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Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/lak/akademien/2016/20_bwb/, Stand 17. Jan. 2017

Landesakademie für Fortbildung und Personalwentwicklung an Schulen
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Lesung von Eva Umlauf und Stefanie Oswalt in der Landesakademie

In einer Kooperationsveranstaltung der Volkshochschule, der Landesakademie und des Buchladens Fuchs stellte Eva Umlauf im Rahmen des „Festi-Walls für ein friedliches Miteinander“ ihre gemeinsam mit Frau Stefanie Oswalt verfasste Lebensgeschichte „Die Nummer auf deinem Unterarm ist so blau wie deine Augen“ vor.

Bernd Schinko, Direktor und Vorstand der Landesakademie in Bad Wildbad, freute sich, dass zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Fünf-Täler-Schule Calmbach in Begleitung ihrer Lehrerin Beate Kunz in die Akademie für Lehrerfortbildung gekommen waren. Die mit fast hundert Zuhörern gut besuchte Veranstaltung zeige einmal mehr, so Schinko, wie gewinnbringend es sei, wenn sich die Lehrerinnen und Lehrer der Akademie, die sich derzeit schwerpunktmäßig dem Thema Yad Vashem widmeten, sowie Schülerinnen und Schüler und interessierte Bürger aus Bad Wildbad gemeinsam versammelten, um dem Bericht einer Zeitzeugin des KZ Ausschwitz zuzuhören.

Hubertus Welt, Organisator des „Festi-Wall für ein friedliches Miteinander“, zeigte auf, wie wichtig es sei, dass in dieser zunehmend postfaktischen Zeit Menschen wie Eva Umlauf  auftreten und Bericht abgegeben, die auf eigenen Erlebnissen beruhen.

Eva Umlauf  und Stefanie Oswalt waren sehr bewegt, dass so viele Jugendliche ihre Lesung besuchten und stellten sich im Ablauf des Abends auf die Besucherbedürfnisse ein, indem sie viel Raum für Fragen und Diskussionen ließen.

Landes-Lehrer-Big-Band
Eva Umlauf bei einer Lesung in der Landesakademie Bad Wildbad

Der Titel ihres Buches „Die Nummer auf deinem Unterarm ist so blau wie deine Augen“ basiere, so Eva Umlauf, auf einer Gedichtzeile eines slowakischen Freundes, der sie viele Jahre dazu ermuntert habe, den Ereignissen, die sie in frühester Kindheit erlebt habe, auf die Spur zu kommen und sich den tief in ihr schlummernden Erinnerungen zu stellen. Erst vor wenigen Jahren wurde der heute 74-jährigen Frau bewusst: »So schmerzhaft der Weg ist, ich muss ihn gehen – für mich selbst und für die Zukunft meiner Kinder und Enkel«.  Gemeinsam mit Stefanie Oswalt begann sie mit der Recherche, suchte die Orte ihrer Geburt und ihrer Kindheit auf, das ehemalige Arbeitslager Nowaky in der Slowakei, besuchte Ausschwitz und recherchierte in Yad Vashem. Überall fand sie Spuren ihrer eigenen Geschichte, fand Fotos und Schriftstücke. Langsam verdichtete sich, was sie aus Erzählungen von Freunden wusste und bislang verdrängt hatte.

Eva Umlauf war das erste Kind, das 1942 im Arbeitslager in Nowaky in der Slowakei geboren wurde und galt damals als Hoffnungszeichen für alle im Lager lebenden Häftlinge. Zwei Jahre war sie alt, als sie im November 1944 mit ihrer jüdischen Familie nach Ausschwitz deportiert wurde.

Eine persönliche Erinnerung hat sie nicht an den Tag, an dem ihr die Nummer A 26959 eintätowiert wurde. Dieser Stempel der vollkommenen Entmenschlichung haftet seither an ihr, bis heute sichtbar, ein Zeichen, das zu ihr gehört wie jedes Muttermal. Heute betrachtet Eva Umlauf diese Nummer als Auftrag, Zeugnis abzulegen.

2011 bekannte sie sich als Überlebende des Holocaust und hielt an der Gedenkfeier in Ausschwitz erstmals öffentlich eine Rede über ihr Schicksal.

Die Krankenakte, die Eva Umlauf von sich in Ausschwitz entdeckte, machte ihr klar, wie todkrank sie gewesen war: Tuberkulose, Lungenentzündung, Rippfellentzündung und chronische Unterernährung. Der Satz, den die Mutter vom Lagerarzt zu hören bekam und ihr immer wieder erzählt wurde - „Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben,“  - wurde ihr beim Lesen dieser Akte wieder bewusst. Lange Jahre hatte sie diese Erinnerungsbruchstücke verdrängt, viele Jahre hatte sie sich geweigert, sich aktiv mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie habe aber unbewusst ihr Leben immer wieder als Wunder erlebt. Erst als sie einen Herzinfarkt erlitt und erneut Grenzen des Lebens erfuhr, war sie bereit zur bewussten Auseinandersetzung mit ihren Erinnerungen, zur Recherche und zur Öffentlichmachung ihres Schicksals.

Die Zuhörer, die die Lesung und das Gespräch zwischen Eva Umlauf und Stefanie Oswalt aufmerksam verfolgten, fragten immer wieder interessiert nach, um Eva Umlaufs Aussöhnung mit Deutschland nachvollziehen zu können. Sie wolle nicht Schuldgefühle einpflanzen, aber mit ihrem Bericht öffentlich machen, was geschehen sei mit der Intention, dass „so etwas nie wieder geschehen“ dürfe. Den Schülerinnen und Schülern erlaubte sie sogar einen Blick auf ihren Unterarm, was für die Jugendlichen ein Zeichen für ihre Authentizität darstellte.

Das „Festi-Wall für ein friedliches Miteinander“ will positive Kräfte stärken, Herzen öffnen, Vorbehalte überwinden helfen, Diskussionen anstoßen und Begegnungen ermöglichen. Die Begegnung mit Eva Umlauf machte dies in ganz besonderer Weise spürbar.

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Letzte Änderung: 15.11.2016