Druckansicht von http://lehrerfortbildung-bw.de/werkstatt/netopen/lernsoftware/, Stand 26. May. 2012
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Gespräch in einem beliebigen Lehrerzimmer zwischen einem Kollegen und dem Netzwerkberater:
Kollege: "Da gibt es es eine neue Lernsoftware, die eignet sich hervorragend für den Einsatz im Englischunterricht. Ich habe die Software daheim ausprobiert, läuft alles ohne Probleme. Können wir die Lernsoftware anschaffen und im Schulnetz installieren?"
Netzwerkberater: "Das weiß ich nicht. Ich muss erst herausfinden, ob die Software bei uns im Netz auch läuft."
Kollege: "Wieso - ich habe sie doch auf meinem Rechner installiert. Läuft völlig problemlos."
Netzwerkberater:
"Du hast einen Einzelplatzrechner zuhause, da gibt es meist keine Probleme. In einem Schulnetz mit vielen Dutzend Rechnern ist das nicht so einfach. Ich muss sicherstellen, dass die Benutzerverwaltung möglichst einfach funktioniert und dass sich keine Sicherheitslücken im Schulnetz auftun. Und außerdem habe ich wenig Lust, viele Stunden mit der Installation von schlecht programmierter Software zu verschwenden".
Kollege: "Wieso schlecht programmiert? Die Lernsoftware ist inhaltlich und didaktisch sehr gut."
Netzwerkberater: "Das bezweifle ich nicht. Aber aufgrund meiner Erfahrung weiß ich, dass Lernsoftware technisch oft nicht optimal an die Bedürfnisse eines schulischen Netzes angepasst ist. Häufig muss ich mich geradezu verrenken, um Lernsoftware akzeptabel installiert zu bekommen; das kostet unheimlich viel Zeit. Trotzdem - ich schau mal, ob ich die Software installiert bekomme."
Heimanwender und schulische Gegebenheiten
Solche oder ähnliche Gespräche dürften recht häufig stattfinden. Der Hauptgrund liegt darin, dass die Schulbuchverlage und andere Hersteller von Lernsoftware in der Regel für den sogenannten "Nachmittagsmarkt" produzieren. Sie gehen davon aus, dass ihre Lernsoftware nicht von Schulen, sondern von den einzelnen Lernenden gekauft und dann individuell daheim unterstützend bzw. begleitend zum Unterricht eingesetzt wird. Entsprechend ist die Software in technischer Hinsicht häufig auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten eines einzelnen Benutzers, der auf einem Einzelplatzrechner mit dem Betriebssystem Windows arbeitet, zugeschnitten. Die völlig anderen Bedingungen in einem schulischen Computernetzwerk, in dem auf den Schüler- und Lehrerrechnern zwar ebenfalls Windows läuft, dessen Server aber unter einem anderen Betriebssystem , z.B. Linux oder Novell läuft, werden häufig noch immer nicht in hinreichendem Maße berücksichtigt.
Alltagsprobleme
Dies soll an einem Beispiel verdeutlicht werden: Viele Schulen betreiben ihre Arbeitsplatzrechner nach dem Prinzip der
"Selbstheilenden Arbeitsstationen" (SheilA). Dies bedeutet, dass alle Rechner im pädagogischen Netz einer Schule vom Netzwerkberater in einen definierten Zustand gebracht werden. Während der Arbeit mit diesen Rechnern können die Benutzer beliebige Veränderungen vornehmen, die allerdings beim nächsten Start automatisch rückgängig gemacht werden. Zumindest auf der Systempartition der PCs können die Benutzer nichts dauerhaft speichern, auch keine Lernstände der Lernsoftware. Als Ausweg bleibt nur, Daten und Lernstände auf dem Server zu speichern. Idealerweise sollte auch die Lernsoftware selbst einmalig in einem geeigneten Verzeichnis auf dem Server installiert und über eine einfache Verknüpfung von jedem Rechner im Netz aufgerufen werden. Darauf ist Lernsoftware aber oft nicht vorbereitet. Viele Programme bestehen darauf, Daten und Lernstände entweder lokal auf der Arbeitsstation oder im Programmverzeichnis auf dem Server zu speichern. Um dies zu ermöglichen, muss das Programmmverzeichnis für Schreibzugriffe freigegeben werden. Dies wiederum bedeutet, dass jeder Benutzer die Daten anderer Benutzer und sogar das installierte Programm löschen kann - eine Situation, mit der sich kaum ein Netzwerkverwalter abfinden wird. Mit viele Zeitaufwand und manch technischem Trick wird er vielleicht versuchen, eine für alle akzeptablen Lösung zu finden. Da er aber nur begrenzt Zeit hat, kann er dies nicht bei jeder Lernsoftware, die vom Kollegium gewünscht wird, machen.