem Gedächtnis verglichen. Bekannte Wörter und Wortbilder werden schneller gelesen als unbekannte. Wird der Sinn des Textes nicht verstanden, so springt das Auge in Regressions-Saccaden zurück. Nur während der Sprungpausen werden die visuellen Informationen aufgenommen. Geübte Leser/innen verkürzen die Pausen und vergrößern die Sprünge. Bei zu großer Lesegeschwindigkeit wird der Text erraten. Saccaden in die nächste Zeile werden bestimmt durch Zeilenanfang, Zeilenende, Absätze.
2 Wovon hängt die Lesbarkeit eines Textes ab?
 
Text wird produziert, um gelesen zu werden. Daraus lassen sich Minimalanforderungen an die Textgestaltung ableiten, die abhängig sind von Textsorte und Situation, in der ein Text gelesen werden soll. Es kann folgende Unterscheidung getroffen werden:
 
Lesetext (fortlaufenden Text) finden wir in Büchern, Zeitungen usw. Er dient der Information.
 
Bei Veranstaltungshinweisen, Flugblättern, Einladungen und Anzeigen handelt es sich um stärker ausgestaltete Texte, die über die reine Information hinaus die Aufgabe haben, bestimmte Personen anzusprechen, den Blick und die Aufmerksamkeit auf bestimmte Textstellen und somit Inhalte zu lenken. Sie haben informierenden und appellativen Charakter.
Große Schriftzüge (Straßenschilder, Wandzeitungen usw.) sollen die Aufmerksamkeit der Lesenden binden. Manche Plakate enthalten nur Schautexte, in anderen, z. B. Wandzeitungen, hat der Schautext die Aufgabe, soviel Neugierde zu wecken, dass der übrige Text (Lesetext) auch gelesen wird.
 
Im Folgenden soll es vorrangig um die Lesbarkeit von Lesetexten gehen.
 
2.1 Schriftart
Leser/innen größerer Textmengen verhalten sich der Schrift gegenüber konservativ. Sie wollen den Sinn der durch die Schrift visualisierten Wörter schnell aufnehmen. Schriften, die sich zu sehr vom tradierten Buchstabenbild entfernen, werden abgelehnt, vertraute Schriften bevorzugt. Deshalb konnten sich sowohl romantisch-individuelle Künstlerschriften aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg als auch sachlich wirkende Schriften aus der Umgebung des Bauhauses nicht durchsetzen.
 
Die Unterteilung von Schriften erfolgt nach der Schriftart. Man kann sie in folgende Gruppen unterteilen:
 
Serifenschriften (Antiqua-Schriften)
serifenlose Schriften (Grotesk)
sonstige Schriften (Schreibschriften, Zierschriften, Symbolschriften, gebrochene Schriften).
Schriftarten
 
Serifenschriften
 
Serifen (frz. Füßchen) sind die geschwungenen oder rechteckigen Enden der Striche (Endstriche), die Kopf- und Fußansätze eines Buchstabens.
 
Serifen
 
Größere Textmengen sind in Serifenschrift besser lesbar. Sie werden als Grundschrift in Büchern, Zeitungen usw. eingesetzt. Die Times ist eine gut lesbare, weit verbreitete Schrift. Sie wurde 1932 für die englische Zeitung Times entworfen und ist unter Windows unter dem Namen Times New Roman zu finden.
 
Worthälften Darüber hinaus wird ein Wort überwiegend über die obere Worthälfte identifiziert.  Die untere Hälfte eines Wortes bietet für Lesende wenige Unterscheidungsmerkmale. Dass Serifen beim Lesen helfen, wird hier besonders deutlich.

 

 
Serifenlose Schriften
serifenlose Schrift
Sie wirken sachlich, technisch konstruiert, statisch und werden überwiegend für Industriedrucksachen, Kataloge, Zeitschriften, Bildbände, Plakate usw. verwendet.
Serifenlose Schriften werden heute als modern empfunden und deshalb zunehmend auch in umfangreichen Texten eingesetzt, wo sie schlechter lesbar sind als Serifenschriften. Eine der bekanntesten serifenlosen Schriften ist die Helvetica, eine weitere ist Arial.
 
Sonstige Schriften:
 
Schreibschriften
Schreibschrift
Hierunter versteht man keine Handschriften, sondern Druckschriften, die der Schreibschrift nachempfunden wurden. Häufig tragen diese Schriften die Bezeichnung Script im Namen. Sie finden sich in festlichen Drucksachen, wie Einladungen, Geburtsanzeigen oder Speisekarten. Sie sind für Lesetext ungeeignet.
 
Zierschriften
 
Zierschrift
Sie finden sich in festlichen Drucksachen wie Einladungen, Geburtsanzeigen oder Speisekarten usw. und sind für fortlaufende Texte nicht geeignet.
 
Gebrochene Schriften
 
gebrochene Schrift
Gebrochene Schriften werden auch als deutsche Schriften bezeichnet. Sie gehen weitgehend auf die gotische Schrift zurück und sind im fortlaufenden Text schlecht lesbar.
 
Symbolschriften
 
Symbolschrift 1
Symbolschrift 2
Zeichensätze mit Symbolen, griechischen und mathematischen Zeichen. Es werden immer nur einzelne Zeichen verwendet.
 
Neben dieser Unterteilung kann man Schriften in zwei weitere Gruppen unterteilen:
 
Proportionalschriften Nicht-proportionale Schriften oder
Monospaced Schriften
Die Zeichen einer Schrift haben verschiedene Zeichenbreiten. Dies ist für die meisten Schriften heute Standard. Jedes Zeichen einer Schrift hat die gleiche Breite (wie bei der Schreibmaschine).
Beispiel: Beispiel:
Die Times ist eine Proportionalschrift. Die Zeichen haben verschiedene Zeichenbreiten. Die Arial ist eine Proportionalschrift. Die Zeichen haben verschiedene Zeichenbreiten. Die Courier ist eine nicht-proportionale Schrift. 
Sie ist der Schreibmaschinenschrift nachgeahmt.
 
2.2 Schriftgröße
Die Schriftgröße wird in Punkt (pt) angegeben. Sie ist auf den Zweck des Dokuments, die Menge der Zeichen je Zeile, den Inhalt und die Adressaten abzustimmen. 
 
  • Die Grundschrift (Brotschrift) von Texten, die von Erwachsenen mit normalem Abstand gelesen werden, sollte die Schriftgröße zwischen 8 und 12 Punkt (Leseschriftgrade) haben. Bei Texten für Kinder sollte zwischen 11 und 14 Punkt gewählt werden.
  • Bei Anmerkungen, Hinweisen und Fußnoten handelt es sich um Texte, die man nicht fortlaufend liest, sondern ab und zu konsultiert. Hier sind Schriftgrade zwischen 6 und 8 Punkt angebracht (Konsultationsgrößen). Sie sollten jeweils mindestens zwei Punkt unterhalb des Schriftgrades der Grundschrift liegen.
  • Überschriften müssen Texte gliedern und die schnelle Suche ermöglichen. Sie müssen sich von der Grundschrift abheben (durch Ausrichtung, Auszeichnung und / oder Schriftgröße). Die Größe hängt stark von der Art des Textes ab. Durch die Verwendung von Auszeichnungen kann auf den Einsatz vieler verschiedener Schriftgrade verzichtet werden.
  •  Für Informationen, die aus größerer Entfernung gelesen werden, müssen noch größere Schriftgrade benutzt werden. Man nennt sie Schaugrade oder Displaygrade (Schriftgrößen über 12 pt). Für Overhead- und Präsentationsfolien empfiehlt sich eine Grundschrift von mindestens 16 Punkt, für Computerpräsentationen von 24 Punkt.
 
2.3 Zeilenlänge
 
Der horizontale Bereich, in dem der Leser scharf sieht, beträgt ca. 8 cm.
Eine Zeile sollte zwischen 45 bis 65 Buchstaben enthalten. Die ideale Lesebreite beträgt ca. 55 Zeichen pro Zeile. Zu kurze oder zu lange Zeilen beeinträchtigen die Lesbarkeit eines fortlaufenden Textes. Zu lange Zeilen mit zu vielen Fixationen ermüden das Auge ebenso wie zu kurze mit zu wenig Fixationen.
 
Die Lesbarkeit einer Zeile hängt darüber hinaus von den Wortabständen und der Satzart ab. Bei zu schmalen Spalten (weniger als 45 Zeichen) werden die Wortabstände bei Blocksatz zu unregelmäßig, es entstehen Löcher, zu viele Silbentrennungen sind notwendig. All dies hemmt den Lesefluss. In diesem Fall sollte man auf den Blocksatz verzichten und Flattersatz verwenden. Bei mehrspaltigem Text sollte der Abstand zwischen den Spalten groß genug sein, andernfalls wandert das Auge beim Lesen leicht in die daneben liegende Spalte. 
 
2.4 Zeichenabstand (Buchstabenabstand)
Schwer lesbare Texte sind oft Resultat mangelhafter Buchstabenabstände. Die Buchstabenabstände sind abhängig von der Größe der Buchstabeninnenräume. Je kleiner die Innenräume, desto kleiner die Abstände, je größer die Innenräume, desto größer die Zwischenräume.

Abstände

 

 
Abbildung aus: Hochuli, Jost: Das Detail in der Typografie, Wilmington 1987, S. 25
Da sich Buchstabenabstände mittlerweile auch in Textverarbeitungsprogrammen beliebig verändern lassen, sollen hier die Begriffe Laufweite und Unterschneiden (Kerning) erläutert werden.
 
Die Laufweite gibt an, wie viel Abstand generell zwischen Zeichen eingesetzt wird. Beim Vergrößern der Laufweite spricht man von  Sperren (vgl. Auszeichnungen).
Laufweite 1
Laufweite 2
 
Bei manchen Buchstabenkombinationen sieht das Schriftbild besser aus, wenn bestimmte Zeichen dichter beieinander stehen, als das ihrem normalen Abstand entspräche. Wird der Abstand zwischen einzelnen Zeichen gezielt verändert, dann spricht man von Unterschneiden.
 
Nicht unterschnitten: Unterschnitten:
Beispiel 1 Beispiel 3
Beispiel 2 Beispiel 4
 
Zeilenabstand
 
Der Zeilenabstand ist abhängig von der ausgewählten Schriftart, dem Schriftgrad, der Zeilenlänge, dem Zeichen- und Wortabstand und der Funktion der Zeile. Er sollte weder zu groß noch zu klein eingestellt sein. In Microsoft Word kann mit Standardeinstellungen, die Schriftart und Schriftgrad berücksichtigen, gearbeitet werden, was in der Regel empfehlenswert ist. Der Zeilenabstand kann aber auch individuell bestimmt werden (Vorsicht).
 
2.6 Auszeichnungen
 
Darunter versteht man alle Stilmittel, die es ermöglichen, Textstellen hervorzuheben. Grundsätzlich sollte man sich auf möglichst wenig Auszeichnung beschränken, da der Text sonst zu unruhig wird. Die gewählten Auszeichnungen sollten der Zielsetzung des Textes Rechnung tragen.
  • Eine klassische und auch die dezenteste Auszeichnung ist die Verwendung der kursiven Variante der Grundschrift. Kursive Schriften werden langsamer gelesen, sind also für längere Textpassagen nicht geeignet. Sie sollten (wie alle Auszeich­nungen) sparsam eingesetzt werden und eignen sich für die Hervorhebung in ruhigen, fließenden Texten (z.B. Roman).
  • Eine wesentlich stärker ins Schriftbild eingreifende Auszeichnung ist der Wechsel in eine fette Variante der Grundschrift. Sie ist geeignet für Sachbücher, Kataloge usw., um die hervorgehobenen Stichworte für die Leser/innen leichter auffindbar zu machen. Sie ergibt jedoch ein unruhiges Schriftbild und hemmt das lineare Lesen.
  • Das Hervorheben von Textes ist durch den Einsatz von GROSSBUCHSTABEN (VERSALIEN) oder von KAPITÄLCHEN möglich. KAPITÄLCHEN sind Großbuchstaben in Höhe der Mittellängen von Kleinbuchstaben. Sie lassen den Zeilenabstand ruhiger und gleichmäßiger wirken als VERSALIEN und stellen deshalb das bessere typografische Mittel dar. Diese Auszeichnungen werden häufig in Lexika verwendet, wo viele verschiedene Auszeichnungen benötigt werden.
  • Eine andere Variante bietet das S p e r r e n von Text mittels Vergrößerung des Zeichenabstandes (Laufweite). Auf das Sperren und auch das Unterstreichen von Texten sollte weitgehend verzichtet werden. Es handelt sich hierbei um Auszeichnungen, die ihren häufigen Einsatz den Unzulänglichkeiten der Schreibmaschine verdanken. Unterstreichen und
    S p e r r e n stellten dort oft die einzigen Möglichkeiten dar, Text hervorzuheben. Ein Textverarbeitungsprogramm bietet uns jedoch die typographisch besseren Varianten an (kursiv, fett, KAPITÄLCHEN).
  • Weitere Möglichkeiten bietet der Wechsel in eine andere Schrift (die Schriften sollten sich dann aber deutlich voneinander unterscheiden, also z.B. der Wechsel von Serifenschrift in serifenlose Schrift), in einen kleineren Schriftgrad (gesperrt), das An­bringen von Absatzeinzügen, Symbolzeichen oder Randmarkierungen. Die zuletzt genannten Varianten sollten allerdings sehr vorsichtig, sparsam und einheitlich eingesetzt werden.
 
Vor allem Neulinge am Computer (z. B. unsere Schüler/innen) sind meist fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten der Schriftgestaltung, die DTP- und Textverarbeitungsprogramme bieten. Texte werden durch zu viele Varianten überfrachtet und somit letztlich unübersichtlich oder gar unleserlich gestaltet. Auch wenn der Computer scheinbar alles kann, muss dies noch lange nicht in jedem Dokument untergebracht werden.
 
Absätze
 
Absätze sind Informationseinheiten und sollten weder zu groß noch zu klein sein. Zu lange Absätze verhindern die Verständlichkeit des Textes, zu kurze behindern den Gedankengang. Das Absatzende muss für das Auge leicht erkennbar sein. Hierfür sind zwei Methoden geeignet: Entweder der neue Absatz hat einen Einzug in der ersten Zeile, oder es wird eine Leerzeile zwischen die Absätze eingefügt.
 
Ein Seiten- oder Spaltenwechsel sollte nicht nach der ersten Zeile (Schusterjunge) oder vor der letzten Zeile eines Absatzes (Hurenkind) erfolgen. Dies ergibt ein unharmonisches Schrift- oder Seitenbild und erschwert die Lesbarkeit eines Textes. Die meisten Textverarbeitungsprogramme ermöglichen es, einen Seitenwechsel innerhalb des Absatzes zu verhindern.
 
3  Erarbeitung im Unterricht
 
Schüler/innen bringen Texte mit, die schlecht lesbar oder aus anderen Gründen unzumutbar sind. Sie erstellen eine Liste typografischer Sünden, die im Lauf der Zeit erweitert werden kann. Die erarbeiteten Kriterien können am Rechner durch das Umformatieren von Text angewendet und vertieft werden.
 
Aufgabe:
 
Nehmen Sie am Text kleist.doc unterschiedliche Formatierungen vor (z. B. Veränderung der Schriftart, Schriftgröße, Auszeichnungen, Zeichenabstand, Ausrichtung, Spalten mit Blocksatz bzw. Flattersatz, Seitenränder, Seitenformat) und beurteilen Sie jeweils die Lesbarkeit des Textes.
 
Anmerkung:
 
Nicht selten werden z. B. Texte mit der Zielsetzung, möglichst viele Informationen auf einem Arbeitsblatt unterzubringen, mit allen Mitteln verkleinert (Schriftgröße, kein Rand mehr vorhanden, Verringerung des Zeilen- oder Zeichenabstandes...), so dass sie nicht mehr lesbar sind. Wenn wir also wollen, dass unsere Schüler/innen unsere Arbeitsblätter lesen.
 
4  Anmutung von Schrift
Aspekte dieses Kapitels und des Kapitels 5  können Sie als PowerPoint - Präsentation hier ansehen und downloaden (325 KB).
 
Alle bekannten und oft eingesetzten Schriften sind gleich gut lesbar. Aber unabhängig von ihrer optischen Lesbarkeit lösen sie durch ihre Gestalt beim Lesenden bestimmte Gefühle und Assoziationen aus, die positiv oder negativ sein können.
 
„Wenn mit Schriftformen Anmutungen wie ‚alt’ oder ‚modern’, ‚vornehm’ oder ‚rustikal’ verbunden sein können, dann teilt sich die jeweilige Anmutung auch dem Text mit“ (Jegensdorf, S. 27 ). Schriften vermitteln also über ihre eigentliche Aufgabe hinaus (visuelles Transportmittel für Sprache) Atmosphärisches, Zeitgeist, Ideologie.
 
Die Wahl einer Schrift ist maßgeblich für die Interpretation des Textes. Die Schriftwahl muss also sorgsam überlegt sein. Form und Inhalt müssen übereinstimmen.
Schriftwahl 1
Schriftwahl 1
  
Aber nicht nur Schrift allein, sondern alle Gestaltungsmittel zusammengefasst (Größe, Anordnung, Auszeichnungen) sind also für das Atmosphärische verantwortlich.
  
5  Erarbeitung im Unterricht (1)
 
Wie visuelle Muster unsere Wahrnehmung beeinflussen, kann man selbst ausprobieren, wenn man ein und denselben Text in verschiedenen „Verkleidungen“ durch Schrift und Typographie auf eine Verwandlungsreise schickt. Grundlegende Vorstellungen über die Anmutung von Schrift und Textgestaltung können am Computer an einfachen Beispielen erarbeitet werden.
 
Aufgaben:
   
  • Erstellen Sie den Text für eine Visitenkarte (Name, Straße, Ort und Telefonnummer), kopieren Sie ihn fünfmal auf die Seite und setzen Sie den Text in verschiedenen Schriften. Drucken Sie die Seite aus und beurteilen Sie die Anmutung. Notieren Sie jeweils, wie Sie sich den Besitzer der jeweiligen Visitenkarte vorstellen (Alter, Vorlieben, Geschlecht und alles, was Ihnen sonst noch einfällt). Begründen Sie Ihre Mutmaßungen.
  • Formulieren Sie Einladungstexte für verschiedene Anlässe (z.B. 18. Geburtstag, Kaffeekränzchen). Gestalten Sie sie mit Hilfe verschiedener Schriften. Drucken Sie die Texte aus und beurteilen Sie deren Anmutung.
    Beantworten Sie folgende Fragen, und begründen Sie Ihre Überlegungen:
    Wer lädt ein?
    In welchem Rahmen, in welcher Atmosphäre könnte die Feier stattfinden?
    Welche Gäste erwarten Sie, wenn Sie eine solche Einladung bekommen? (Alter, Aussehen, Kleidung.)
    Was wird zu essen und zu trinken angeboten?
    Welcher Einladung würden Sie gern folgen, welcher nicht? Warum? 
  • Setzen Sie die folgenden Begriffe typografisch so um, dass ikonische und linguistische Aussage einmal übereinstimmen und einmal nicht übereinstimmen (anmut.doc):
    Goldschmiedearbeiten, Liebeslyrik, Bauernmöbel, Landwirtschaftliche Maschinen, Brutalität, Moderne Technologien, Neue Medien, geradlinige Architektur, Ritter der Tafelrunde, Bauten im Jugendstil, Tod, Freiheit.
 
Man sollte Schriften nicht willkürlich mischen, da sich mit jeder Schrift die Anmutung des Textes ändert. „Ein Wechsel in der ‚Tonart’ ist nur angebracht, wenn z. B. tatsächlich eine andere ‚Stimme’ im Text zu Wort kommen soll.“ (Jegensdorf, S. 27)
 
Erarbeitung im Unterricht (2)
 
Einen spielerischen Zugang bieten Comics (z. B. Asterix), wo ikonische Aussagen von Schriften häufig als Stilmittel eingesetzt werden.
Wache
Asterix und die Goten
 
Tonlage, Lautstärke, Sprechtempo, Mimik und Gestik ermöglichen im Gespräch eine Differenzierung der Aussage. Geschriebene Sprache muss auf andere Mittel zurückgreifen, sie kann versuchen, dies durch Schriftgestaltung zu leisten.
 
In stark ausgeprägter Form wurde dies von Autoren sprachexperimenteller Lyrik (Dada) umgesetzt:
Für den Abdruck dieses Gedichts liegt uns leider keine Genehmigung vor. Hugo Ball, Karawane, aus: Hans Arp, Hugo Ball u.a., Dada Gedichte. Dichtungen der Gründer © 1957 by Verlags AG Die Arche, Zürich.

 

Das Gedicht Karawane von Hugo Ball ist ein Klanggedicht: Einer Karawane gehören viele Menschen und Tiere an, sie bietet eine gewaltige Geräuschkulisse. Eine Hörszene wird visuell interpretiert, jede Zeile in einer anderen Schrift gesetzt. Lautbilder
(lautes oder leises, energisches oder zurückhaltendes Sprechen usw.) werden typographisch angedeutet.

 

 

 
Erarbeitung im Unterricht (3)
 
Eine andere Möglichkeit der Umsetzung der Thematik, die sich auch für den fächerübergreifenden Unterricht anbietet, stellt der Einstieg über den Zeitgeist und die Ideologie dar, die eine Schrift vermittelt. Dies kann am Beispiel der Schrift- und Satzbilder des Nationalsozialismus erarbeitet werden.
 
Ideologie 1
Illustration eines nationalsozialistischen Jugendbuches
 
Die Tannenberg ist eine typische Schrift des Nationalsozialismus. Sie hat eine scharfkantige Ausformung und ist angelehnt an gebrochene altdeutsche Schriften (Fraktur). Vor allem in fetten Varianten wirken diese Schriften gewaltig und einschüchternd, was durchaus beabsichtigt war. Diese Merkmale können am Beispiel der abgebildeten Anzeigen oder anderer Texte aus der Zeit des Nationalsozialismus erarbeitet werden. Ideologie 2
aus: Herbert Lechner, Geschichte der modernen Typographie, München 1981, S. 159
 
Ideologie 3
             aus: Herbert Lechner, Geschichte der modernen Typographie, München 1981, S. 159
 
Die Verwendung der Fraktur als dem deutschen Wesen gemäße Schrift wurde 1933 per Erlass durchgesetzt. Von nun an sollten alle Drucksachen, Inschriften, Straßenschilder, Urkunden usw. in altdeutschen Schriften verfasst werden. Im Jahr 1941 wurden diese Erlasse dann mit unterschiedlichen Begründungen wieder außer Kraft gesetzt. Mit diesen Texten kann erarbeitet werden, wie Ideologie über Schriftgestaltung transportiert wurde.
 
Erlass
   
Erlass
 
Anschließend können Druckerzeugnisse rechtsradikaler Gruppierungen untersucht werden.
 
Die Schüler/innen erhalten den Auftrag, weitere Beispiele zu sammeln. Plattencover (Heavy Metall usw.) und Filmtitel (z. B. Horrorfilme) bieten umfangreiches Material, das zum Vergleich und zur Analyse herangezogen werden kann. (Welche Inhalte werden transportiert? Woran wird angeknüpft? Warum? usw.) Medienpädagogisches Ziel ist die Sensibilisierung der Schüler/innen für die Wirkung von Texten am Beispiel ideologischer Einflussnahme durch Schriftgestaltung.
 
Im Anschluss daran können folgende Aufgaben gestellt werden:
 
  • Welche Schriften sind „typisch“ für andere Epochen des 20. Jahrhunderts?
  •  In welchen Schriften oder Schriftbildern drückt sich der heutige Zeitgeist aus? An welchen Merkmalen kann dies belegt werden? (Schüler/innen in ihrer „Szene" sammeln lassen: Flyer, Plattencover, Cover von Computerspielen).
 
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Letzte Änderung: 13.03.2007