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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2009/37_com_comp/index.html, Stand 17. Jan. 2017

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Welche Wirkung haben Computerspiele und Internetnutzung auf Kinder und Jugendliche?

In einem kleinen Festakt überreichte Ulrich Lübke, Leitender Ministerialrat im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, die Zertifikate der Landesakademie an die Absolventinnen und Absolventen der Einführungsseminare für neu bestellte Schulleiter/innen.

Den begleitenden Festvortrag hielt Professor Dr. Helmut Lukesch vom Institut für Experimentelle Psychologie der Universität Regensburg, einer der bekanntesten Medienforscher des Landes.

(v.l.n.r.) Leitender Ministerialrat Ulrich Lübke, Prof. Dr. Helmut Lukesch, Direktor Hans-Reiner Soppa
Foto: (v.l.n.r.) Leitender Ministerialrat Ulrich Lübke, Prof. Dr. Helmut Lukesch, Direktor Hans-Reiner Soppa

Lukesch stellte den aktuellen Stand der Medienwirkungsforschung dar und bestätigte dabei in Vielem das Vor- und Erfahrungswissen der anwesenden Pädagogen. Jedoch wies der Wissenschaftler aus Regensburg auf zahlreiche Fakten hin, die den Teilnehmer/innen bisher weniger oder nicht bekannt waren.

Einerseits sind Medien wie Fernsehen, Computer und Internet nützliche Instrumente im Alltag, denn sie ermöglichen schnell und unproblematisch Zugriff auf benötigte Informationen. Andererseits werden zunehmend negative Folgen der Computer- und Internetnutzung bei Kindern und Jugendlichen festgestellt: mangelnde körperliche Fitness und Dickleibigkeit, Lernbeeinträchtigungen, Gewaltwirkungen und das Suchtpotenzial der Medien selbst. 

Bereits im Vorschulalter bilden sich sehr stabile Konsummuster in Bezug auf das Fernsehen aus. Übermäßiger Fernsehkonsum in der Vorschulzeit hemmt aber die schriftsprachlichen Kompetenzen und wirkt sich auf die Leseleistung und Leseaktivität aus. Fernsehen ist laut Lukesch ein schlechter Lehrer, denn die Informationen werden meist nicht tiefer verarbeitet. Ein eigenes Fernsehgerät im Kinderzimmer erhöht das Risiko auf Gewichtszunahme und schlechtere Schulnoten deutlich. Übermäßiger Medienkonsum von Fernsehen und Computerspielen verschlechtert die Schulleistungen. Hinzu kommt, dass auch Schlafstörungen auftreten können, besonders wenn Filme und Spiele Horror- und Gewaltdarstellungen enthalten. Außerdem konsumieren nach bisherigem Erfahrungsstand Täter, die an Mobbing beteiligt sind, in hohem Maße Gewaltfilme.

Der Zusammenhang zwischen Gewaltdarstellungen in Medien und aggressivem beziehungsweise delinquentem Verhalten – das zeigen Metaanalysen – ist also sehr hoch. Dabei sind die negativen Wirkungen nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt. Computerspiele, in denen Gewalt vorkommt, zeigen auch bei Erwachsenen Wirkungen und können somit nicht nur als jugendbeeinträchtigend, sondern ganz allgemein als sozial schädlich gelten.

Die These, dass Menschen das imitieren, was sie in den Medien sehen, ist nicht mehr aktuell. Es gibt immer mehrere Gründe für Gewalttätigkeit wie: Motivation, Disposition, Können, Gelegenheit und als ein weiterer Faktor gilt der Medieneinfluss. Mit den Studien zu den Auswirkungen von Mediengewalt wird nicht behauptet, dass es nicht auch andere Bedingungen für die Entstehung von Gewaltbereitschaft und gewalttätigem Verhalten gibt.

Durch positive Verstärker, die geschickt in Spiele eingeplant werden, durch Flow-Erlebnisse, parasoziale Interaktion und Chancen auf Emotionsregulierung wird das Suchtpotenzial von Computerspielen erhöht. Im Paradies der Gamer-Szene, in Südkorea, gibt es bereits 96 Kliniken zur Behandlung von Computerspielsucht. Die Kosten für Beratung und Therapie sind deutlich höher als die Kosten für Behandlung bei Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung werden häufig nicht beachtet und durch die Medienindustrie selbst verharmlost. Das Risikobewusstsein ist gering ausgeprägt und man scheint davon auszugehen, dass die negativen Folgen immer nur andere betreffen (Third-Person-Effekt).

Was kann Schule in diesem Zusammenhang leisten? Neben klaren Verboten für LAN-Parties sollte der Umgang mit Mobiltelefonen, Computern und Internet an den Schulen klar geregelt sein. Systematische Gesundheits-, Bewegungs- und Ernährungsbildung in Kindergarten und Schule zählt zu den Präventionsmaßnahmen. Gesunde Ernährung in der Ganztagsschule heißt, bestehende Angebote kritisch zu prüfen. Medienpädagogische Konzepte liegen vor, um aber die Medienerziehung zu intensivieren, bedarf es geschulter Lehrer und entsprechender Fortbildung, eine Delegation der Aufgabe an ein bestimmtes Schulfach reicht nicht aus.

Weiterführende Links:

Handreichung für Lehrkräfte, Fachkräfte in der außerschulischen Jugendarbeit und Polizei:
Im Netz der neuen Medien - INTERNET, HANDY UND COMPUTERSPIELE – CHANCEN UND RISIKEN FÜR KINDER UND JUGENDLICHE:
Seite oder Ebene weiter http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/brosch/Im_Netz_der_neuen_Medien.pdf

Portal "Medienwelten unserer Schüler/innen":
Seite oder Ebene weiter http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/medien/medwelt/index.htm

Medienpädagogik und Medienkultur - Das Portal zu Medienbildung:
externer Link http://www.mediaculture-online.de/

Lehrstuhl für Psychologie - Prof. Dr. H. Lukesch - Universität Regensburg:
externer Link http://www-cgi.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Psychologie/Lukesch/

 

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Letzte Änderung: 26.09.2014