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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/gender/bausteine/impulsreferat/referat5.htm, Stand 19. Dec. 2014

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Technikverständnis

 
Welches Verständnis von Technik haben wir?
 
Die in unserer Gesellschaft tradierten Rollenbilder zeigen eine starke Kopplung von Technik und Männlichkeit sowie eine weitgehende Unvereinbarkeit von Weiblichkeit und Technik. Die Vorstellung von solcher Unvereinbarkeit impliziert zweierlei: Einerseits treffen wir auf das Vorurteil, dass Frauen mit Technik nicht umgehen können. Andererseits wird Frauen, die sich mit Technik befassen, die Weiblichkeit wenigstens teilweise abgesprochen. Äußerungen der Art “Was – Sie sind Ingenieurin? Das sieht man Ihnen gar nicht an!” spiegeln indirekt die Erwartung wider, dass sich Technikverständnis bei Frauen bis in das äußere Erscheinungsbild nachteilig auswirken müsste. Denn eine solche Äußerung ist ja als Kompliment gemeint!
 
Das Verhältnis von Frauen zur Technik wird also in jedem Falle als Abweichung von einer – durch Männer festgesetzten – Norm bewertet: Nicht-Umgehen-Können und Desinteresse werden als Defizit, Kompetenz und Interesse für Technik dagegen werden als Abweichung vom erwarteten Rollenverhalten angesehen.
 
Mit der männlichen Lebenswelt und den zugehörigen Rollenvorstellungen wird Technik dagegen eng verbunden. Männern wird weitgehende Kompetenz zugeschrieben, technische Berufe passen zum Rollenbild. Männer werden aber nicht auf eine Ausrichtung auf Technik festgelegt. Ihnen wird das ganze Spektrum zugestanden – von der Faszination bis zur Ablehnung – und ihr Verhalten wird respektiert.
 
Welche Unterschiede können aber tatsächlich im technikbezogenen Denken und Handeln zwischen Männern und Frauen festgemacht werden?
 
Es gab in den letzten Jahren eine ganze Fülle von Untersuchungen über technikbezogenes Handeln und Denken – denken Sie beispielsweise an die Diskussionen zur Technikfolgenabschätzung. Dabei waren ganz unterschiedliche Bereiche betroffen: Großtechnologien, Technik im Alltag, Computer etc. Überraschend ist – trotz unterschiedlichster Erhebungsmethoden – die Übereinstimmung der Ergebnisse, wenn es um geschlechtstypische Unterschiede geht (Dippelhofer-Stiem 91).
 
  • Frauen zeigen ein geringeres Interesse an Technik 
  • Technikbegeisterung findet sich eher bei Männern, Distanz eher bei Frauen 
  • Frauen und Männer sind von unterschiedlichen Bereiche betroffen und haben unterschiedliche Zugangsweisen 
  • Frauen werden als Bedienerinnen, Männer als Entwickler der Technik wahrgenommen.
 
Besonders dieser letzte Punkt spiegelt wider, welch eingeschränktes Verständnis von Technik eigentlich in unserer Gesellschaft vorherrscht. Technik beginnt erst, wenn man(n) den Schraubenzieher in die Hand nimmt. Das Umgehen mit Technik – was Frauen ja durchaus tun und zwar gut und kompetent – wird nicht als Technikkompetenz anerkannt. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie unterschiedlich z. B. technische Geräte aussehen, je nachdem, ob sie für die “Männer-” oder für die “Frauenwelt” gedacht sind. Denken Sie nur mal an das Aussehen einer Waschmaschine und einer Stereoanlage! Was steht jeweils drauf? Allein schon die Beschriftungen sind auf ganz verschiedene Bedürfnisse ausgerichtet.
 
Neben diesen geschlechtstypischen Ausformungen ist Technik bei uns aber insgesamt positiv besetzt. Das technisch Machbare spielt nach wie vor bei uns eine große Rolle und wird vielfach als Kriterium und als Begrenzung des Gestaltungsspielsraums angenommen. Wir sind heute viel zu befangen in dieser Sichtweise, um sofort Alternativen nennen zu können. Beim Umweltschutz z. B. werden inzwischen auch andere Kriterien gesetzt, in der Medizin teilweise auch – man denke an Unschädlichkeitsnachweise und die Frage, wer den Beweis dafür erbringen muss. Muss ich vor Einsatz einer Technik beweisen, dass sie keinen Schaden anrichtet oder muss ich erst im Nachhinein belegen, dass ein Schaden auf eine bestimmt Technik zurückzuführen ist?
 
Kehren wir zum Computer zurück.
 
Auch wenn Computer und Technik nicht gleichzusetzen sind und das Interesse von Frauen und Mädchen am Computer deutlich höher ist als an Technik allgemein (Fauser 1992), so wird doch der Computer auch als technisches Gerät wahrgenommen. Der Beherrschung der Maschine Computer kommt – auch im Unterricht – große Bedeutung zu. Zugangsweisen, die gerade am Anfang die Hardware in den Mittelpunkt stellen, verstärken dieses Bild.
 
Wie kritisch ein oftmals einseitig technisch orientierter Zugang zum Computer zu sehen ist, hat Dieter Sinhart-Pallin aufgezeigt. Er untersuchte, ob es bei Jugendlichen einen Zusammenhang zwischen der Beschäftigung mit Computern und der Persönlichkeitsstruktur gibt (Sinhart-Pallin 1990) und formulierte die These, dass besonders Jugendliche, die in der Freizeit Computer nutzen, sich einseitig auf Technik hin orientieren, und damit auch ihre Persönlichkeit in gewissem Sinne “technisch” geprägt wird. Diese Ausprägung zeigt sich u. a. in sozialer Isolation und in nicht-kooperativem Kommunikations- und Interaktionsverhalten. Diese These fand Sinhart-Pallin bestätigt, und er stellt darüber hinaus fest, dass diese technikzentrierte Persönlichkeit männlich ist. Männliche Jugendliche mit priva­ter Computernutzung neigen demnach eher dazu, technisch zu vereinseitigen, während weibliche Jugendliche ein differenzierteres Verhalten zeigen. Aus dieser technikkritischen Sichtweise heraus gelangt man zu dem Schluss, dass das Verhalten der Mädchen insgesamt positiver zu bewerten ist als das der Jungen. Sinhart-Pallin fordert dann auch, dass das weibliche Selbstkonzept mit seiner Mehrdimensionalität, in dem Technik nur eine untergeordnete Rolle spielt, in der Schule die Chance zur Entfaltung bekommen sollte. Die Anpassung der Mädchen an die männliche Technikwelt sieht er als pädagogische Vereinseitigung und als einen undemokratischen Akt an.
 

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Letzte Änderung: 07.03.2007