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#Lehrer können auch anders – EduCamp in Bad Wildbad

Wie funktioniert Lernen mit Medien? Wie arbeitet man mit Tablets in der Grundschule? Wie erstellt man sogenannte Erklärvideos, die Schüler ermöglichen, Lerninhalte zu vertiefen oder zu wiederholen? Wie befähigt man Schüler zur Erstellung von interessanten, mediengestützten Präsentationen? Wie erlernen Schüler das Programmieren? Wie setzt man einen 3 D-Drucker in der Schule ein?

173 Lehrerinnen und Lehrer, Unternehmer im Bildungsbereich, Fortbildner, aber auch Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland setzten sich am Wochenende in ihrer Freizeit in Bad Wildbad mit informatischen, didaktischen, technischen und medienpädagogischen Fragestellungen auseinander. Sie erprobten die einzelnen mediendidaktischen Konzepte selbst, sie lernten den Umgang mit Tablets, erprobten Apps, bauten mit technischem Spielzeug, versuchten sich am Programmieren von Spielzeug-Robotern und diskutierten die Möglichkeiten der individuellen Förderung, die sich mit Hilfe der digitalen Medien im Unterricht ergeben. Über Wochen wurde das 19.EduCamp, das erstmalig an der Landesakademie stattfand, von Seiten der Organisatoren vorbereitet, gleichwohl diese Fortbildung im Format eines BarCamps durchgeführt wurde und somit ein Großteil der inhaltlichen Verantwortung den Teilnehmenden selbst obliegt.

Untypischerweise begann das BarCamp am Anreisetag mit 14 verschiedenen, vom Organisationsteam festgelegten Workshops, was sich aufgrund der erschwerten Anfahrt einiger weit gereister Teilnehmer als eine gute Lösung erwies. So konnten die bereits anwesenden Teilnehmer aus der Region die vielfältigen Workshopangebote nutzen. Sie setzten sich mit der Fragestellung, welche Rolle Industrie 4.0 und 3D–Druck in der Ausbildung der Zukunft spiele, auseinander. Auch gab es das Angebot, den Mini-Computer Calliope kennenzulernen und das Programmieren zu erlernen. In gleicher Weise ging es um den Einsatz von Ipads in der Grundschule und um das Erstellen eines entsprechenden pädagogischen Konzeptes. Auch wurde bereits in dieser Phase der Tagung ein Einsteigerkurs für die Plattform Moodle angeboten.

Außerdem überraschte ein Unterrichtsmodell des Sonderschullehrers Tilo Bödigheimer, der in anschaulicher Weise zeigte, wie man das Computerspiel Minecraft in sinnvoller Weise im Unterricht nutzen, die Schüler in ihren Kenntnissen wertschätzen und gleichzeitig ihre Fähigkeiten stärken kann. Bernd Schinko, Akademieleiter und Mitglied des Organisationsteams, war zufrieden mit der Idee der geplanten Workshops am Anreisetag für den Austragungsort im Nordschwarzwald, da die bereits anwesenden Teilnehmer bereits inhaltlich in die Thematik „Lernen im digitalen Zeitalter“ eintauchten, während die aus allen Teilen der Republik angereisten, erfahrenen EduCamp-Teilnehmer am Folgetag mit dem eigentlichen Format des Barcamps starteten. Bei einem BarCamp, so erklärte Organisator Jan Hambsch, würden die Teilnehmer gleichzeitig zu sogenannten „Teilgebern“ werden, indem sie selbst Inhalte zum Tagungsprogramm beisteuerten. So hänge das Gelingen einer solchen Mitmachkonferenz entscheidend von den Teilnehmern ab, die die Tagung aktiv gestalteten. Es staunte so mancher der erstmalig Teilnehmenden über die Fülle von Angeboten, die mit großem Engagement der Anwesenden bei den sogenannten Sessionplanungen eingebracht wurden.

Die Landesakademie in Bad Wildbad schaffte die räumlichen und technischen Voraussetzungen für die Fülle der Lehr- und Lernangebote. Mit Blick auf die Einrichtung der Landesakademie äußerte die Bundestagsabgeordnete der SPD und Mitglied des Organisationsteams Saskia Esken lobend, die Landesakademie Bad Wildbad sei „der Hammer unter den Bildungsstätten“. Das Team der Landesakademie war um das Wohl der Teilnehmer sehr bemüht, insbesondere wurden die reibungslos funktionierende Technik, für die Herr Hans-Jürgen Noack sorgte und die hohe Qualität der Küche gelobt. Die Teilnehmenden nutzten so auch das Ambiente dieser Bildungsstätte für ausgiebiges Arbeiten und entwickelten während der Tagung immer neue Lernangebote, die sich aus bisherigen Fragestellungen heraus ergaben. Die Begeisterung der EduCamp-Teilnehmer war an allen drei Tagen durchgehend spürbar und das Mitmach-Engagement ließ in keinster Weise nach, sodass letztlich sogar die Kinder ermutigt waren, eigene „Sessions“ anzubieten, um zu offenbaren, dass sie sich im Bereich der Digitalisierung nicht nur als Lernende , sondern auch als Lehrende fühlen. Die Medienbegeisterung der Lehrerinnen und Lehrer dieses BarCamps beeindruckte auch die jugendlichen Teilnehmer. „Lehrer können auch anders“, meinte einer der Schüler, der für seine anstehende Projektprüfung im medialen Bereich wertvolle Impulse auf dieser Fortbildung erhielt.

Doch nicht nur über Medien wurde diskutiert, sondern in gleicher Weise standen auch pädagogische Fragestellungen im Sessionplan. Beispielsweise wurde das 4K-Modell durch Realschullehrer Dejan Mihajlovic vorgestellt. Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken seien vier Elemente einer zeitgemäßen Lehr- und Lernform, die insbesondere durch den sinnvollen Einsatz von Medien und der Nutzung sozialer Netzwerke die jugendlichen Schülerinnen und Schüler befähigen können, die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft zu bewältigen. Partizipation von Schülern wurde in mehreren Sessions thematisiert und in diesem Zusammenhang auch das Projekt „Aula“ als ein mögliches Modell von Schülerpartizipation vorgestellt. In einigen Sessions ging es auch um konkrete Tipps der Umsetzung. So zeigte Grundschullehrerin Stefanie Maurer anschaulich auf, wie sie Erstklässler auf Buchstabensuche mit dem Ipad schickt, wie sie das Thema Aufsatzerziehung mit Hilfe dieses Mediums auf leichte Weise umsetzt und welchen Einsatz das Tablet im Mathematikunterricht des ersten Schuljahres findet.

Auch Beispiele für den Unterricht in höheren Klassen gab es in vielfacher Weise: Ein einfaches grünes Tuch, ein Tablet und das notwendige Know-How, vermittelt durch die kreativen Lehrer Marek Müller und Thomas Schmidt, ermöglichen Lehrerinnen und Lehrern einen Unterricht mit in hoher Qualität erstellten Erklärvideos, die die Schüler in den Prozess der Entstehung genauso einbindet wie in die unterrichtlichen Inhalte selbst.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer , vom Kleinkind bis zum Rentner, außerdem Schüler, Pfarrer, Unternehmer, Fortbildner, Tüftler und Erfinder sowie Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, die in der Affinität gegenüber Medien jedoch eine große gemeinsame Schnittmenge aufwiesen, verbunden mit der Bereitschaft selbst aktiv zum Gelingen des EduCamps beitragen zu wollen, machte den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus.

Vielfach wurde angeregt, dass EduCamps auch weiterhin in Baden-Württemberg stattfinden sollten. Bad Wildbad zeigte sich hier in Bezug auf Ausstattung und Betreuung durch die Landesakademiemitarbeiter als ein idealer Austragungsort. Abschließend standen beim 19.EduCamp in Bad Wildbad am Wochenende 14 Workshop- und 73 Sessionangebote auf dem Programm. So waren Bernd Schinko und Oliver Hintzen als Hauptverantwortliche dieses BarCamps an der Landesakademie in Bad Wildbad mit dem Verlauf dieser Fortbildung sehr zufrieden, insbesondere weil das EduCamp weiterführend nun auch die Gelegenheit für den Südwesten bot, sich mit Medienexperten bundes- und landesweit zu vernetzen.

Bad Wildbad, 2.5.2017 Ulrike v. Altrock