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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/gestaltung/forum_m_g/08_produktgestaltung/08_4_systeme/index.htm, Stand 13. Feb. 2012

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Systeme

Grafik_Produktgestaltung

Produkterscheinung - Produktzweck - Produktwirkungen - Gestaltungssysteme


A
Produkte kann man nach drei Gesichtspunkten definieren.
1.
Nach der Erscheinung: Die Definition erfolgt über gestaltprägende Merkmale wie Form, Farbe,
Oberfläche, Gliederung u. Ä. m.
Das Ergebnis ist in des Wortes reinster Bedeutung: objektiv - ein Gegenstand. In den meisten
Fällen ist davon auszugehen, dass die Gestaltung der Objekterscheinung bewusst und absichts-
voll vorgenommen wird. Das Resultat dieser Gestaltung ist ein Ding oder eine Sache.
2.
Nach dem Zweck: Diese Definition bezieht sich auf Produktfunktionen und deren Merkmale, für
deren Realisierung das Produkt - ebenfalls bewusst und absichtsvoll - entwickelt wurde.
Die zweckorientierte Entwicklung von Produkten schafft Fakten im Sinne von Tatsachen.
3.
Nach den Wirkungen: Die Definition eines Produktes über seine Wirkungen bezieht sich nur
teilweise auf bewusste und absichtsvolle Gestaltung: Schließlich kann ein Produkt Wirkungen
über seinen Zweck hinaus erzeugen, die z. B. gefährlich, störend oder anderweitig unzweck-
mäßig sind.
Bei der Berücksichtigung der Produktwirkungen werden Produkte über ihre Systeme definiert,
die mehr oder weniger beabsichtigte Wirkungen ermöglichen.
Diese gestalteten Wirkungen sind die Produkteigenschaften.
B
Da die Produktgestaltung nicht nur Erscheinung und Zweckerfüllung bedient, sondern in erster
Linie Interdependenzen also Wechselwirkungen zwischen Mensch und Produkt zu berücksichti-
gen hat, ist es notwendig, bei der Entwicklung von Produkten diejenigen Systeme zu erkennen,
zu entwickeln, zu steuern und zu optimieren, die erwünschte Wirkungen ermöglichen und solche
Systeme zu reduzieren bzw. zu vermeiden, deren Wirkungen unerwünscht bzw. gefährlich sind.
In einer Zeit großer ökologischer Gefährdungen ist der systemorientierte Gestaltungsansatz
wohl der plausibelste.
Im Folgenden werden vier Systemarten beschrieben, die für die Produktgestaltung besonders
relevant sind.
1.
Ästhetische Systeme:
Sie bewirken die sinnliche Wahrnehmung des Produktes und erzeugen ggf. Emotionen und
Bedürfnisse auf das Produkt hin durch die Art des Produktauftrittes wie Form, Farbe, Oberfläche,
Haptik, Akustik, Geruch... Ästetische Systeme sind also sensorische Systeme.
2.
Semantische Systeme:
Sie fördern das Verständnis für das Produkt hinsichtlich seiner Herkunft, seines Wertes, seiner
Funktion, seiner Bedienbarkeit, seiner Handhabung...
Semantische Systeme sind also Informationssysteme.
3.
Funktionssysteme:
Sie bilden technische oder organisatorische Wirkzusammenhänge einerseits, ermöglichen aber
auch ergonomische und ökonomische Produkteigenschaften.
Funktionssysteme sind vor allem Utilitätssysteme.

 

4.
Stoffsysteme:
Neben der funktionalen Zweckmäßigkeit von Werkstoffen ist zu prüfen, welche Folgen bei
Herstellung, Gebrauch und Entsorgung von Produkten durch Werkstoffe und/oder Betriebsstoffe
verursacht werden und wie man diese Folgen steuert.
Besonders bei den Stoffsystemen spielt der ökologisch-soziale Aspekt eine immer größere
Rolle.
Stoffsysteme kann man auch als Bestandssysteme bezeichnen.
C
Da sich alles was Menschen erfahrbar bzw. erkennbar ist als System oder gar als System-
kopplungen beschreiben lässt, sollen schließlich noch die drei “klassischen” Systemkopplungen
angesprochen werden.
1.
Additive Systemkopplungen:
Sie liegen dann vor, wenn die einzelnen Systeme ohne gegenseitige Schädigung leicht von
einander trennbar sind (Wartung, Reparatur, Austausch).
Zum Beispiel modulare Organisation eines Produktes > Thonet - Stuhl Nr. 14, Fahrrad, Kugel-
schreiber.
Diese Systemkopplungen sind vor allem aus ökologischen Gründen vorzuziehen, sicherheits-
technisch und ergonomisch können aber Probleme entstehen.
2.
Integrierte Systemkopplungen
Sie lassen die einzelnen Systeme formal selbstständig erscheinen; sie sind aber nicht ohne
gegenseitige Schädigung voneinander lösbar. Oft stoffliche Integration.
Zum Beispiel: Laptop- oder Handyoberflächen, Kunststoffgriffe an Werkzeugen und Geräten.
Diese Systemkopplungen sind ökologisch bedenklich, ergonomisch gelegentlich günstiger als
additive aber sicherheitstechnisch sehr brauchbar.
3.
Integrale System”kopplungen”:
Der Begriff ist eigentlich widersprüchlich, da die integrale Kombination von Systemen den
nahtlosen Übergang von einem System zum anderen bedeutet und zwar so, dass auch die
Funktionsgrenzen unterschiedlicher Systeme nicht mehr lokalisierbar sind (daher:
“Kopplungen”).
Bekannte Beispiele sind die Griffschlitze in einer Kunststoff-Einkauftasche aber auch ein
Touchscreen, dessen Funktionen nur noch mit semantischen Systemen erkennbar gemacht
und abgerufen werden können.
Integrale Systemkombinationen sind vor allem stofflich aber auch formal nicht differenzierbar.
Sie sind meist leicht zu warten / reinigen und ergonomisch sinnvoll. Besondere Sicherheits-
vorteile mögen in der Geschlossenheit der Produkte begründet sein, aber anscheinend hat
diese außerdem eine die Attraktivität steigernde Wirkung.

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Letzte Änderung: 17.11.2008