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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/englisch/gym/fb1/hoer_seh/1_basis/3_theorie/, Stand 30. Sep. 2014

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Theorie Hör- Sehverstehen

GRUNDSATZBEMERKUNGEN ZUM HÖR-, HÖR-/SEHVERSTEHEN

Wie behelfen wir uns in einem fremden Land, in dem wir die Sprache nicht verstehen? – Wir „reden mit Händen und Füßen“, d.h. schütteln unseren Kopf, wenn wir etwas nicht wollen, deuten auf etwas, wenn wir es wollen, lachen, um Freude auszudrücken, ballen die Faust um Ärger Luft zu machen. Auf der untersten Kommunikationsstufe funktioniert diese nonverbale Form der Kommunikation, trotz einiger kultureller Unterschiede, meist recht gut.
Geht man vom umgekehrten Fall aus, dass man nur auf verbale Formen der Kommunikation ohne nonverbale Unterstützung angewiesen ist, z.B. bei einem Telefonat, dann werden uns recht schnell die Grenzen unserer Fremdsprachenkompetenz aufgezeigt.
Werden hingegen verbale und nonverbale Zeichen kombiniert, wie in einem Film beispielsweise, fällt es uns meist einfacher, Bedeutung zu entschlüsseln bzw. zu konstruieren.
Zusammenfassend kann man also festhalten, dass die Dekodierung gesprochener Sprache viel komplexer verläuft als die Dekodierung visueller Impulse. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Bedeutungskonstruktion gesprochener Sprache eine größere Bandbreite und ein tieferes Verständnis linguistischer, kontextueller sowie kultureller Kompetenzen bedarf. Handelt es sich bei der Entschlüsselung um eine Fremdsprache, so ist der Bedeutungskonstruktionsprozess ein in noch viel höherem Maße aktiver, bewusster, rationaler Prozess als das emotionale, unmittelbare und schnelle Aufnehmen von Bildern. So ist es nur logisch, dass beim Hörsehverstehen, vor allem in der Fremdsprache, die visuellen Reize überlagern. Alistair Cook fasst das folgendermaßen zusammen: “people listen with two eyes and one ear”.

Da es ein Ziel des Englischunterrichts ist, die Schüler dazu zu bringen, nicht nur mit zwei Augen, sondern auch „mit zwei Ohren zu hören“, scheint es hilfreich sich charakteristische Eigenschaften der Sprache bewusst zu machen um daraus Konsequenzen für die Unterrichtsplanung zu ziehen:
Grundsätzlich ist gesprochene Sprache ortsabhängig, d.h. beim Metzger z.B. erwarten wir eine andere Eingangsfrage als beim Friseur.

Folgende Kriterien der Unterscheidung von Gesprächssituationen scheinen bedeutsam:

  1. „geplante“ Sprachhandlungen (z.B. Rede), und „nicht-geplante“ Sprachhandlungen (z.B. spontane Konversation).
  2. „transaktionale“ Sprechabsicht (dient vor allem der Weiterleitung von Infos) bzw. „interaktionale“ Sprechabsicht (dient vor allem der sozialen Interaktion).
    De facto sind die meisten Sprachhandlungen Mischformen.
  3. „Nicht-kollaborative“ Formen (rezeptiv, z.B. TV, Radio, d.h. nur Interpretation) – „kollaborative“ Formen (interaktiv nach mehr oder weniger formalen Regeln, z.B. Alltag, Restaurant, d.h. (non)verbale Reaktion wird erwartet).

Im Gegensatz zur geschriebenen Sprache ist gesprochene Sprache kodiert in Sound:

Unter dem linguistischen Aspekt herrschen folgende Merkmale vor:

Dazu kommt, dass wir in der Regel lediglich eine einzige Chance haben, das gesprochene Wort zu dekodieren. Nur in wenigen Fällen haben wir die Möglichkeit nachzufragen bzw. zurückzuspulen.

Wenn es um das Medium Film geht, so gibt es hier einige Faktoren zu bedenken, die uns das Verständnis erschweren:

  1. eine hohe verbale Dichte, z.B. Woody Allen Filme
  2. gesprochene Sprache, die nicht/kaum durch visuelle Zeichen unterstützt wird, z.B. eine Dinnerkonversation
  3. authentische, natürliche Sprechsituationen bei der man Mundbewegungen nicht sieht, Leute durcheinander reden, etc.
  4. Cartoons (Geste, Mimik, Körpersprache ist meistens weniger expressiv)
  5. Dialekte, Akzente
  6. Altenglisch, z.B. moderne Shakespeare-Verfilmungen
  7. Komplexe Handlungsstränge
  8. Das Fehlen interkultureller Schemata, z.B. „Morgen ist gelber Sack“

Bleibt die Frage der Untertitel und deren Sinnhaftigkeit für Fremdsprachenlerner. Grundsätzlich gilt auch hier, dass das Auge dominanter ist als das Ohr. Wenn man Zuschauern sowohl einen Hör- wie auch einen Buchstabenimpuls gibt, so wird immer das Lesen bevorzugt werden. De facto ist es sogar so, dass wir die Untertitel automatisch lesen auch wenn wir eigentlich verstehen, was im Film gesprochen wird. Im extremen Fall, vor allem bei der Verwendung einer Fremdsprache, ersetzt der Leseprozess den Hörprozess komplett.
Grundsätzlich gibt es vier Varianten, Untertitel einzusetzen:

  1. Englische Hörvariante mit englischen Untertiteln.
    Kommentar: Die Gefahr besteht, dass der Leseprozess den Hörprozess überlagert. Interessant ist aber die Möglichkeit, Verständnis zu überprüfen, d.h. ein erstes Hörsehen ohne, dann ein weiteres Mal mit Untertitel.
  2. Englische Hörvariante mit deutschen Untertiteln.
    Kommentar: Das ist für den Spracherwerbsprozess noch weniger optimal, weil das Mitlesen deutscher Untertitel noch mehr überlagert als das von englischen. Eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit ist jedoch der gezielte Übersetzungsvergleich bzw. eine gezielte Überprüfung des Verständnisses (ähnlich wie in Variante a).
  3. Deutsche Hörvariante mit englischen Untertiteln.
    Kommentar: Diese Variante bringt für den Hörverstehensprozess nichts, kann aber für die gezielte Erweiterung eines kontextualisierten Wortschatzes eingesetzt werden.

Die Entscheidung, ob und wie Untertitel zum Einsatz kommen, hängt maßgeblich von der Zielsetzung des Unterrichts ab. Was konkret müssen nun Schüler können, um bessere Hörer bzw. „Hör-/Hörsehversteher“ zu werden? Sie müssen in der Lage sein, sowohl Grob- als auch Detailverständnis zu konstruieren. Sie müssen in der Lage sein, Vorhersagen, die sie beim Hören bzw. Hörsehen konstruiert haben, überprüfen zu können. Sie müssen in der Lage sein, die Inhalt, die Gefühle und Meinungen der Akteure zu verstehen. Sie müssen Beziehungen zwischen Akteuren und/oder den Kontext identifizieren bzw. inferieren, etc.
Hier tun sich – für Lehrer wie Schüler - vier Hauptarbeitsfelder auf: Inhalt, Sprache, interkulturelle Kompetenz, Schulung der media literacy. Selten können alle Bereiche gleichermaßen bearbeitet werden, so dass man selektiv und spiralcurricular agieren muss.

Die Zielsetzung bestimmt entscheidend die Auswahl des Materials. Dass selbiges zielorientiert, authentisch, vielfältig, qualitativ hochwertig, etc. sein sollte, versteht sich von selbst.
Die Aufgabenstellung muss auf das Ziel und das Material abgestimmt sein. Bei kurzen Nachrichten bietet sich z.B. das Abprüfen von inhaltlichem Detailverständnis durch Wh-questions an, bei Werbespots könnte neben dem Inhalt ein Augenmerk auf der Filmtechnik liegen (welche Mittel werden gewählt, um die Botschaft zu unterstreichen?), Bei Musikclips kann man u.a. einen Fokus auf words and phrases im Bereich von Atmosphäre, Emotionen, etc. legen, bei Spielfilmen könnten Charakterisierungen und Konstellationen im Mittelpunkt stehen.

Um also die Hör-/Hörsehverstehenskompetenz konsequent aufzubauen, müssen wir diverse Zielbereiche (listening comprehension, viewing comprehension, cultural encounter, media literacy, lingustic aims, etc.) abdecken. Dazu ist es notwendig, in selektiver wie spiralcurricularer Vorgehensweise eine große Bandbreite an Textsorten (drama video, documentaries, TV news and weather, discussions, interviews, TV commercials, sports programs, talk shows, game showns, educational films, speeches, etc.) abzudecken. Ferner müssen unterschiedliche analytische wie kreative Verfahren – wenn möglich als task-based activity – zur Anwendung gebracht werden, um unterstützt durch individualisierte Portfolioarbeit nachhaltiges Lernen zu ermöglichen.


Externe Links zum Basiswissen

… ZU KENNZEICHEN GESPROCHENER SPRACHE
externer Link http://www.kmk-format.de/material/Fremdsprachen/2-1-3_Kennzeichen_gesprochener_Sprache.pdf

… GRUNDSATZÜBERLEGUNGEN HSV
externer Link http://www.kmk-format.de/material/Fremdsprachen/2-1-1_Grundsaetzliche_Ueberlegung_Hoeren.pdf


 

Grundsatzüberlegungen: Download Herunterladen [doc] [51 KB]

HSV- Fertigkeit vs Kompetenz: Download Herunterladen [doc] [42 KB]

Links: Download Herunterladen [doc] [28 KB]

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Letzte Änderung: 27.10.2011