Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/franzoesisch/gym/quellen/cyberenquete/index.html, Stand 12. Mar. 2010
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Unter dem Begriff "Webquest" (auch "Web-Quest", französisch inzwischen Cyberenquête oder kürzer Cyberquête) versteht man den Versuch, Schülerinnen und Schülern ein weitgehend selbstverantwortetes Szenario zur Lösung einer konkreten Aufgabe mit Unterstützung des Internets anzubieten. Konkret bedeutet dies: von Lehrerseite wird ein möglichst offenes Thema vorgegeben, zu dem die S. ggf. unter Anleitung eigene Fragestellungen entwickeln und anschließend mit Hilfe des PCs selbständig - meist in Kleingruppen - lösen. Abschließend werden die Fragestellungen und ihre Lösungsansätze präsentiert und auch evaluiert. Die Methode stammt - wie der Name schon nahe legt - aus den USA und wurde dort ab 1995 federführend von Bernie Dodge an der San Diego State University entwickelt. Die offizielle, sehr weite Definition für Webquests von Dodge lautet: "an inquiry-oriented activity in which some or all of the information that learners interact with comes from resources on the Internet." Inzwischen werden Webquests in abgewandelter Form zum Beispiel auch an Schweizer Volksschulen erfolgreich eingesetzt.
Da der Begriff der Webquests noch relativ jung ist, ist er glücklicherweise noch nicht in feste, unumstößlich Regeln gepresst und lässt deshalb - abhängig von Gruppe und Interesse - viel persönlichen Spielraum in der Ausgestaltung. Auch die Dauer ist, je nach Vorstrukturierung, ganz unterschiedlich (mindestens zwei Unterrichtsstunden, durchaus aber auch bis zu mehreren Tagen - etwa im Rahmen von Projekttagen). Prinzipiell haben alle Webquests eine Grundstruktur aus folgenden Schritten:
1. Einstieg - Das Thema und die Fragestellungen entwerfen:
Gewöhnlich wird das zentrale Thema durch den L. vorgegeben - auch hier gibt es jedoch Spielraum (im Rahmen eines Projekts könnte etwa den S. selbst die Wahl eines Themas überlassen werden; ebenso können natürlich Themen für den Webquest verwendet werden, die die S. im Unterricht interessiert haben). Eine kurze, möglichst stark motivierende Einführung sollte durch den L. geleistet werden. Anhand des Basisthemas werden dann von den S. zentrale Fragen entwickelt, die ihnen von Bedeutung oder Interesse scheinen. Ziel dabei ist, dass das Thema "zur Sache der S." wird. Je nach Alter und Leistungsfähigkeit der Lerngruppe können diese Fragestellungen auch teilweise durch den L. vorgegeben werden, dann sollten die S. jedoch zumindest die Möglichkeit zur Ergänzung/Änderung haben.
2. Erarbeitung - Nach Antworten suchen:
Im zweiten Schritt beginnt für die S. die eigentliche Arbeit: sie sollen mit Hilfe des Internets Antworten auf die selbstgestellten Fragen suchen (Gruppeneinteilung nach Fragekomplexen). In Erweiterung des eigentlichen Webquests können/sollten hier auch weitere Medien (Lexika, Wörterbücher, vorbereitete Zeitschriftenartikel, CDs, Videos; ev. auch Materialordner zum Thema) eingebunden werden. Wichtig in dieser Phase ist, dass die S. von Anfang an ihre Arbeit und vor allem ihre Ergebnisse dokumentieren, z. B. in einem parallelen Word-Dokument. Bei der erstmaligen Verwendung der Methode durch eine Lerngruppe sollte von Lehrerseite eine Linksammlung zur leichteren Orientierung vorgegeben werden - diese dient natürlich nur als erste Orientierung und sollte von den S. im Verlauf des Webquests erweitert werden. Die Aufgabe des L. in dieser Hauptarbeitsphase beschränkt sich auf sog. Coaching-Funktionen, d. h. die Lehrperson greift nur auf Nachfrage der S. beratend-unterstützend in den Lernprozess der jew. Kleingruppe ein, um über bestehende Hürden (technisch, aber durchaus auch inhaltlich) hinweg zu helfen.
3. Präsentation - Die Vorstellung der Ergebnisse:
In der dritten Phase präsentieren die Kleingruppen ihre Ergebnisse vor dem Plenum. Hier bietet sich an, ebenfalls den PC (mit Datenprojektor) als Präsentationsmedium einzusetzen (Erstellung von Folien, Webseiten, Powerpoint-Präsentation etc.) - auch hier kommt natürlich dem technischen Vorwissen der Gruppen wichtige Bedeutung zu. Bei fortgeschrittenen Lerngruppen mit hohem technischen Verständnis könnte sich z. B. auch die Erstellung einer Website zum Thema anbieten.
4. Evaluation - Den Lernprozess reflektieren:
Die letzte Phase bildet die Evaluation des Quests bzw. der Arbeit der Kleingruppen, die den S. die Reflexion über ihr Lernverhalten ermöglichen soll. Hier bieten sich verschiedene, auch modernere Evaluationsformen an: Fragebogen, Schülerbewertung der Präsentationen, Quest-Tagebuch, ggf. auch in Kombination miteinander oder mit Formen der klassischen Benotung.
Förderung sozialer Fähigkeiten durch "reale" Gruppenarbeit: Arbeitsaufteilung, Verantwortung für übernommene Fragestellungen, gegenseitige Hilfe bei Problemen etc.
mehr Eigenverantwortung der S. durch selbstentwickelte Fragestellungen und selbständige Lösungssuche.
Förderung methodischer Fähigkeiten: Umgang mit neuen Medien, Strukturierung von Information, Präsentation etc.
Förderung intrinsischer Motivation: durch Selbstverantwortung und positiv belegte Arbeitsformen (Kleingruppen, PC...) steigt die Wahrscheinlichkeit selbstgesteuerter Motivationsprozesse.
Abbau von Berührungsängsten mit authentischen Texten: durch die selbst entworfenen Fragestellungen und das damit geschaffene Interesse am Finden einer befriedigenden Antwort sinken die Berührungsängste bei der Arbeit mit authentischem Material.
Verbesserung des Textverständnisses: fast automatisch unterlassen die S. bei der Arbeit mit dem PC das sonst so übliche Wort-für-Wort-Übersetzen einzelner Sätze zugunsten eines kursorischen oder suchenden Lesens. Dies schult zum einen das Globalverständnis, gleichzeitig aber auch das immer wichtiger werdende Filtern relevanter Information.
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Vorteile |
Nachteile |
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