Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/unterricht/sol/01_sol/artikel.htm, Stand 12. Feb. 2012
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Vorbemerkungen
Ein gleichermaßen zukunfts- wie auch leistungsorientierter Unterricht
stellt den aktiven selbständigen und selbstverantwortlichen Lernenden in
den Mittelpunkt; er zielt auf fachlichen und überfachlichen Kompetenzerwerb,
auf die Sicherung eines anschlussfähigen Grundlagen- und Orientierungswissens
und somit auf die Entwicklung einer nachhaltigen Lernfähigkeit und Lernbereitschaft.
Praxisbezug und Handlungsorientierung sind wesentliche und unverzichtbare Elemente
einer modernen Unterrichtspraxis. Es gilt, gesellschaftliche Werte und fachliche
Grundlagen zu vermitteln, fächerübergreifende Arrangements, zum Beispiel
in Lern- oder Themenfeldern zu gestalten, zu vernetztem Denken anzuregen und
Berufsfähigkeit aufzubauen. Die didaktische sowie die methodische Planung
und Verwirklichung von Unterricht muss auf die genannten Zielsetzungen abgestimmt
sein. Tradierte Lehr- und Lernformen bedürfen der Weiterentwicklung und
der Ergänzung.
Es gibt zahlreiche Anlässe und Motive, die Unterrichtspraxis zu verändern,
weiterzuentwickeln und zu modernisieren. Schule kann inmitten eines dynamischen
Umfelds hinsichtlich ihrer pädagogischen Wirklichkeit nicht statisch bleiben.
Kulturelle, soziale, ökonomische sowie gesellschaftspolitische Veränderungen
prägen und modifizieren das Selbstverständnis und die Ansprüche
des Gemeinwesens, als dessen Teil sich Schule begreifen muss.
Schulentwicklung und Unterrichtsentwicklung sind daher auch Spiegel einer gesellschaftlichen
Dynamik. Schließlich sind sich die meisten Lehrenden darüber einig,
dass die Lernenden mit zunehmendem Alter vermehrt zur Selbständigkeit und
Eigenverantwortlichkeit geführt werden sollten - nicht nur, aber auch,
zur eigenen Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer.
Für SOL gibt es keine schulartspezifische Exklusivität, sondern eine
uneingeschränkte Geltung für alle Schularten. Das Konzept SOL stellt
einen didaktisch und methodisch systematisch begründeten Rahmen bereit,
welcher sich aus verschiedenen pädagogischen, lern- und sozialpsychologischen
sowie didaktischen Quellen speist. Im Konzept SOL vereinigen und bereichern
sich Ansprüche an die fachlichen Kompetenzen sowie Potentialen einer sozialen,
methodischen und didaktischen Struktur des Lernens.
Im Mittelpunkt steht als Ziel der handlungskompetente, d. h. der fachlich und
überfachlich qualifizierte Lernende. Bildung vollzieht sich als Selbstbildung,
als aktiver Prozess der Aneignung und Ausübung von Wissen und Können.
Allein die kluge Anordnung von Phasen der Einzel-, Gruppen- und Plenumsarbeit
zeigt, dass SOL keineswegs Lernen als Verabsolutierung der Eigenaktivitäten
der Schülerinnen und Schüler begreift. Richtig und entscheidend ist
vielmehr, dass sich gleichzeitig die Rolle des Lehrenden entscheidend wandelt.
Bestand bisher eine der Hauptaufgaben der Lehrenden darin, Wissen didaktisch
aufzubereiten und zu vermitteln, so verändert sich diese in SOL-Arrangements:
Lernsituationen schaffen, Lernprozesse initiieren, begleiten, evaluieren und
abschließen - so könnte die neue Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer
umschrieben werden. Dabei kommt der individuellen Lernberatung eine besondere
Bedeutung zu. Der (frontale) Lehrervortrag dient vor allem der Übersicht
und der fachwissenschaftlichen Zusammenfassung. Die Gesamtverantwortung für
den Unterricht liegt trotz oder gerade wegen der erhöhten Selbständigkeit
und Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler in den Händen
der Lehrenden.
Zur Gesamtverantwortung der Lehrkräfte zählt unstrittig auch die Aufgabe
der Leistungsbeurteilung. Diese erfüllt aus pädagogischer Sicht in
aller erster Linie einen formativen und entwicklungsorientierten Zweck im Sinne
einer Lernentwicklungsbegleitung. Ziel ist es, im Zuge einer differenzierten
Einschätzung und Rückmeldung die weiteren Lernprozesse zu strukturieren
und zu stimulieren. Eine zentrale Voraussetzung dafür stellt die Kongruenz
von Unterrichtskonzepten und Konzepten der Leistungsbeurteilung dar. Im Blick
auf die Potentiale und Intentionen von SOL bedeutet dies, dass Verfahren und
Formen der Leistungsbeurteilung gefunden werden, die sowohl die fachlichen als
auch die überfachlichen Kompetenzen erfassen und zu beurteilen erlauben.
Mit anderen Worten: SOL ermöglicht die Förderung und Stärkung
von schulischen Leistungen in einem umfassenden Sinn; zugleich fordert SOL tragfähige
Konzepte der Leistungsbeurteilung ein, welche dem zugrunde liegenden erweiterten
Lern- und Leistungsbegriff Rechnung tragen.
Sicherlich stellt SOL kein Allheilmittel für alle Fälle von pädagogischen
Konzeptdefiziten dar. SOL bietet jedoch einen systemischen Ansatz inhaltlicher,
didaktischer und methodischer Elemente, der im Sinne einer anwendungs- und kompetenzorientierten
Pädagogik Wege zu einer innovativen Praxis von Schule und Unterricht weist.
Besondere Beachtung verdient SOL im Blick auf die Bewältigung vielschichtiger
Anforderungen in Ausbildung, Studium und Beruf.
Quelle: Dr. Günther Klein, Ministerium für Kultus, Jugend und
Sport Stuttgart,(2003)