Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2007/14_festakt/index.html, Stand 26. May. 2012
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Rund 80 geladene Gäste waren der Einladung in den Kaisersaal der Großcomburg gefolgt. Hans-Reiner Soppa, Direktor des Standorts Comburg, begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und führte in die wechselvolle Geschichte der Lehrerfortbildung am Ort ein. Die Gründung der ersten Lehrerakademie in Süddeutschland erfolgte durch den Reformpädagogen und späteren Kultminister Theodor Bäuerle, der bereits 1926 die erste Heimvolkshochschule an der Comburg aufgebaut hatte.
Das Bildungssystem befand sich in den ersten Nachkriegsjahren in einem desolaten Zustand. 95 Prozent aller Lehrkräfte standen wegen einer früheren Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Lehrerbund nicht zur Verfügung. Bäuerles großes Ziel war es, eine "menschengemäße" Bildung ins Zentrum seiner Bestrebungen zu stellen und das Schulwesen grundsätzlich zu erneuern.
Die Schwerpunkte des Bildungsangebotes der ersten Jahre lagen konsequenterweise auf dem Gebiet der staatsbürgerlichen Bildung und hatten die Vermittlung demokratischer Werte zum Ziel. Die Seminare dauerten in der Regel drei bis fünf Tage, Zielgruppe waren neben den Lehrkräften auch Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamte sowie Schulleitungen. Der Einfluss des Reformpädagogen Bäuerle findet sich in Themen wie Schulentwicklung, Persönlichkeitsbilder von Jugendlichen oder "Gruppenarbeit und Gesamtunterricht in der Volksschule" wieder.
Mit dem wachsenden Stellenwert der Bildung veränderte sich Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Zielrichtung des Fortbildungsangebots. War bisher die persönliche Weiterbildung der Lehrkräfte im Zentrum, rückte nun auch im Hinblick auf neue Lehrpläne ab 1969 die Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Fokus. Diese sollten in den Schulen oder Sprengeln für die schnelle Weiterverbreitung neuer Inhalte sorgen. Seit 1997 ist der Standort Comburg für die Qualifizierung und Weiterbildung von pädagogischem Führungspersonal zuständig.
Bildung sei neben dem Klimawandel das "Megathema der Zukunft", betonte Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und hob die gute Zusammenarbeit mit der Fortbildungsstätte und deren Bedeutung für die Stadt Schwäbisch Hall hervor.
Wie eng das Führungskönnen einer Schulleitung mit dem Erfolg einer Schule verknüpft ist, machte Prof. Dr. Rolf Dubs, Universität St. Gallen, in seinem Festvortrag zum Thema "Leadership in der Schule - Chancen und Grenzen" deutlich. Zahlreiche Untersuchungen hätten ergeben, dass Schüler/innen bessere Leistungen erbringen, wenn eine kompetente, wirksame Leitung an der Spitze einer Schule stehe.
Dubs hat in seinem Leadership-Modell, einem empirisch-pragmatischen Ansatz für die Schule, eine Reihe von Kriterien beschrieben, die eine erfolgreiche Schulleitung auszeichnen. Erfolgreiche Schulleiterinnen und Schulleiter verfügen danach über Visionen, die sie in die Schule einbringen und werben in Ihrem Kollegium dafür um Gefolgschaft. Sie verzichten auf Zwang und Gängelung. Sie führen kooperativ-situativ, zeigen ein hohes Maß an sichtbarer Präsenz an ihrer Schule und sind hervorragende Kommunikatoren, denen es gelingt, ihre schulischen Zielvorstellungen glaubhaft vorzuleben.
Einen großen Einfluss auf
das Klima und die Qualität einer Schule hat das Ausmaß an Unterstützung und Förderung, welche die Lehrkräfte von der Schulleitung erhalten. Gute Schulleiterinnen und Schulleiter fördern die persönliche Entwicklung ihrer Lehrkräfte, sie unterstützen Initiativen der Lehrkräfte zur Unterrichtsentwicklung, bauen eine offene und ehrliche Feedbackkultur auf, sorgen für einen gezielten Ressourceneinsatz und schaffen damit gute Arbeitsbedingungen für ihr Kollegium. "Je mehr die Schüler und Lehrer spüren, dass sich der Schulleiter für seine Schule einsetzt, umso mehr findet der Schulleiter Gefolgschaft."
Der Vortrag von Prof. Dr. Dubs wurde aufgezeichnet und stand noch am gleichen Abend Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, die nicht am Festakt teilnehmen konnten, zur Verfügung.
Dass die Akademie Comburg zu den anerkannten und hochgeschätzten Fortbildungseinrichtungen im Land gehört, zeigte Hans-Peter Buggermann, Vorstandsvorsitzender der Landesakademie, auf. Eine externe Evaluation durch das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen aus Schleswig-Holstein bestätige die besondere Eignung der Tagungsstätte für Führungsfortbildungen.
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