Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/gender/vortrag_mathe_pc/unterricht_inhalte.htm, Stand 23. May. 2013
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Typisches Bild von Mathematik Klasse 12
Kommen wir zu den Unterrichtsinhalten. Die oben beschriebene Schieflage des Bildes von Mathematik hat natürlich viel damit zu tun, wie mathematische Inhalte in der Schule vermittelt werden. Ich möchte einige Kritikpunkte herausgreifen, die alle seit Jahren – und nicht erst seit TIMSS – in der Fachdidaktik immer wieder genannt und diskutiert werden:
Vor dem Hintergrund dieser Kritik wird deutlich, dass die „Probleme“
der Mädchen mit Mathematik nur ein Indikator dafür sind, dass die
Unterrichtskultur insgesamt dringend geändert werden muss. Der vielfach
zu beobachtende Rückzug der Mädchen aus der Mathematik kann in einem
ganz anderen Licht gesehen werden: Handeln sie nicht ganz vernünftig, wenn
sie sich in einer nicht nur für sie selber sondern auch für die Jungen
mangelhaften Lehr-Lern-Umgebung wenig engagieren?
Unter dem Gesichtspunkt, eine Unterrichtskultur in Mathematik zu schaffen, die
Mädchen und Jungen in gleicher Weise gerecht wird, sind in den letzten
Jahren eine Fülle von konkreten Vorschlägen erarbeitet worden, wie
die Inhalte im Hinblick auf diese Kritikpunkte verändert und verbessert
werden können. Ich kann dazu hier nur auf die entsprechende Literatur verwiesen
(ausführliche neuere Literatur dazu z. B. Grevholm & Hanna 1995; Hanna
1996; Kaiser & Rogers 1995; Leder 1995; ZDM (26) Heft 1 & 2 1994).
Hier soll es nun zum Abschluss um die Frage gehen, welche Chancen speziell der
Computereinsatz im Mathematikunterricht im Hinblick auf die aufgeführte
Kritik birgt.
Nach meinen vorherigen Ausführungen ist klar, dass die Gefahr besteht,
dass sich zwei negative Tendenzen verstärken können: Die möglicherweise
bestehende distanzierte Haltung der Mädchen gegenüber dem Computer
kann sich auf das Fach Mathematik übertragen. Umgekehrt kann sich eine
ablehnende oder distanzierte Haltung gegenüber Mathematik auf den Computer
übertragen, wenn er schwerpunktmäßig in diesem Fach eingesetzt
wird. Diese Gefahr ist umso größer, je mehr die rein technische Seite
des Computers betont wird.
Demgegenüber steht eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Kritik
am Mathematikunterricht ernsthaft aufzugreifen und Veränderungen einzuleiten,
die einen Unterricht ermöglichen, der sowohl den Jungen als auch den Mädchen
gerechter wird:
Konkrete Unterrichtsbeispiele zu einigen dieser Aspekte sind in Niederdrenk-Felgner
1998 zu finden.
Es geht nicht darum, leuchtende Beispiele vorzustellen. Vielmehr geht es mir
darum, die Kriterien aus der Geschlechterperspektive bewusst zu machen, die
an einen guten Mathematik-Unterricht mit dem Computer angelegt werden sollten.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass es gelingen möge, Mathematik
mit und ohne Computer zu einem positiv besetzten Fach werden zu lassen, und
den Unterricht so zu gestalten, dass Mädchen wie Jungen mit Interesse und
Begeisterung daran teilnehmen.
Zeichnung: Sepp Buchegger