Didaktische Konzeption
Welche Chancen bieten die Neuen Medien für das Fach Gemeinschaftskunde?
Erliegen wir lediglich einer modischen Technikfaszination? Geben wir nur dem
Sog der rasanten Entwicklung nach?
Die Neuen Medien müssen ihre sinnvolle Funktion in der Didaktik des Faches sicher
erst einmal unter Beweis stellen.
Als die zentralen Aufgaben des Faches verstehen wir:
bei Jugendlichen die Fähigkeit und Bereitschaft fördern, zu politischen Fragen
im kontroversen Diskurs Meinungen zu entwickeln, zu begründen und politisches
Handeln vorzubereiten. Was können die Neuen Medien zu dieser pädagogischen Aufgabe
beitragen? Selbstständiges Handeln sowohl im Bereich der Recherche und
Informationsverarbeitung als auch der Ergebnispräsentation wird mit Hilfe der
neuen Medien wesentlich vereinfacht und gehört (...) inzwischen zur gesellschaftlich
geforderten Medienkompetenz. Der schnelle und ortsunabhängige Zugriff
auf kontroverse Informationen, verschiedene Meinungen und Weltsichten, den die
neuen Medien ermöglichen, fördert zusätzlich die multiperspektivische Ausrichtung
des politischen Handelns und ihre Erprobung im Gemeinschaftskundeunterricht.
Auf einen kurzen Nenner gebracht: die Medien bieten die Möglichkeit, ein fachwissenschaftlich
solides Arbeiten und Handeln mit politischen Handlungen und sogar spielerischen
Elementen zu verbinden. Der didaktische Ansatz und die Anwendungsbeispiele sind
dabei wesentlich den Prinzipien:
- Kontroversität
- Problemorientierung
- Schülerorientierung
- Arbeitsunterricht
verpflichtet. Die
Fortbildung ist so angelegt,
dass die wichtigsten Anwendungsbereiche der Neuen Medien in Gemeinschaftskunde:
mit Beispielen aus Politik, Soziologie und Wirtschaft sowohl in der Mittel-
als auch der Kursstufe vorgestellt werden.
Information
Auch wenn das traditionelle Lehrbuch weiterhin das Leitmedium bleiben sollte,
so wird es dem Anspruch der
Aktualität nicht gerecht. Wie könnte es auch
bei einem solch rasanten Wandel in allen Politikbereichen anders sein. Deshalb
wird der Einsatz der Neuen Medien im Bereich
Informationsbeschaffung und
Informationsbearbeitung von den meisten als eine enorme Erleichterung empfunden.
Das Ausweiden mehrerer Periodika und das Sammeln und Stapeln, das Ausschneiden
und Zusammenkleben von Printmaterial, das kaum zwei Jahre aktuellen Bestand hat,
gehört der Vergangenheit an. In zunehmendem Maße wird das umfangreiche Recherchieren
von geeignetem Material auch für die
neuen Prüfungsaufgaben und für die mündlichen
Prüfungen im Abitur wichtig. Die
Informationsphase beansprucht als
unverzichtbare Voraussetzung jeder kompetenten Diskussion einen wichtigen Raum
des Unterrichtsgeschehens. Eine Qualitätssteigerung dieser Phase erreichen wir,
wenn die Lernenden
selbstständig recherchieren. Selbstverantwortetes Lernen
und eigene Aktivität sind Bestandteile eines attraktiven und motivierenden Unterrichts.
Dennoch eignet sich das Internet wegen seiner chaotischen Fülle und Anarchie nicht
einfach zum Wissenspool. Die Lernenden bedürfen der Anleitung. Zur „Medienkompetenz“
gehören die Fertigkeiten: im Web gezielt zu navigieren, Adressen sachbezogen
zu suchen, Informationen zu bewerten und zu bearbeiten. Dies ist eine Querschnittsaufgabe
moderner Bildung. Im Gemeinschaftskundeunterricht lassen sich jedoch wie kaum
in einem anderen Fach die Konsequenzen sorgfältiger und kritischer oder oberflächlicher
und unkritischer Informationsauswertung für die Meinungs- und Urteilsbildung zeigen
und verstehen. Deshalb wird ein Anwendungsschwerpunkt der Neuen Medien im Gemeinschaftskundeunterricht
eben die Recherche sein müssen. Sie soll geübt werden an:
- Internetrecherche
- Datenbankarbeit
- Umgang mit Suchmaschinen
- Zugang zu Bibliotheken, Bibliographien, externen Fakten-Datenbanken, elektronischen
Volltexten und Zeitschriften

Kommunikation
Schülerinnen und Schüler können mit vertretbarem Aufwand ihre Kommunikations-
und Diskussionsprozesse über verschiedene Stufen aus der Schule hinaus in andere
Räume und Institutionen verlegen. Sie können innerhalb der Gruppe im Intranet
Informationen untereinander austauschen, sich an Foren beteiligen, politische
Chats austauschen, Experten interviewen. Die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen
hilft eine bewusste Akzeptanz anderer Meinungen zu entwickeln. Das Anerkennen
von „fremder Meinung und Leistung ist sowohl im ethischen als auch im rechtlichen
Sinne (z.B. Datenschutz, Copyright) Teil einer Werteerziehung. Dies soll geübt
werden an:
- Versenden und Empfangen von elektronischer Post, d. h. die weltweite Kommunikation
mit anderen Schülern
- Kontakt zu politischen Institutionen u. Organisationen (z.B.: Regierungen,
Parteien, Verbände, NGOs u.v.a.m.)
- telekooperatives Arbeiten, d. h. das moderierte Arbeiten mit anderen Schülern
an einem gemeinsamen Thema
- Kontakt zu Fachwissenschaftlern und Fachdidaktikern (ask a professor)
- Chats, Foren

Forschen
Ein einfaches Statistik- und Grafikprogramm eröffnet erstmals Lernenden wissenschaftspropädeutisches
Arbeiten im Bereich der empirischen Sozialforschung. Am Beispiel von Forschen
mit GrafStat WIN werden
- Erstellen von Fragebögen,
- Eingabe der Daten,
- Auswertung und Präsentation
eingeübt. Wenn die Lernenden Probleme aus ihren Lebensbereichen erforschen,
hilft ihnen das, das eigene Interesse zu artikulieren und bewusst zu werden,
dass es im Fach Gemeinschaftskunde verstärkt um ihre eigenen Belange geht.
Präsentation
Der Prozess der seriösen Meinungsbildung muss mit den entsprechenden Präsentationstechniken
unterstützt werden. Zur Anwendung des Wissens und zur vertiefenden Wiederholung
lassen sich z.B. im Bereich Ökonomie geeignete Simulationsprogramme einsetzen.
Damit können Abläufe und Zusammenhänge anschaulich präsentiert werden. Dafür bieten
die Neuen Medien geeignete Werkzeuge.
- Powerpoint
- Excel, GrafStat Win
- Simulationsprogramme

Medieneinsatz im Fachunterricht
Die medialen Zugänge werden methodisch über den Einsatz von
- einem Rechner ( z.B. Laptop + Beamer),
- über Lerninseln mit einigen Rechnern bis hin zur
- Nutzung der EDV-Räume
angeboten.