Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/gestaltung/forum_m_g/05_projekte_exkursionen/05_4_museumsbesuch/, Stand 26. May. 2012
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Museumsbesuche mit Schülerinnen und Schülern werden von Lehrerinnen und Lehrern teilweise sehr kontrovers gesehen. Oft liegt das Hauptinteresse der Schülerinnen und Schüler nicht im Museumsbesuch selbst, sondern am Gang zu McDonalds und an der Shopping-Tour in der Innenstadt.
Manche Lehrerinnen und Lehrer machen aus diesem Grund selten oder nie Museumsbesuche. Eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern erkennt dagegen gerade in Museums-, Ausstellungs-, Messebesuchen usw. eine Bereicherung des Unterrichts. Diese Gruppe findet in solchen Exkursionen eine Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler auf anderen Ebenen und fern des Klassenzimmers erfolgreich zu erreichen und für den Unterrichtsstoff zu interessieren.
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Kriterien für erfolgreiche Exkursionen
Eine erfolgreiche Exkursion entsteht nicht von alleine, sondern erfordert mehr als eine präzise Vorbereitung oder Buchung einer Führung.
Kriterien für erfolgreiche Exkursionen sind:
• Reflexion über die Ziele der Veranstaltung
- Fachliche Ziele
- Allgemeine Ziele
• Einbeziehung ins Unterrichtsgeschehen
- vor der Exkursion als Vorbereitung
- nach der Exkursion im Sinne einer Nachbereitung
- Verknüpfung mit (neuen) Unterrichtsinhalten
• Präzise Arbeitsaufträge während der Exkursion
• Exponate müssen für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar und/oder erlebbar sein
• Präsentation der bei der Exkursion erarbeiteten Ergebnisse
- vor Ort oder
- nach der Rückkehr im regulären Unterricht
Beispiel für eine Exkursion
Eine Exkursion in die Sammlung "Peter C. Ruppert – Konkrete Kunst in Europa nach 1945" im Museum im Kulturspeicher Würzburg wird hier exemplarisch als ein möglicher Weg für Ausstellungsbesuche mit Schulklassen beschrieben. Dieser ist auch auf andere Museen oder Exkursionen zu übertragen. Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler, welche im Gestaltungsbereich unterrichtet werden. Schwerpunkte bilden bei diesem Vorschlag die Wahrnehmungsübungen bzgl. Grundlagen der Gestaltung, wie z. B. Proportionen, Anordnungen, Kontraste, sowie die Gestaltgesetze und Wahrnehmungsphänomene.
Wahrnehmungsübungen zu Grundlagen der Gestaltung
Vorüberlegungen
Um eine Ausstellung zu erschließen, gibt es vielfältige Ansätze. Klassisch ist sicherlich eine kunstgeschichtliche Hinführung in die Ausstellung. Aber auch eine Betrachtung der gesellschaftspolitischen, historischen oder sozialen Hintergründe ist denkbar. Da wir von einer Schülergruppe ausgehen welche aus dem Gestaltungsbereich stammt, werden hier vorzugsweise gestalterische und formale Aspekte vorbereitend für die Ausstellung und die Werkbetrachtungen vorgenommen.
Grundlagen der Gestaltung, wie Proportionen, Anordnungen, Kontraste, Gestaltgesetze und Wahrnehmungsphänomene im Kunstmuseum zu erkunden ist nicht ganz unproblematisch, da die „Kunst“, d.h. die künstlerische Intention und Aussage, zwangsläufig mit inhaliert wird. Bei der Betrachtung von Kunstwerken ist es schwer, nur das Werk als solches zu betrachten und sich vom Zusammenhang zu lösen, welcher das Werk an sich ausmacht.
Aus diesen Gründen wurde zu diesem Thema gerade die Sammlung von "Konkreter Kunst" gewählt. Der Konkreten Kunst liegen ähnliche Ausdrucksweisen und Systematiken zu Grunde wie in der Gestaltung und speziell in der Gestaltungslehre, da in der Konkreten Kunst die bildnerischen Mittel selbst zur Anschauung gebracht werden.
Vorstruktur
• Grundlagen der Gestaltung, wie Proportionen, Anordnungen, Kontraste, Gestaltgesetze und Wahrnehmungsphänomene sind im Unterricht besprochen
• Schülerinnen und Schüler haben die Arbeitsblätter beim Museumsbesuch als Hilfsmittel dabei
• Klärung ob im Museum, z.B. im Kulturspeicher Würzburg, fotografiert werden darf.
Ziele
-> Allgemeine Ziele
• Kontakt und Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern fördern
• Lehrer nicht in der klassischen Rolle des Stoffvermittelnden, sondern als Moderator
• Bildung der Klassengemeinschaft unterstützen
- Strukturen / Gruppenbildung in der Klasse erkennen (wer arbeitet freiwillig mit wem?)
- Strukturen / Gruppenbildung in der Klasse durchmischen durch andere Gruppeneinteilungen (vom Lehrer geplante, Losverfahren…)
• Schülerinnen und Schüler an Museumsbesuche hinführen und zu diesen animieren
• Lernen außerhalb des Klassenzimmers - Exkursionen als Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler auf anderen Ebenen fern des Klassenzimmers erfolgreich zu erreichen und für den Unterrichtsstoff zu interessieren
-> Fachliche Ziele
• Training
- Beobachtungsgabe (Erkennen von Gestaltungselementen, Gestaltungsmitteln und Wahrnehmungsphänomenen)
- Kommunikation über Gestaltung unter Einsatz der Fachsprache (Beschreiben der Gestaltungselemente, der Gestaltungsmittel und der Wahrnehmungsphänomene)
• Theoretische Übung zu den Gestaltungselementen, Gestaltungsmitteln und den Wahrnehmungsphänomenen
• Ausstellungsobjekte bewusst und aktiv wahrnehmen
• Einführung in Werkbetrachtungen unter Hinterfragung unter gestalterischen Aspekten (Syntaktik)
• Entdecken der Ausstellungsobjekte – selbstständiges Erschließen eines Museums/einer Ausstellung
Museumsbesuch - Durchführung
• Bereits im vorangegangenen Unterricht oder während der Anfahrt (im Bus oder Zug)
- wird die Klasse in Dreier-Gruppen eingeteilt oder teilt sich selbst in solche Dreier-Gruppen. Wird die Klasse vom Lehrer oder per Losverfahren eingeteilt, so sollte dies von der Lehrerin/vom Lehrer begründet werden (Sozialisation, Durchmischen der Klasse usw.)
- bekommen die Dreier-Gruppen den Arbeitsauftrag
• Arbeitsphase zu Beginn des Museumsbesuchs, da in dieser Phase die Motivation am Größten ist - nicht nach einer Führung oder Ähnlichem!
• Schülerinnen und Schüler sollen nur auf die rein formalen Aspekte der ausgestellten Werke achten, da ihnen die Hintergründe zu den (modernen) Künstlerinnen und Künstlern weitgehend fehlen.
• Arbeitsauftrag dient auch der Entdeckung und Erschließung des Museums.
• Bei Klassen mit bis zu 20 Schülerinnen und Schülern kann die Präsentation direkt im Museum erfolgen (max. 7 Gruppen á 5 – 10 Minuten = 45 – 60 min).
Bei größeren Klassen könnte ein Teil der Arbeiten im Unterricht präsentiert werden. Vorraussetzung sind entsprechende Abbildungen der möglichst zweidimensionalen Werke. Im Museum darf ohne Blitz und ohne Stativ fotografiert werden (Klasse unbedingt darüber informieren). Wegen der höheren Lichtempfindlichkeit bieten sich zu diesem Zweck Digitalkameras an. Falls die Kameras über Blitzautomatiken verfügen, sind diese vor dem Museumsbesuch zu deaktivieren.
Arbeitsaufträge - Downloads
| Beispiel für ein Schema für Arbeitsaufträge |
Schema.pdf [29KB] |
| Wahrnehmungsübungen – Farbkontraste |
Farbkontraste.pdf [27KB] |
| Wahrnehmungsübungen – Figur-Grund-Beziehung |
Figur-Grund-Beziehung.pdf [26KB] |
| Wahrnehmungsübungen – Räumlichkeit in zweidimensionalen Bildern |
Raum.pdf [27KB] |
| Wahrnehmungsübungen – Optische Effekte |
opart.pdf [27KB] |
| Gesamtpaket - Text und Arbeitsaufträge |
Exkursion.pdf [49KB] |
| Arbeitsauftrag – Exkursionsbericht (Gernot Lenschow) | Exkursionsbericht.pdf [11KB] |