Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2009/02_bwb_finissage/index.html, Stand 26. May. 2012
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Einen Monat länger als ursprünglich im Herbst des Vorjahres geplant war die Ausstellung „Unterwegs“ in der Landesakademie Bad Wildbad zu sehen. In der vergangenen Woche fand die „Finissage“ statt. Ausgestellt waren zahlreiche Holzschnitte von Detlef Willand aus dem Kleinwalsertal, dessen Holzschnitt „Pilger“ sozusagen den roten Faden durch seine Ausstellung bildete.
Eine Reihe interessierter Besucher nahm an der Finissage teil, bei der Akademiedirektor Helmut Nagel begrüßte. Er wies darauf hin, dass etwa 3500 fortzubildende Lehrkräfte, darunter mehr als 100 Gäste aus dem Ausland mit großem Interesse die in den Fluren der Landesakademie ausgestellten Holzschnitt betrachtet und auch diskutiert hätten, außerdem auch Besucher von außen sich mit dem Holzschnitt als solchem auseinander gesetzt hätten.
Der Holzschneider Detlef Willand gab bei einem gemeinsamen Rundgang einige Einblicke in sein Schaffen, wobei er hervorhob, dass bei ihm manche Holzschnitte entstünden, ohne dass er zuerst etwas Bestimmtes damit aussagen wolle, dies hinge bisweilen auch von der Holzart, seiner Stimmung oder seiner Arbeitsweise ab.

Foto: Dr. Manfred Saller, Holzbildhauer Detlef Willand und Akademiedirektor Nagel im Gespräch vor dem Holzschnitt und dem dazugehörenden Druckstock des Pilgers (vlnr).
Anschließend stellte Dr. Manfred Saller, Oberschulamtspräsident a. D. des Regierungsbezirks Tübingen, die Frage: „Ist der Holzschnitt noch ein zeitgemäßes künstlerisches Medium?“ die er im Gespräch mit dem Künstler und den anwesenden Besuchern zu klären versuchte. Die Ausbildung der Holzbildhauer, so Dr. Saller, setze sich intensiv mit der Umwelt, den Veränderungen durch den Menschen, mit der Zeit, der Historie und anderen Faktoren auseinander, was bei Willands Holzschnitten deutlich werde. Willand seinerseits wies darauf hin, dass man früher kleine Holzschnitte durch die Geistlichen zu Heiligenbildern weihen ließ, andererseits aber auch der Holzschnitt zum Verfassen von Schmähschriften sowohl gegen die Reformation als auch gegen den Papst verwendet wurde. Dürer, Cranach und Holbein seien ausgezeichnete Holzschneider gewesen, jedoch habe der Kupferstich im 17. Jahrhundert den Holzschnitt abgelöst, der schließlich in der Renaissance fast ganz verschwunden sei. Caspar David Friedrich (1774-1840) gehöre zu den Wenigen, die den Holzschnitt weiter pflegten, Gauguin habe ihn schließlich im 20. Jahrhundert wieder entdeckt. Allerdings sei zuerst alles Gestalterische vom Abstraktivismus „niedergewalzt“ worden. Dagegen seien HAP Grieshabers Holzschnitte wie eine Klammer im geteilten Deutschland gewesen.
Der typische Holzschnitt, so Willand weiter, hänge von vielen Dingen ab, wobei der Stock (Holz) sicher sehr wichtig sei, allerdings gehöre das „Begreifen,“ also die Zusammenarbeit von Hirn und Hand als ständiger Prozess dazu. Für Willand übrigens besonders schwierig, da er eigentlich Linkshänder ist. Ein großes Problem heute sei es, sich Zeit zu lassen, dazu zitierte er eine Aussage von Paracelsus: „Kunst geht keinem nach, aber ihr muss nachgegangen werden!“ und dazu brauche man viel Zeit.
Bereichert und beschenkt durch das Gespräch dankte Nagel allen Teilnehmern, die sich anschließend noch in interessanten Gesprächen über die Holzbildhauerei austauschten.
Foto und Text: Götz Bechtle
Landesakademie Standort Bad Wildbad:
http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/wb/
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