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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2010/25_bwb_inkl/index.html, Stand 17. Jan. 2017

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Studienfahrt zum Thema "Inklusion"

Vom 02. bis 06. November 2010 führte die Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen - Standort Bad Wildbad - eine Studienfahrt nach Wien zum Thema "Inklusion/Gemeinsame Bildung und Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen" durch. 

Aufgrund der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zeichnet sich auch in Baden-Württemberg ein Paradigmenwechsel ab: Anstelle getrennter Bildungswege wird mehr als bisher der Weg zu gemeinsamer Bildung und Erziehung  beschritten werden. "Es ist normal verschieden zu sein!" ist der Leitgedanke einer veränderten Unterrichtskultur, die die Vielfältigkeit des menschlichen Lebens in Bezug auf Geschlecht, Religion, Kultur, Sprache, soziale Lage und Fähigkeiten als "Entwicklungsressource" für alle sieht. Der Begriff "Inklusion" stellt die Unterschiedlichkeit der Menschen als gemeinsames Merkmal des "Mensch-Seins" in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Ziel der Studienfahrt, die von den Akademiereferentinnen Katharina Dohnal und Monika Meier geleitet wurde, war es, den 18 Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ebenen der Schulverwaltung wie aus der Schulpraxis, in deren Aufgabenfeld die Umsetzung der UN-Konvention fällt, einen Blick über die Grenzen des eigenen Landes hinaus zu ermöglichen, um die Erfahrungen unseres europäischen Nachbarn Österreich für die eigene Schulentwicklung zu nutzen.

Erste Orientierung auf dem Wiener Stadtplan.
Foto: Erste Orientierung auf dem Wiener Stadtplan.

In Österreich/Wien bestand bis Mitte der Achtzigerjahre ein ähnlich differenziertes Sonderschulwesen wie in Deutschland/Baden-Württemberg. 1982 wurde vom österreichischen Nationalrat die SCHOG Novelle beschlossen. Deren Ziel war die Ergreifung von Maßnahmen zur Verminderung von Sonderschuleinweisungen. 1986 wurde die erste Integrationsklasse als Schulversuch gegründet. In den Folgejahren entwickelten sich in ganz Österreich wie auch in Wien entsprechend der vielfältigen Bedürfnisse von behinderten Kindern und Jugendlichen differenzierte Modelle der integrativen Beschulung von der Einzelintegration bis hin zu Integrationsklassen.
 
Im Stadtschulrat für Wien (zuständige Schulverwaltung für alle Wiener Schulen) steht seit 1988 den Eltern behinderter Kinder und Jugendlicher eine Integrationsberatungsstelle zur Seite, die Hilfe bei allen Fragen und Anliegen der Integration gibt. Eltern behinderter Kinder haben in Wien das Wahlrecht zwischen der Beschulung in einem sonderpädagogischen Zentrum oder einer Integrationsklasse. Waren es in Wien im Schuljahr 1989/90 erst 30 Integrationsklassen, so gibt es jetzt, zum neuen Schuljahr 2010/11, bereits 693. Im Dezember 1996 wurde die Integration in der Sekundarstufe I gesetzlich fixiert, 2010 starteten erste Schulversuche zur Integration in Sekundarstufe II.

Wichtiger Bestandteil der Studienfahrt waren die Hospitationen in integrativen Schulklassen am Vormittag. Hier ermöglichten unsere Ansprechpartnerinnen der Integrationsberatungsstelle Wien, Dipl. Päd. Brigitte Mörwald und Mag. Judith Stender den Einblick in ganz unterschiedliche Integrationsklassen: Volksschulen (Klasse 1-4), Ganztagesvolksschule (integrative Klassen mit Schwerpunkt "Sprachstörung"), Volksschule am Sonderpädagogischen Zentrum, Kooperationsklasse von Mittelschule (früher: Hauptschule) und allgemeinbildender höherer Schule (Gymnasium), Lernwerkstatt Brigittenau (durchgehend integrative Mehrstufenklassen mit 6-12 jährigen Schüler/innen), integrative Hauptschulklassen, unterrichtet nach einem reformpädagogischen Ansatz (Dalton Plan) sowie der Übungsvolksschule der PH Wien.

Lernwerkstatt Brigittenau
Foto: Lernwerkstatt Brigittenau.

Die Nachmittage waren Fachgesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Schulverwaltung, der Pädagogischen Hochschule Wien, der Schulpraxis sowie des vorschulischen Bereichs vorbehalten. So berichteten am Nachmittag des ersten Tages der Studienfahrt Mag. Rainer Grubich (Mentor in der praxisbegleitenden Betreuung von Integrationsklassen mit Schülerinnen und Schülern mit autistischer Wahrnehmung) und Professor Dr. Ernst Berger, der ehemalige Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Wien über die "Integration von Schülerinnen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung" in Wien/Österreich.

Abschlussgespräch in der Lernwerkstatt Brigittenau.
Foto: Abschlussgespräch in der Lernwerkstatt Brigittenau.

Regina Grubich-Müller vom Referat für Schulversuche in Wien und ein Lehrerinnenteam der Lerngemeinschaft Wien 15 (Helga Hutterer und Ana Starmann) gaben den Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg einen Erfahrungsbericht über die "Wiener Reformpädagogischen Mehrstufenklassen".

Am Mittwoch, 03.11. stellten Dipl. Päd. Brigitte Mörwald und Mag. Judith Stender von der Integrationsberatungsstelle des Stadtschulrates in Wien den "Integrationsleitfaden für Wien" vor.

Anschließend hatte die Gruppe die Gelegenheit, an der Pädagogischen Hochschule Wien bei der Eröffnung des "Büros für Inklusive Bildung" dabei zu sein. Aufgabenfelder des Büros für Inklusive Bildung (BIB) werden die Bereiche "Forschung und Entwicklung", "Beratung und Mentoring für Studierende, Lehrende und Lehrer/innen bezüglich inklusiver Praxis", "Lernwerkstatt und Lernorte" sowie "Initiativen und Netzwerk" sein.  

Das eindrucksvolle Entree zu der Eröffnung des ‚Büros für Inklusive Bildung’ war ein gemeinsamer musikalischer Beitrag von Schülerinnen und Schülern des Sonderpädagogischen Zentrums Leopoldsgasse und der Wiener Sängerknaben. Nach der Eröffnung und Begrüßung durch die Rektorin der PH Wien, Frau Mag. Dr. Dagmar Hackl, die sich erfreut über den Besuch der Gäste aus Baden-Württemberg zeigte, konnten wir den Festvortrag von Prof. Dr. Georg Feuser, em. Professor der Uni Zürich zum Thema  "Über qualitätvolle Integration zur Inklusion" hören. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Frau Prof. Sonja Tuschel von der PH Wien, dem Landesschulinspektor für Sonderschulen des Stadtschulrates in Wien, Gerhard Tuschel und Prof. Dr. Georg Feuser ging es um Fragen der Lehreraus- und Weiterbildung.

Vortrag im Referat für Schulversuche (Stadtschulrat Wien).
Foto: Vortrag im Referat für Schulversuche (Stadtschulrat Wien).

Am Donnerstagnachmittag, 04.11 stand ein Gespräch mit Mitarbeiterinnen der "Mobilen Entwicklungsförderung der Wiener Kindergärten" zum vorschulischen Bereich auf dem Programm. Auch in diesem Bereich ermöglichten die österreichischen Partner interessierten Kolleginnen aus Baden-Württemberg die Hospitation in einem Kindergarten.
Das geplante Gespräch zum Thema "Österreich auf dem Weg zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention" mit der Abgeordneten des österreichischen Nationalrates, Helene Jarmer, der ersten gehörlosen Abgeordneten im österreichischen Parlament, musste wegen Krankheit von Frau Jarmer leider kurzfristig abgesagt werden.

Leider blieb den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studienfahrt nur wenig Zeit für kulturelle und kulinarische Wiener Blitzlichter, wie einen Gang über den Wiener Naschmarkt, Museen, Albertinaplatz, Spanische Hofreitschule, Wiener Kaffeehäuser und "Beisl’n".

Wien ist stets eine Reise wert.
Foto: Wien ist stets eine Reise wert.

Alle Teilnehmenden zeigten sich in der Abschlussrunde bei der Reflexion und Auswertung der Studienfahrt sehr zufrieden mit den außerordentlich vielfältigen Eindrücken und Informationen, die bei dem Blick über die Grenzen hinüber zu unserem europäischen Nachbarn Österreich gewonnen werden konnten.

Als sehr bereichernd erwies sich auch der Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den verschiedenen Arbeitsfeldern in Baden-Württemberg untereinander. Vertreten waren bei der Studienfahrt sowohl Kollegen und Kolleginnen aus der Schulpraxis, wie auch aus Schulämtern, Regierungspräsidien, dem Kultusministerium, Seminaren und landesweit tätigen Stellen im Bildungsbereich wie der "Überregionalen Arbeitsstelle Frühkindliche Bildung und Frühförderung" und der "Landesarbeitsstelle Kooperation".

 

 

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Letzte Änderung: 03.12.2010