Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/gkg/gym/nm/politik/, Stand 12. Feb. 2012
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Vom 16. bis zum 27. März 2002 fand in Schleswig-Holstein der weltweit erste virtuelle Parteitag statt, an dem sich alle interessierten Menschen aktiv beteiligen und die Politik der Grünen durch Debattenbeiträge, eigene Anträge oder Votenvergabe direkt beeinflussen konnten. "Wo verdienen die Grünen Unterstützung, wo sollten sie ihre Politik verändern? Gibt es bestimmte Anliegen, die von den Grünen nicht oder nicht ausreichend umgesetzt werden? Was wollten Sie prominente Grüne schon immer mal fragen?"
Schülerinnen und Schülern eröffnen sich mit diesem Angebot neue Partizipationschancen, Öffentlichkeit entsteht durch unmittelbare und mittelbare Kommunikations(medien). Sie nehmen ebenso teil an einer medialen Inszenierung von Politik und hinterfragen sie kritisch. Damit lässt sich "Politikblockierung und der Vertrauensverlust in politischen Eliten" (Leggewie) abbauen.
Sie erfahren durch die Nutzung digitaler Medien, dass die "digital divide" zwischen den Menschen mit Internet-Zugang und denen vor allem in den Entwicklungsländern, die keinen Internet-Access haben, schon jetzt bestehende ungleiche Partizipationschancen weiter verstärkt.
Schließlich können sie im Unterricht untersuchen, ob der durch die Globalisierung von Information verursachte Beschleunigungswettlauf demokratische Institutionen aushebelt.
Die eingesetzten
Kanäle sind vielfältig: Informationsaustausch innerhalb
der Gruppe im Intranet, Beteiligung an Foren und politische Chats, Interview
von Experten.
Das Potenzial des digitalen Mediums reicht von der Authentizität des Materials, über die Aktualität bis zur Einsatzmöglichkeit im binnendifferenzierten Unterricht. Formen eigenständigen Arbeitens, Lerner- und Handlungsorientierung mit Bezug zu biografischen und umfeldbezogenen Anknüpfungspunkten sind weitere Vorzüge des Mediums.
Die Pluralisierung der Lebensformen und der sozialen Beziehungen wird erfahrbar,
genauso wie die Mitverantwortung für das Ausbalancieren eigener Ansprüche gegenüber
den Ansprüchen der Mitmenschen. Im Einsatz von E-Mails, in der Erarbeitung einer
Netiquette,
einem Verhaltenskodex im Netz, kann die Achtung vor der Integrität anderer eingeübt
und das Finden der eigenen Identität erprobt werden. Simulationen und
Planspiele wie
Cyberdingen ermöglichen die Einbeziehung mehrerer
Schulen.
Wenn es gelingt, die Chancen der elektronischen und multimedialen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten so zu nutzen, dass sich die Partizipationschancen am demokratischen Meinungs- und Willensbildungsprozess erhöhen und sich eine Zivilgesellschaft herausbildet, kann das Internet tatsächlich ein Mehr an Demokratie bringen. Noch kennzeichnen jedoch oft disparate Quellen, bescheidene Qualität des Angebots, mangelnde Nachhaltigkeit sowie ungleiche Zugangsmöglichkeiten die Nutzung des Internet in unserer Gesellschaft.

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