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Unterrichtsmaterialien


M 0.2b Ein Flüchtlingskind erzählt


Louis

Louis ist 9 Jahre alt und kommt aus einem Dorf in Syrien. Seit einem Jahr wohnt er mit seiner Familie in Bielefeld. Louis kann schon sehr gut Deutsch. Er erzählt:

Wir haben in einem kleinen Dorf gelebt. Da gab es viel Sand, aber auch einen Fußballplatz und ein paar Geschäfte. Es gab nicht viele Autos, alle fahren Motorrad. Die Häuser in Syrien haben flache Dächer. Wir hatten ein großes Haus. Da haben alle zusammen gewohnt: Oma und mein Opa, als er noch lebte, meine Mutter und mein Vater, mein Onkel und Tante Rosa und meine Schwestern Chanel und Christiana. Im Garten gab es 24 Weinstöcke und Gurken und Tomaten und zwei Apfelbäume. Ich musste manchmal gießen. Wir hatten eine Kuh, die haben wir verkauft, bevor wir weggegangen sind.

In Syrien hatte ich ganz viele Freunde. Wir haben jeden Tag sofort nach der Schule draußen gespielt.

Ich bin mit 5 Jahren in die Schule gekommen. Auf meine Schule sind die Kinder gegangen, bis sie 13 Jahre alt waren. Neben unsrer Schule war noch eine Schule für Ältere. Der Schulhof war ein Fußballplatz und viel weiter weg war das Haus mit den Toiletten.

Wir sind Christen. Meine Oma ist jeden Samstag oder Sonntag in die Kirche gegangen. Ich bin lieber zuhause geblieben und habe mit Freunden gespielt.

Wir hatten Angst, dass der Krieg in unser Dorf kommt. Manchmal haben wir Flugzeuge gehört, die Raketen abgeworfen haben. Wir sind zuerst in den Libanon geflogen. Dort waren wir zwei Monate bei einer Tante. Ich habe da viele Freunde und Bekannte aus unserem Dorf wiedergetroffen. Das war toll. Als wir meine Tante und meinen Onkel wiedergesehen haben, hat meine Mutter vor Freude geweint. Sie hat auch ein bisschen geweint, als wir im Auto zum Flughafen saßen.

Vom Libanon sind wir nach Dortmund geflogen. Onkel Walid, der schon länger in Deutschland lebt, und ein großer Junge, den ich nicht kenne, haben uns abgeholt. Bielefeld hat mir gleich gefallen.

Wir wohnen in einer großen Wohnung. In unserem Haus wohnt noch eine andere Familie. Wir sind zufrieden mit unserer Wohnung. Meiner Familie geht es gut in Deutschland. Wir gehen mit unseren neuen Freunden schwimmen und machen Ausflüge. Schwer ist es für meine Oma. Sie kann noch kein Deutsch. Ich habe 10 Tage einen Sprachkurs gemacht. Dort waren noch zwei andere syrische Kinder, mit denen konnte ich Arabisch sprechen. Dann bin ich in die Schule gekommen, in die zweite Klasse. Die Kinder haben mir Zeichen gemacht und mir alles gezeigt.

Wir haben mit dem Computer viel Kontakt zu Freunden und Verwandten, die auch aus Syrien weggegangen sind. So haben wir erfahren, dass niemand mehr in unserem Dorf wohnt. Es ist im Krieg erobert worden. Wir haben auch ein Handy, mit dem können wir mit Verwandten telefonieren.

Komisch finde ich, dass mich keiner zu seiner Geburtstagsparty einlädt. In Syrien hatte ich mehr Freunde.

Ich wünsche mir einen richtig großen Fernseher mit einer Playstation. Für meine Familie wünsche ich mir ein eigenes Haus und dass die Erwachsenen zufrieden sind. Ich glaube nicht, dass wir irgendwann nach Syrien zurückgehen.

M 1.1a Erzählvorschlag

Materialien Exilgeschichten: Herunterladen [docx] [5,1 MB]

Materialien Exilgeschichten: Herunterladen [pdf] [2,1 MB]