Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2009/10_bwb_migrationintegration/index.html, Stand 26. May. 2012
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Wie gehen unsere Schulen mit dem Thema „Migration und Integration als Herausforderung in Europa“ um? Dieses Thema beschäftigte in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen eine Fortbildungsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen.
„Reine Inländer-Schulen“, d. h. Schulen ohne Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Herkunft gibt es nicht mehr. Seit Jahrzehnten ist es selbstverständlich, dass Kinder aus in Deutschland lebenden Aussiedler- und Ausländerfamilien (Migranten) gemeinsam mit deutschen Kindern zur Schule gehen.
Dabei ist das Erlernen und der Gebrauch der deutschen Sprache die wichtigste Voraussetzung, um eine gewisse Angleichung zu erreichen. Jedoch wird selten der im ehemaligen Heimatland gepflegte Lebensumkreis beachtet, in dem vieles anders ist, als es bei uns erwartet oder gelebt wird.
Dieses Problem zeigt sich natürlich auch in der Schule, und ein Vortrag zum Thema „Heterogenität (Ungleichheit) von Lerngruppen – Interkulturelle Bildung und soziale Ungleichheit“ durch die Inhaberin des Lehrstuhls für Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Köln, Prof. Dr. Cristina Allemann-Ghionda, zeigte dies in deutlicher Form auf. Die heutige Interkulturelle Bildung, so die Referentin, bewege sich weg von der ehemaligen Ausländerpädagogik und hin zur Integration von Diversität (Unterschiedlichkeit) und Mehrsprachigkeit, was einen gewissen multikulturellen Ansatz und Pluralität in sich berge. Die Mehrsprachigkeit begünstige die europäische Integration, die Globalisierung und die transnationale Mobilität. Mehrsprachigkeit sei keinesfalls die Ausnahme, denke man beispielsweise an die Schweiz, Belgien, Finnland, Kanada, Spanien sowie an zahlreiche Länder Asiens und Afrikas. Verbunden damit sei auch eine kulturelle Vielfalt, die durch politische Veränderungen eng mit der Migration verbunden sei.
Deshalb, so Frau Dr. Allemann-Ghionda, müsse die Mehrsprachigkeit gefördert werden. Damit verbunden sei das Wissen und Verstehen von Migration und Pluralität, was die schulische Integration und den Bildungserfolg dieser Schüler unterstützen würde. Menschen könnten ihr Recht auf Bildung und Chancengleichheit erst erfahren, wenn ihre Herkunft und ihre Identität, die von der Mehrheit oft als „rückständig“ angesehen würden, respektiert und integriert werden. Schließlich würden sich ständig alle „Kulturen“ verändern, keine Kultur sei „rein“. Die interkulturelle Kompetenz sei eine Schlüsselqualifikation für alle Kinder und Jugendlichen, für Minderheiten und Mehrheiten.
Für die Schulen bedeute dies, dass alle Fächer interkulturell unterrichtet werden könnten, wobei auch soziales Lernen eingeschlossen sei. Man müsse die natürliche Mehrsprachigkeit als Ressource (Hilfsquelle) wahrnehmen und nicht als Behinderung des Unterrichts.
In der sich anschließenden Aussprache mit Lehrerinnen und Lehrern wurde deutlich, dass das Verständnis und der Erwerb der deutschen Sprache für Migrantenkinder die Voraussetzung zur Teilnahme am Unterricht überhaupt sei. Interkulturelle Bildung scheitere jedoch oft an zu wenig Zeit für einzelne Schüler, an zu großen Klassen, an der Akzeptanz durch die Eltern sowie an der dafür erforderlichen Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte.

Foto: Im Fachgespräch um Interkulturelle Bildung (von links) Schulrat Kurt Habart (Calw), Regierungsschulrätin Amely Zeeb (KM Stuttgart), Akademiereferentin Carmen Mattheis (Bad Wildbad), Prof. Dr. Cristina Allemann-Ghionda (Köln), Regierungsschulrätin Marita Hanold (KM Stuttgart) und Akad. Oberrat Dr. Hermann Scheiring (PH Ludwigsburg) in der Landesakademie Bad Wildbad.
Text und Foto: Bechtle
Landesakademie, Standort Bad Wildbad:
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