Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/06_11_haertling/index.html, Stand 26. May. 2012
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| Peter Härtling liest aus seinem Buch "Die Lebenslinie" Foto: Hans Kumpf |
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Bereits 1990 hat Peter Härtling seine Leser in seinem autobiografischen Roman "Herzwand" mit seiner Krankengeschichte konfrontiert und 2003 stellt er in seinem Erinnerungsband "Leben lernen" die existenziellen Fragen: "Habe ich Leben gelernt? Wie viel? Was habe ich mir aufgehoben?"
Sein neues Buch von 2005 "Die Lebenslinie" schließt daran an und beschreibt die traumatischen Erinnerungen an Herz- und Hirninfarkt - vom Autor lakonisch als "Doppelschlag" bezeichnet - den Wettlauf der Ärzte mit der schwindenden Zeit, die anschließende Nachbehandlung durch verschiedene rivalisierende Fachärzte und die "geschenkte Zeit" nach der Reha-Klinik. Im Schlussteil des schmalen Bandes begibt sich Peter Härtling auf Spurensuche in der eigenen Biografie. Auf der Suche nach dem Grab seines Vaters führt ihn eine Einladung zurück nach Zwettl, dem Ort, an dem die Familie Härtling die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges erlebte.
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| Jörg Baier improvisiert auf dem Cello Foto: Hans Kumpf |
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Mit den Fragen: "Verliere ich die Zeit? Geht sie mir verloren? Gehe ich ihr verloren?" und seinem "Zeitsprung" zurück nach Zwettl auf der Suche nach dem verschollenen Vater thematisiert Peter Härtling sein Verhältnis zur Zeit in einer Grenzerfahrung - der "zwischen Tod und Leben geklemmte Konjunktiv" wird austariert. Trotz des ernsten Themas verfällt Härtling nicht in einen pathetischen oder melancholischen Tonfall, sondern beschreibt teilweise nüchtern, wie er zum Objekt des Klinkbetriebs wird oder auf feinsinnig humorvolle Weise, wie er seinen Ärzten abhanden kommt.
In seiner Lesung im übervollen Kaisersaal der Comburg brachte Peter Härtling ausgewählte Passagen seines sehr dichten Textes zu Gehör und fesselte die Gäste aus der Region. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Jörg Baier, der auf dem Cello mit Improvisationen zum Buch überzeugte.
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