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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/englisch/hs/didaktik/fremdspr.html, Stand 25. May. 2012

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Der Umgang mit den Neuen Medien aus einem fremdsprachendidaktischen Blickwinkel

 

Aller Anfang ist (manchmal) schwer!

„Lehrerinnen und Lehrer, die sich auf den Weg machen, moderne Kommunikations- und Informationstechnologien im Unterricht zu nutzen, machen immer wieder die Erfahrung, dass zunächst eine gewisse Durststrecke zu überwinden ist.“ (1) Diese profane Weisheit mag uns Trost und Durchhaltevermögen geben!

Lesen, erfassen, strukturieren, systematisieren, kritisch sortieren, beurteilen, entscheiden

Führen wir uns noch einmal die Gedanken von Professor Günzler vor Augen. Wer über Lese-Erfahrung und Urteilsfähigkeit verfügt, entwickelt Entscheidungsfähigkeit. Der Schüler benötigt also die  Kompetenz, die im Internet gefunden Informationen zum einen durch Lesen zu erfassen, sie dann zu strukturieren und zu systematisieren. Dies befähigt ihn im nächsten Schritt zum kritischen Sortieren, was wiederum Voraussetzung für das Beurteilen von Handlungsalternativen ist. Für diesen Vorgang braucht er die Hilfe des Lehrers, der fachkundig das Sehen des Lernenden strukturiert.

Basiskompetenzen

Unterricht mit Computer, Internet etc. setzt also voraus, dass Schülerinnen und Schüler über so genannte Basiskompetenzen des selbständigen Lernens verfügen. Der Bildungsplan 2004 fordert explizit das Üben von Urteilsfähigkeit, (2) an anderer Stelle weist er auf folgenden Umstand hin: „die Lernhandlung erlaubt nicht nur, sie verlangt Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Selbstkontrolle (selfdirection)." (3)

Fremdsprachenlerner benötigen neue Lesetechniken

Der Informationsentnahme kommt zukünftig eine besondere Bedeutung zu. Deswegen sind hier auf der Ebene der Methodenkompetenz besonders unterschiedliche Verfahren zur Texterschließung zu nennen. Fremdsprachenlerner benötigen also neue Lesetechniken. Schülerinnen und Schüler, die effektiv mit dem Internet umgehen können sollen, müssen bereits sehr früh in ihrem Fremdsprachenlernprozess beginnen, unbekannte Texte zu lesen und ihren Inhalt zu erschließen, ohne dass sie jedes Wort kennen. Als Methoden, die diese Fähigkeiten anbahnen sollen, werden genannt: guessing, predicting, skimming, scanning, text-marking, note-taking, Umschreibungstechniken, Vereinfachungstechniken.

Neue Lernverfahren

Zusätzlich zu neuen Lesetechniken brauchen wir ganz allgemein die Bereitschaft, uns auch auf andere Unterrichtsmethoden einzulassen. Damit ist nicht gemeint, dass man bewährte Methoden aufgeben soll, sondern dass man sich öffnen soll für den sinnvollen Einsatz der neuen Medien, für neue Lernverfahren und veränderte Arbeitstechniken. (4) 

Multimediale Recherche und mehrkanaliges Lernen

Das gilt natürlich nicht ausschließlich für das Net, sondern auch für die Verwendung von Software. Neben dem Internet als Informationsmedium bieten sich CD-Roms als Recherchequellen an; als Beispiel sei hier die Encarta genannt. Ganz nebenbei wird hier auf der auditiven Ebene zusätzlich Wissenswertes vermittelt: Z. B. gibt es unter dem Stichwort ‚Chicago’ neben visueller Information auch einen für diese Stadt typischen Bluessong zu hören. Weiterhin sind Dictionaries in allen Varianten zugänglich, ob auf CD-Rom oder im Web. Gemeinsam ist ihnen allen, dass die Bedeutung unbekannter Wörter motivierend schnell  in Erfahrung gebracht werden kann, bei manchen Produkten darüber hinaus die Aussprache. Multimediales Lernen bzw. mehrkanaliges Lernen in Form von Bild-Text-Ton-Kombinationen spricht mehrere Sinne an und  trägt dem veränderten Lernverhalten unserer SchülerInnen Rechnung. Ein weiterer Aspekt, der eine Rolle im veränderten Lernverhalten spielt, ist der Umgang mit Hypertexten, die eine Verbindung (link) zu weiteren Texten signalisieren. Per Mausklick wird das Aufrufen einer anderen Bildschirmseite oder WWW-Adresse aktiviert. Das heißt, lineare Wissensvermittlung bzw. instruktives Lernen tritt zurück zugunsten von vorwiegend selbstgesteuertem Lernen, das durch individuelle Ziele und Interessen geleitet ist. (5)

Eigenaktives autonomes Lernen

Schüler beschreiten durch die Hypermediastruktur plötzlich  individuelle Wege des Lernens. Dies steht natürlich in starkem Kontrast zum traditionellen Konzept vom gemeinsamen Lernen am gleichen Inhalt. Reinhard Donath (6) stellt in diesem Zusammenhang die Frage „Gibt es nun kein gemeinsames Lernen mehr, keine gemeinsamen Wortschatz- und Grammatikkenntnisse, keinen gemeinsamen Wissensstand, keinen gemeinsamen Bildungskonsens?" Lernen nach dem Modell der Instruktion, wonach Wissen dann beim anderen vorhanden zu sein hat, nachdem es ihm eingetrichtert wurde, ist einseitig und mit Sicherheit nicht mehr zeitgemäß. Dagegen ist Lernen aus konstruktivistischer Sicht ein zirkulärer Prozess der Selbstorganisation und Konstruktion, in dem Wissensnetze neu aufgebaut, umgeordnet oder erweitert werden. Wenn Wissenserwerb kein Instruktions-, sondern ein Konstruktionsprozess sein soll, dann müssen Wissenskonstruktionsprozesse als selbstverantwortete Prozesse in die eigene Regie und Verantwortung des Lernenden gestellt werden. (7)

Eine Synthese aus organisiertem und selbstgesteuertem Lernen

Heißt das, dass wir als fortschrittlich denken wollende Lehrer die Methode der Instruktion an den Nagel hängen müssen? Die Antwort ist ein klares NEIN.  Lernende brauchen zwar auf der einen Seite genügend Freiraum für konstruktive Aktivitäten, auf der anderen Seite aber auch gezielte Unterstützung, vor allem, wenn Probleme auftauchen, die sie alleine nicht lösen können. Die Lösung ist nicht ein >Entweder oder< , sondern ein >Sowohl als auch<. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass die individuell oder in der Gruppe - aus entdeckendem Lernen - gewonnenen Ergebnisse in der Klassensituation zusammengeführt und systematisiert werden. Also scheint der goldene Mittelweg „die gezielte Kombination systematisch organisierter Lernperioden mit Phasen eines selbstgesteuerten und/oder kooperativen Wissenserwerbs zu sein.“ (8) 

Multimedialer Unterricht entspricht den Informationsverarbeitungstechniken heutiger Jugendlicher

Obwohl Schulen in der Regel (9) gut mit Computerarbeitsplätzen und Internet-Zugang ausgestattet sind, „meidet der überwiegende Teil der Lehrpersonen den Computerraum mehr oder weniger dezent.“ Dabei ist „offener, computerbasierter, multimedialer Projektunterricht genau das, was SchülerInnen von heute brauchen und wollen. Und LehrerInnen auch.“ (10) 

Das heißt die Motivation ist hoch und die Beherrschung der neuen Medien wird auch aus SchülerInnenperspektive als eine sehr wichtige erlernenswerte Kompetenz angesehen. (11) Jugendliche arbeiten routinierter und engagierter, wenn sie sich ihrer gewohnten Informationsverarbeitungstechniken bedienen.(12)

  Artikel als PDF [41 KB]

(1) Hobrecht, Petra (Hrsg.), Computer, Internet & Co. im Englischunterricht, Cornelsen Scriptor
(2) Bildungsplan 2004, p. 8
(3) Ebd., p.16
(4) Donath, Reinhard: Internet und Englischunterricht, S. 26
(5) Ebd., S. 29
(6) Ebd., S. 30
(7) Ebd., S. 31
(8) Ebd., S. 31
(9) SWR Schulfernsehen – Praxisbericht, S. 1, http://www.wissen.swr.de/sf/fortblg/praxis01.htm
(10) Ebd. S. 1
(11) Ebd. S. 3
(12) Ebd. S. 4

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Quelle: SXC

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Letzte Änderung: 06.10.2005