Fachdidaktische Überlegungen
Didaktische Anmerkungen zum Testen von Hypothesen
- Fachlich-inhaltliche Gesichtspunkte:
- Bei der praktischen Durchführung von Tests darf die Stichprobe erst nach Formulierung der Hypothesen und Festlegung des Signifikanzniveaus erhoben werden.
- Gefahr der Manipulation der Hypothesen
- „Mit Statistik lässt sich alles beweisen.“
- Die Festlegung des Signifikanzniveaus ist subjektiv und willkürlich.
- Sie hängt stark von den Konsequenzen einer Verwerfung der Nullhypothese ab.
- Die Frage muss deshalb stets lauten: „Wie schlimm ist es, wenn ich die Nullhypothese verwerfe obwohl sie zutrifft?“
- Sie bestimmt den Ablehnungsbereich.
- Liegt das Stichprobenergebnis nicht im Ablehnungsbereich, so bedeutet dies nur, dass eine Ablehnung der Nullhypothese nicht möglich ist. (Den Begriff „Annahmebereich“ möglichst nicht verwenden! Besser: „Nicht-Ablehnungsbereich“)
- Wahl der Nullhypothese
- Fehler 1. Art sind kontrollierbar, der Fehler 2. Art ist häufig unbekannt.
- Bei der Wahl der Nullhypothese beachten!
- Eine Hypothese kann durch Ziehen einer Stichprobe niemals „bewiesen“ werden, aber sie kann als sehr unwahrscheinlich erkannt werden.
- Die Nullhypothese ist oft die Negation der zu überprüfenden Vermutung!
- Eine Bestimmung der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit wäre prinzipiell auch mit Hilfe relativer Häufigkeiten möglich.
- häufig zu kosten- oder zeitaufwändig
- Methodische Gesichtspunkte:
- Lernvoraussetzungen: Sicherer Umgang mit der Binomialverteilung in theoretischer Hinsicht und in der praktischen Handhabung (Bestimmung von Einzel- und Summenwahrscheinlichkeiten mit dem GTR)
- Problemfelder:
- Begrifflichkeit: Vielzahl (schwieriger) Begriffe
- Argumentationsmuster: bedingte Wahrscheinlichkeit,
indirekte Argumentation!
Analogie zum indirekten Beweis:
Indirekter Beweis liefert absolute Sicherheit ↔
Testen liefert Wahrscheinlichkeitsaussage
- Interpretation der Ergebnisse und Fehler: häufig nicht trivial
- Hoher Realitätsbezug: macht die Problemsituation eher schwieriger
- Testen wird deshalb oft als unverstandenes Rezept übernommen.
- Prinzipien für den Unterricht
- Entschleunigung der Begriffbildung, ggf. Arbeiten mit vorläufigen Begriffen
- Betonung des inhaltlich-anschaulichen Arbeitens und Verstehens gegenüber formaler Elemente
- Nahezu alle Fragestellungen im Zusammenhang mit Hypothesentesten lassen sich durch Betrachtungen von Intervallwahrscheinlichkeiten anschaulich bearbeiten.
- Vermeiden rezeptartigen Arbeitens
- Verwenden der heuristischen und explorativen Möglichkeiten neuer Medien: Tabellenkalkulation, GTR, dynamische Systeme.
Variieren von Parametern!
- Testen von Hypothesen:
- Weit verbreitete Methode der beurteilenden Statistik
- Spiegelt Arbeitsweise der empirisch arbeitenden Wissenschaften wider:
- Aufstellen und Verwerfen von Hypothesen nach rationalen Kriterien
- Verständnis und Reflexion im Umgang damit ist wichtiger als das unverstandene Abarbeiten eines Schemas.
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