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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2009/33_com_sllg/index.html, Stand 23. Oct. 2014

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Schulleitung und Lehrergesundheit

Bereits im März und August 2009 hatte die Landesakademie Tagungen zur Lehrergesundheit abgehalten und damit Impulse des Ministeriums und des Personalrats aufgegriffen. Da dieses Thema gerade für Schulleiter/innen von großem Interesse ist, lud die Landesakademie Comburg Professor Dr. Uwe Schaarschmidt zur Jahrestagung der Leiter/innen der Führungsseminare ein. Schaarschmidt ist mit der Potsdamer Lehrerstudie in ganz Deutschland bekannt geworden. Der Wissenschaftler entkräftet mit seiner Untersuchung das unbegründete Vorurteil, Lehrkräfte hätten einen lockeren Halbtagsjob und obendrein noch zu viele Ferien.

Er stellt dagegen fest, dass der Lehrerberuf einer der anstrengendsten Berufe überhaupt ist, weil an Lehrkräfte vielschichtige und oft widersprüchliche Anforderungen gestellt werden. Es reicht nicht, wenn der Unterricht gut vorbereitet ist. Lehrer/innen müssen auch wahre Kommunikationsgenies sein. Einerseits sozial sensibel und einfühlsam, andererseits recht robust, wenn es ums Einstecken geht und selbstverständlich sollten sich Lehrkräfte auch in ihren Klassen durchsetzen können. Hohes Verantwortungsbewusstsein und hohe Ansprüche an die eigene Arbeit kontrastieren mit der Erfahrung, dass Lehrerarbeit oft nur Stückwerk sein kann und vieles unerreicht bleibt. Daraus resultiert das typische Gefühl des Nicht-Fertig-Seins, das Lehrer/innen ständig unter Druck setzen kann.

Nicht zu unterschätzen sind auch die zu erbringenden Aufmerksamkeitsleistungen. Ständig wird zugleich ein hohes Maß an fokussierter (auf den einzelnen Gegenstand oder Schüler gerichteter) und verteilter (auf das gesamte Geschehen in der Klasse bezogener) Aufmerksamkeit verlangt – und dies ununterbrochen über mehrere Stunden hinweg. Natürlich sollen Lehrkräfte zudem möglichst begeisterungsfähig und motiviert sein.

Oft genug fehlt es jedoch den Pädagogen im beruflichen Alltag an Erfolgsrückmeldungen und Anerkennung des Geleisteten. Die Bestrebungen gehen deshalb schon seit geraumer Zeit dahin, Lehrer/innen mehr den Rücken zu stärken. Behutsamer Umgang mit zusätzlichen Anforderungen zeichnet diesen umsichtigen Führungsstil aus.

Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt bei seinem Vortrag "Schulleitung und Lehrergesundheit" im Kaisersaal auf der Comburg.
Foto: Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt bei seinem Vortrag "Schulleitung und Lehrergesundheit" im Kaisersaal auf der Comburg.
 
Schaarschmidt macht mit seiner Untersuchung - von insgesamt 18 000 Personen, darunter 16 000 Lehrer/innen - darauf aufmerksam, dass eine hohe Qualität des Lehrens und Lernens nur mit psychisch gesunden Lehrer/innen gewährleistet werden kann. Der Psychologe untersuchte mit seinem Team das arbeitsbezogene Verhalten und Erleben von Lehrer/innen in Bezug auf Engagement, Widerstandskraft und Emotionen.

Dabei kristallisierten sich vier Muster heraus: Muster G (Gesundheit: hohes, aber nicht überhöhtes Engagement, Belastbarkeit und Zufriedenheit), Muster S (Schonung: reduziertes Engagement, Ruhe und Gelassenheit sowie relative Zufriedenheit), Risikomuster A (Selbstüberforderung: exzessive Verausgabung und verminderte Erholungsfähigkeit, Einschränkung der Belastbarkeit und Zufriedenheit) und Risikomuster B (Resignation: reduziertes Engagement bei geringer Erholungs- und Widerstandsfähigkeit, Unzufriedenheit und Niedergeschlagenheit). Risikomuster B entspricht einer Entwicklung des Burnout-Syndroms.

Das wünschenswerte G-Muster ist in der Lehrerschaft mit 17 Prozent sehr gering vertreten. Jeweils etwa ein Drittel der Lehrer/innen ist dem Risikomuster A bzw. B zuzurechnen, und zwar landesweit.  Besonders hoch bei den Risikomustern ist der Anteil von Frauen. Eine progressive Verschlechterung findet über die Berufsjahre statt. Bei Lehramtsstudierenden und Referendaren zeigen sich ebenfalls bereits Risikotendenzen.

Auf die Frage nach den in hohem Maße belastenden Bedingungen werden von den Lehrer/innen aller Regionen das Verhalten schwieriger Schüler, große Klassen und die hohe Zahl der Unterrichtsstunden genannt. Selbst Lehrer/innen mit dem günstigsten Beanspruchungsmuster G veranschlagten die Belastung durch diese Faktoren hoch. Diese grundlegenden gesundheitlichen Aspekte werden zusehends mehr in die  Bildungsplanung integriert. So hat etwa die Landesregierung in ihrer Bildungsoffensive unter anderem mehr Leitungszeit für Schulleiter und eine Absenkung des Klassenteilers veranlasst.

Bei Veränderungen setzt Schaarschmidt auf vermehrte Entspannungs- und Regenerationsmöglichkeiten für Lehrer/innen im Berufsalltag. Da ein gutes soziales Klima im Kollegium mit entsprechender wertschätzender Führung und Teamentwicklung den stärksten Einfluss auf ein positives Gesundheitsmuster von Lehrkräften darstellt, liegen hier die Herausforderungen für Schulleiter/innen. Und nicht zuletzt können sich vorbereitende und berufsbegleitende Beratung und Reflexionshilfen in Form von Coaching oder Supervision gesundheitlich positiv auswirken.   

Den Teilnehmer/innen der Tagung wurde durch den Vortrag deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit im Lehrerberuf zentral ist. Schulleiter/innen müssen bei sich selbst, im Kollegium und beim Training der neuen Führungskräfte gesundheitliche Aspekte berücksichtigen, um dem Burnout-Risiko vorzubeugen.  

Weiterführende Links:

Informationsportal zum Arbeits- und Gesundheitsschutz für Lehrkräfte in Baden-Württemberg:
externer Link http://www.arbeitsschutz-schule-bw.de

Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Potsdam:
externer Link http://www.persoenlichkeitspsychologie-potsdam.de/Schaarschmidt.htm

Institut für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitsentwicklung von Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt:
externer Link http://www.coping.at/

 

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Letzte Änderung: 09.06.2013