Planspiel - eine allgemeine didaktische Einführung
Theoretischer Ausgangspunkt : Seit ca. 5000 Jahren
wurden primär strategische Planspiele zunächst nur für militärische Zwecke
(Sandkastenspiele), seit 50 Jahren aber auch Einsatz im "business-management-training"
eingesetzt. Erst in den 60er Jahren wird deren Einsatz auch im Bereich der
politischen Bildung diskutiert.
Definition: Planspiele sind "...komplex
gemachte Rollenspiele mit klaren Interessengegensätzen und hohem Entscheidungsdruck."
(Hilpert Meyer, Unterrichtsmethoden II, Frankfurt a.M. 1987, 366)
Unterschiede zum Rollenspiel? Die Grenzen sind fließend, denn auch
im Planspiel übernehmen die Lernenden Rollen, die jedoch stark formalisiert
sind und keinen Spielraum für individuelle Rolleninterpretation zulassen.
Sie stehen für klar umrissene Positionen, Interessengruppen oder politische
Organisationen. Ihr Ziel ist nicht die Empathie mit anderen Rollen, sondern
das Kennenlernen von Entscheidungsprozessen und ihrer Handhabung. Im Entscheidungsprozess
sollen gesellschaftliche und politische Konflikte aus bestimmten Interessenpositionen
heraus im Spiel bearbeitet werden. Planspiele haben ihren Schwerpunkt deshalb
auf der Ebene des politischen Lernens.
Charakteristika des Planspiels: Planspiele haben als Simulationsspiele
Modellcharakter. Deshalb gilt:
-
Reduktion auf einzelne Daten, Strukturen, Handlungsabläufe
(ähnlich wie beim Rollenspiel)
-
Auswahl politisch relevanter Entscheidungsprozesse
-
Entscheidungsprozesse in einem "objektiven Konflikt"
-
Kette von Entscheidungen: Entscheidungen innerhalb der
eigenen Gruppe, Entscheidungen zwischen den Konfliktparteien, Entscheidungen
über den Konflikt hinaus
-
Entscheidungen lösen Reaktionen aus. Die erfordern wiederum
flexibles Reagieren.
-
Handeln im Planspiel: Analyse von Problemen, Abwägen
von Alternativen, Entwicklung von Strategien, Treffen von Entscheidungen
Einsatzmöglichkeiten des Planspiels: Planspiele sind immer problem-
nicht wissensorientiert. Daher sind sie sinnvoll einsetzbar, um
zu verdeutlichen und Einsicht in Interessenlagen, Machtstrukturen und Entscheidungszwänge
zu vermitteln.
Die für den Spielprozess notwendigen Kenntnisse erwerben die Lernenden entweder
während des Spielablaufs. Dann müssen Phasen der Wissensvermittlung in den
Spielprozess integriert werden. Oder das Planspiel ist die handlungsorientierte
Anwendung und Einübung des vorher aufgearbeiteten Wissens.
Lernziele des Planspiels:
-
Erlernen komplexer Zusammenhänge, "gefahrlose"
Erprobung von Wissen und Fähigkeiten
-
Praxisbezug, Weckung oder Verstärkung sachbezogener Interessen
-
Aufzeigen von gesellschaftlichen und politischen Konfliktfeldern,
Transparenz von Entscheidungsprozessen
-
Erfahrung rollenabhängiger Interessenperspektiven und
systembedingter Entscheidungszwänge
-
Entwicklung von Handlungsstrategien, Fähigkeit zum Taktieren
und Kooperieren
-
Erhöhung der Fähigkeit zur Kommunikation und Teamarbeit
-
Unreflektiertes Übertragen der im Spiel erworbenen Erfahrungen
auf die politische Wirklichkeit
-
Anpassung an oder Resignation vor vermeintlich unveränderbaren
Systemzwängen
-
zu wenige erprobte und praktikable Planspiele
-
Anspruchsniveau oftmals zu simpel oder zu komplex für
den Einsatz im Unterricht.
| Erfolge des Planspieles hängen von der
Sorgfalt ihrer Vorbereitung und ihrer optimalen Integration in den Gesamtunterrichtsvorgang
entscheidend ab |
Der organisatorische Ablauf:
Vorbereitungsphase:
-
Bereitstellen von Räumen und Materialien
-
inführung in das Spiel, Spielregeln
-
Informationsphase, passives Wissen => aktives Wissen
-
Bildung der Spielgruppen
Spielphase:
-
Gruppenmitglieder diskutieren ihre Ziele u. Interessen,
Lehrer beraten
-
Aufnahme von Verhandlungen mit Bündnispartnern, entwickeln
der Gruppenstrategie
-
Klärung der Gruppenstrategien, Arbeitstechniken
-
Entscheidungsfindung z.B. in Form einer Konferenz (nicht
immer Kompromisse)
Reflexionsphase:
-
Umstellung vom Handeln zum Denken
-
Verallgemeinerung von Erkenntnissen
-
Diskrepanz zur Wirklichkeit
-
Methodenreflexion
aus: Peter Massing, Handlungsorientierter Politikunterricht, Schwalbach 1998,
34
Probleme von Planspielen im Gemeinschaftskundeunterricht:
Die Vorzüge von Planspielen liegen auf der Hand:
-
hohe Motivation der Lernenden
-
Anschaulichkeit
-
Erleben dynamischer politischer Prozesse und systembedingter
Interdependenz
-
Kommunikationsförderung
-
Eigenverantwortliches Entscheiden
Stichwort "Computersimulationsspiele":
Viele betriebs- und volkswirtschaftliche Vorgänge lassen sich mit Planspielen
sinnvoll und anschaulich nachvollziehen. Dafür sind auch schon geeignete Computersimulationen
entwickelt worden. Bei politischen Entscheidungsprozessen sind die bisher
bekannten Computerspiele entweder zu komplex oder zu simplifiziert. Hier besteht
noch Möglichkeit zur Entwicklung eigener, nicht computergestützter Planspielideen.
Dennoch muss vor einer übertriebenen Erwartung gewarnt werden.
-
Entscheidungs- und Kommunikationsfähigkeit ist eine Aufgabe,
die vom ganzen schulischen Erziehungsprozess geleistet werden muss, hängt
also nicht nur von einem Fach ab. Mangelnde Fähigkeiten lassen sich auch
durch ein einzelnes Planspiel nicht kompensieren.
-
Die Verknüpfung von Spiel- und Reflexionsphase gehört
zu den schwierigsten Aufgaben. Gelingt sie nicht, ist der Sinn des ganzen
Planspiels fragwürdig.
-
Die Zusammensetzung der Spielgruppen ist für den Ablauf
wichtig, sollte deshalb nicht dem Zufall überlassen werden. Gruppen sollten
in ihrer Leistungsstärke gemischt sein. "Schlüsselgruppen" (z.B.
Betriebsleitung, Vorsitzende, Moderatoren etc.) wenn nicht von den Lehrenden
übernommen, sollten besonders kompetenten Lernenden übertragen werden.
-
Planspiele erfordern räumliche und zeitliche Bedingungen,
die im "normalen" Schulalltag nur schwer herzustellen sind, bleiben
daher leider oft nur dem Projektunterricht vorbehalten.
Simulationsplanspiele in dieser Fortbildung
Macro,
ein Simulationsspiel, das makroökonomische Zusammenhänge in geschlossenen
und offenen Volkswirtschaften nachspielt.
Das Projekt Cyberdingen wurde leider beendet!
Cyberdingen, ein internetbasiertes Planspiel, das Entscheidungsprozesse
auf kommunalpolitischer Ebene simuliert, erlebbar und durch die internetgestützte
Spielleitung auswertbar macht.
| Willkommen zu unserer virtuellen
Planspielstadt im Internet
www.cyberdingen.de
|

|
Didaktische Tipps
| Auch bei der Integration von Planspielen
im Gemeinschaftskundeunterricht gilt:
- Guter Unterricht lebt von einem sinnvollen Methodenmix.
- Zwei- bis dreimal sollten die Lernenden während ihrer Schullaufbahn
ein Planspiel durchgeführt haben.
- Kooperation und Erfahrungsaustausch unter den Kollegen ist hierbei
nicht nur hilfreich, sondern unabdingbar.
|
Literatur :
Ulrich Baer, 500 Spiele für jede Gruppe, für alle Situationen,
Remscheid 1988
Udo Wenzl, Planspiele in der Jugendarbeit, Östringen 1996
Heinz Klippert, Planspiele, Spielvorlagen zum sozialen, politischen
und methodischen lernen in Gruppen, Weinheim Basel 20024