Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/grundlagen/mehrwert/keinautomat/, Stand 26. May. 2012
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Der Einsatz einer Plattform allein wird nicht, quasi automatisch, zu einem wie auch immer gearteten Mehrwert, zu besseren Lernergebnissen (was auch immer die Beteiligten hierunter verstehen wollen) oder besseren Noten führen. Die Gründe für das Scheitern von Lernplattformen - gerade wenn diese wie Moodle auf Kollaboration setzen - sind vielfältig:
Einerseits erwschweren die vorhandenen Schulstrukturen den Einsatz von Plattformen durch die gesetzten Rahmenbedingungen: Hierzu zählen der 45-Minuten-Takt, Probleme bei der Verfügbarkeit von Geräten und mit der Technik, die Haltung der Administratoren im schuleigenen Netz zu Moodle und hier vor allem die Befürchtung, dass durch die Installation mit zeitlichem Mehraufwand zu rechnen ist, das Buchungsverfahren für die Informatikräume, die Vorkenntnisse der Beteiligten, aber auch die Lehrpläne und Schwierigkeiten bei der Organisation von fächerübergreifendem Unterricht.
Andererseits sind auch nur wenige Lerner tatsächlich bereit, in Netzwerken
zu lernen, in denen ihr Fortkommen vom Lernfortschritt der anderen abhängig
ist. Im Unterschied zur Zusammenarbeit (Schüler 1 erstellt Text 1, Schüler
2 erstellt Text 2 etc.) erfordert Kollaboration die gemeinsame Arbeit an einem
Thema (sinnbildlich hierfür: die gemeinsame Arbeit in einem Wiki, z.B.
an der freien Enzyklopädie
Wikipedia). Dazu kommt,
dass der Blick auf Bildung bei allen Beteiligten vom Frontalunterricht und einer
traditionellen Lehrerrolle als Allwissendem geprägt ist, so dass ein programmierter
Unterricht von einer großen Zahl von Lernenden (und deren Eltern) auch
erwartet wird. Dieser ist jedoch für die Arbeit in virtuellen Netzen ungeeignet,
weil der Prozess der Wissensaneignung zum einen häufig nicht formalisierbar
ist, zum anderen, weil virtuelle Lerngruppen anderen sozialen Gesetzmäßigkeiten
folgen als Gemeinschaften, die sich im Klassenzimmer begegnen (face to face
Gemeinschaften).
Der Lehrende hat in virtuellen Umgebungen ganz andere Aufgaben, z.B. die der Moderation des Lernprozesses, also als Lernermöglicher zu fungieren. Dazu kommt auch, dass bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl an Lernenden eine Konsumhaltung zu konstatieren ist. Selbstbestimmung definiert sich für viele nur als Möglichkeit dem Lernprozess in der Gruppe beizuwohnen - oder auch nicht. Selbstbestimmung wird nicht als Chance gesehen, sich selbst zum Lehrenden zu machen. Virtuelle Lernsysteme werden aber ohne aktive Lieferung von Inhalten (Dokumente, Beiträge in Foren und Wikis) durch die Lernenden nicht funktionieren können, weil die Stärke von Netzwerken gerade im Verteilen von Aufgaben auf die gesamte Gruppe liegt. Die Offenheit des Lernprozesses im Netzwerk - bis hin zur Verhandelbarkeit der Lernziele - und die notwendige Identifikation mit dem Lerngegenstand verhindert zwar die "Entfremdung vom Lerngegenstand", überfordert die Beteiligten aber häufig.
Es kann deswegen gerade nicht darum gehen, Spiegelbilder existierender Lernarrangements zu entwickeln und diese mit einem neuen technischen Hochglanzformat zu überziehen, sondern virtuelle Lernumgebungen müssen sich die in den Netzwerken liegenden eigenen Möglichkeiten erschließen. Damit steht bei der Entwicklung von Lernplattformen nicht die technischen Umsetzung und Machbarkeit im Vordergrund, sondern die Vereinbarungen der Lerngruppe.
Der Mehrwert von Moodle liegt damit weniger in einer Verkürzung der Lernzeiten für die Schüler oder einer Reduktion der Vorbereitungszeit für die Lehrer, als vielmehr der Unterstützung eines kooperativen und zieloffenen Lernprozesses. Virtuelles Lernen wird auch nicht isoliert betrachtet werden können, sondern wird Teil eines Lernarrangements, in dem vor allem den face to face Phasen eine zentrale Bedeutung zukommt. Die Literatur nennt das blended learning. Damit wird unter E-learning weniger eine neue mediale Qualität verstanden, als vielmehr eine neue Methode des Lernens geprägt, die sich am Konstruktivismus orientiert.
Lernen in Netzwerken fordert die Lernenden dazu auf, ihren Lernprozess selbst in die Hand zu nehmen. Der Schüler steht hier im Mittelpunkt des Unterrichts - die Lehrenden fördern, betreuen, helfen und kümmern sich um die Rahmenorganisation, treten also keineswegs komplett von der Bühne ab.
Moodle trägt dazu bei, dass sich diese moderne Form von Unterricht leichter organisieren lässt - mehr nicht.
Sehen Sie hierzu auch die Seiten
Einführung in Moodle
in der Schule und einen Erfahrungsbericht des Autors in seinem
Schulblog
Weiter:
Warum
gerade Moodle?
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