Bewertungskriterien für Simulationsprogramme
Wie
jedes Medium, das im Unterricht Verwendung finden soll, sind auch die Neuen
Medien auf ihre Verwendbarkeit im Unterricht und ihr Nutzen für den
Lernprozess der Schülerinnen und Schüler kritisch zu prüfen.
Dabei können nachfolgende Kriterien als prinzipielle Orientierungshilfen
verstanden werden, die aber im konkreten unterrichtlichen Kontext ausdifferenziert
werden müssen.
Grundsätzlich sollte bei der Auswahl
der Software darauf geachtet werden, dass die Darstellung der Inhalte sich
auf das Wesentliche konzentriert und keine optischen oder akustischen „Ballaststoffe“,
die vermeintlich der Motivation der Schülerinnen und Schüler
dienen sollen, enthält. Derartige "Ballaststoffe" fördern meiner
Meinung nach die Orientierungslosigkeit der Schülerinnen und Schüler
und bewirken ein zielloses Navigieren auf der Suche nach weiteren multimedialen
Spielereien. Zielorientiertes Lernen bzw. ein Lernerfolg an sich, ist dabei
ausgeschlossen.
Bei Software, die für den Unterricht
geeignet ist, kann der Schwierigkeitsgrad und die fachliche Tiefe der digital
angebotenen Lehr- und Lernaufgaben vom Lehrer flexibel ausgewählt
werden und eine Integration der Inhalte in die jeweilige Unterrichtseinheit
ist auf diese Weise prinzipiell möglich.
Damit den Schülerinnen und Schülern
die Arbeit mit der Software erleichtert wird, muss eine sachbezogene Hilfe,
die in einer schülergerechten Sprache formuliert ist, im Programm
jederzeit verfügbar sein. Dadurch können die Schülerinnen
und Schüler Fragen, die sich auf den Umgang mit dem Programm beziehen,
selbstständig klären. Derartige Bedienungshilfen sind Grundvoraussetzung,
um einen reibungslosen Einsatz eines Computerprogramms im Unterricht zu
gewährleisten. Ebenso wird der Ablauf und die Steuerung des Programms
durch eine logisch und eindeutig strukturierte Benutzeroberfläche
deutlich. Speziell bei verzweigten Programmstrukturen wie beispielsweise
bei Hypertextsystemen ist eine übersichtliche Navigation und die gegliederte
Anordnung der Themenbausteine entscheidend, damit die Schülerinnen
und Schüler den Überblick nicht verlieren und das Lernziel erreichen
können.
Beim Einsatz aller Medien sollte prinzipiell
die Frage leitend sein, ob das Medium den Lerngegenstand veranschaulicht
und damit die Schülerinnen und Schüler beim Lernprozess unterstützt.
Meiner Meinung nach kommen Medien nur dann zum unterrichtlichen Einsatz,
wenn sie vermittelnde Funktion zwischen Lerner und Lerngegenstand haben.
Der Vorteil bei den digitalen Neuen Medien liegt eindeutig im Bereich der
Simulation und der Modelldarstellung. Sehr komplexe Naturphänomene
können anschaulich dargestellt werden, wobei auch hier den Schülerinnen
und Schülern bewusst sein sollte, dass Modelle uns prinzipiell durch
ihre Reduktion auf das Wesentliche lediglich als Denkhilfen zur Erkenntnisgewinnung
dienen.
Simulationsprogramme bieten die Möglichkeit,
einen in der Natur nicht beobachtbaren, gefährlichen oder komplexen
Sachverhalt modellhaft darzustellen. Als Modell wird in der Regel ein auf
wesentliche Erkennungsmerkmale reduziertes Abbild eines Gegenstandes oder
auch eines Sachverhaltes verstanden. Dabei spiegelt ein Modell die Realität
nur so gut wieder, wie die Erkennungsmerkmale aus der Realität auf
das Modell übertragen wurden. Beim unterrichtlichen Einsatz eines
Modells sollte den Schülerinnen und Schülern dies bewusst sein,
um die Grenzen der Aussagekraft der Simulation einschätzen zu können.
Computer werden in den Naturwissenschaften
schon seit langer Zeit zur Modellbildung und zur Simulation komplexer Systeme
eingesetzt. Da die Schülerinnen und Schüler im naturwissenschaftlichen
Unterricht zum Verständnis der Sachverhalte auf Modelle angewiesen
sind, kann im Bereich der Modellbildung der Einsatz von Computerprogrammen
nützlich sein.
Wie bei jedem Medium gibt es auch bei Modellsimulationen am Computer Nachteile.
So ist z. B. die dreidimensionale Darstellung auf dem zweidimensionalen Bildschirm
schlecht darstellbar. Durch die bildliche Darstellung auf einer Ebene fehlt den
Schülerinnen und Schülern die entscheidende Möglichkeit des „Begreifens“,
wie sie vergleichsweise Steckmodelle bieten. Ein vollständiger Verzicht auf
die herkömmlichen Modelle erscheint daher nicht sinnvoll. Computerdarstellungen
können lediglich vorhandene Modellvorstellungen erweitern und vertiefen.
Im Unterricht ist der Computereinsatz nur sinnvoll, wenn komplexe und oft nicht
direkt beobachtbare Phänomene veranschaulicht werden können.