Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/ewg/nm/medienerziehung/3_ueberlegung.html, Stand 25. May. 2012
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| Durch die Verknüpfung von methodischen ITG- und inhaltlichen EWG-Standards in Bezug auf die Neuen Medien ergibt sich eine nicht unerhebliche Relevanz für den Unterricht, denn das Medium ist gleichzeitig Thema. Dies kann im konkreten Fall unter gewissen Umständen zu besonderen Schwierigkeiten führen. Anschaulich wird dies deutlich, wenn wir uns folgende Unterrichtssituation vor Augen halten: |
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| Ein Lehrer gibt seiner Klasse im Computerraum den Auftrag, sich über die Möglichkeiten und Risiken des Internet zu informieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich die Schüler nun an den PC setzen und im Internet versuchen etwas über das Internet zu erfahren. | |||
| Dass die Schüler hierbei womöglich genau den Gefahren ausgesetzt sind und ihnen auch unterliegen, die sie ja untersuchen sollen, mag selbst dem Lehrer im ersten Moment nicht bewusst sein. Es kommt nämlich nun im Einzelfall sehr auf die Medienkompetenz der Schüler an, ob sie beispielsweise auf die Quellen der begutachteten Seiten achten; ob sie gelernt haben, Problemfragen richtig zu stellen und diese dann auch noch in die geeigneten Schlagwörter umwandeln können, damit eine Suchmaschine überhaupt verwertbare und überschaubare Ergebnisse erzielen kann. | |||
Medien und Nutzer |
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| Mensch und Medium müssen als komplexes Wirkungsgefüge betrachtet werden, indem der Nutzer die Medien nur dann effektiv für seine Zwecke einsetzen kann, wenn er Medienkompetenz erworben hat, was aber eben niemals auf der theoretischen, sondern immer auf der praktischen Ebene geschehen wird, also bei der Nutzung der Medien selbst. Innerhalb dieses Prozesses wirken Medien natürlich auf ihre Nutzer ein, wobei der Effekt nicht nur negativer, sondern eben auch positiver Natur ist. Beispielsweise kann die Nutzung kindgerecht aufbereiteter Seiten im Internet sehr das kindliche Neugierverhalten aufgreifen und zu erhöhter Lernmotivation führen. |
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| Auch führt die lange Zeit gefürchtete Informationsflut neueren Untersuchungen zufolge nicht unbedingt zu einer Reizüberflutung, sondern bei entsprechend erworbener Medienkompetenz zu einer gesteigerten Selektionsfähigkeit. Auch die sich verschlechternde Lesekompetenz ist keine Parallelentwicklung zu steigender Computernutzung, denn nachweislich liest ein Großteil der jugendlichen Computernutzer mehr und häufiger Bücher als die Vergleichsgruppe. | |||
| Medien sind demnach nicht mehr nur noch einfache Vermittler von Inhalten, sondern sie sind vielmehr Teil unserer zunehmend medial geprägten Lebenswelt. Im Wirkungsgefüge mit dem Nutzer können sie darüber hinaus sogar ein Konstrukteur von Wirklichkeit sein, denn in der Auseinandersetzung mit ihnen kann der Nutzer seine Persönlichkeit und Lebenswelt entscheidend gestalten. | |||
| Diese Gestaltungsmöglichkeiten werden nun aber nicht automatisch positiv umgesetzt, denn ein psychisch labiler Jugendlicher mit familiären Problemen und ohne Medienkompetenz kann durchaus ein Opfer negativer Wirkungsweisen wie gewaltverherrlichender Computerspiele werden. Im Gegenzug hierzu kann er aber auch mit entsprechender Anleitung und Unterstützung beispielsweise in geeigneten Foren Trost und Anleitung finden, seinem Leben eine positive Richtung zu geben. | |||
Medien in der schulischen Lernwelt |
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Nach Spanhel ist der Erwerb von Medienkompetenz an sich ein „selbstgesteuerter
Konstruktionsprozess“
ist. Wenn nun aber Lernen selbstgesteuert ist, dann kommt der Gestaltung
der Lernumgebung eine besondere Bedeutung zu. Das heißt im Klartext:
Nur ein Jugendlicher, der die Chance hat, sich aller Möglichkeiten
der Medien zu bedienen, wird lernen diese verantwortungsbewusst für
die Entwicklung |
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der eigenen Persönlichkeit und die Gestaltung seiner
Umwelt zu nutzen. Dies darf nun allerdings nie die Konsequenz nach sich
ziehen, den Jugendlichen mit möglichst viel Technik auf sich gestellt
experimentieren zu lassen, vielmehr muss eine Lernumgebung geschaffen
werden, die dem Schüler möglichst viele Angebote macht und
die pädagogisch
begleitet wird. Aufenanger spricht in diesem Zusammenhang von der Bereitstellung
einer „pädagogischen Infrastruktur“ .
Hiermit ist jedoch nicht nur die Verfügbarkeit von Medien gemeint,
sondern auch eine Lehrperson, die sich aktiv mit Medien auseinandersetzt,
denn nur so kann ein Pädagoge angemessen auf die Mediensozialisation
seiner Schüler reagieren und diese mit dem Ziel der Selbststeuerung
auf ihrem Weg zur Medienkompetenz begleiten. Dass dies wie viele
andere Bereiche der neueren pädagogischen Diskussion ein Umdenken
in der Lehrerrolle nach sich zieht, erscheint folgerichtig. Der Lehrer
wird sich von der bis ins Detail vorgeplanten Stunde zumindest stellenweise
verabschieden und den Mut zu einem situationsangepassten flexiblen
Kommunikationsaustausch mit seinen Schülern finden müssen.
Auf lange Sicht gesehen könnte
dies sogar weitreichende Folgen für das Lernsystem Schule bewirken,
denn die Neuen Medien machen Lernen weitgehend zeit- und ortsunabhängig
und könnten somit zu einer Entinstitutionalisierung von Lernen führen. Eine
verantwortungsvolle Begleitung Lernender wird jedoch immer nötig
sein, denn Menschen kommen nicht als eigenständig und selbstgesteuert
auf die Welt. Vielmehr ist diese Fähigkeiten zu entwickeln ein
langer, - im Grunde genommen ein lebenslanger Prozess, der nicht nur
das nötige
Equipment voraussetzt, sondern der eben auch unterstützt, begleitet,
gefördert, gefordert und manchmal auch begrenzt sein muss, um zum
Ziel zu führen – eben genau all das, was im Grunde das Wesen
jeder Pädagogik ausmacht. |
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Spanhel,
D.: Der Aufbau grundlegender Medienkompetenzen im frühen Kindesalter.
In: Gogolin, I.; Lenzen, D. (Hg.) Medien-Generation. Leske und Budrich,
Opladen 1999, S225-240. |
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Aufenanger, S.: Aufwachsen in einer Medienwelt: Ergebnisse und Ausblicke. In: Computer und Unterricht, Heft 53/2004, Erhardt Friedrich Verlag, Velber, 2004, S. 9f. |
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