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Doppelstunde 5: UFB-Items 1.1, 1.2, 1.3 und 1.4

Unterrichtsinhalte im Überblick:

Die Schülerinnen und Schüler erlernen in der Doppelstunde den Zusammenhang von Begründen und Argumentieren. Außerdem kennen sie den grundlegenden Aufbau eines Arguments in der Ethik (M5.1, M5.2, M5.3). Sie üben präzise zwischen dem begründeten Teil eines Arguments und dem begründenden Teil eines Arguments zu unterscheiden. Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren auch unvollständige Argumente und ergänzen fehlende Prämissen und Konklusionen eines Arguments (M5.4). Das in der vorherigen Doppelstunde erlernte Fallanalysenschema wenden sie auf einen konkreten Fall an (M5.5).

Berücksichtigung der Basisdimension „Kognitive Aktivierung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen (1.2.):

Die Lernenden werden aufgefordert, ihre Antworten zu begründen.

Als Einstieg (M5.1) dient ein schülernaher Beispielsatz aus dem Themenfeld „Spielregeln“, anhand dessen die Schülerinnen und Schüler den logischen Unterschied zwischen begründeten und begründenden Aussagen identifizieren. Dabei wird auf die aus dem Unterricht bekannten Begriffe „Entscheidung“ und „Begründung“ zurückgegriffen. Außerdem formulieren sie eine in dem Argument des Beispielsatzes nicht explizit genannte Prämisse.

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3)

Die von der Lehrkraft gestellten Fragen und Aufgaben können nicht nur mit Ja oder Nein beantwortet werden.

Die von der Lehrkraft gestellten Fragen und Aufgaben gehen über die reine Reproduktion von auswendig gelerntem Wissen oder der Anwendung von Prozeduren hinaus.

Das vorliegende anspruchsvolle Material zur Einführung der Begriffe „Argument“ bzw. „Argumentation“ über die Differenzierung zwischen Begründung und Entscheidung (M5.2) und über den Aufbau eines ethischen Arguments (M5.3) sieht sich dem didaktischen Prinzip der „wohldosierten Überforderung“ verpflichtet. Induktiv wird den Schülerinnen und Schülern anhand eines Beispiels zunächst der abstrakte Unterschied zwischen dem begründenden Teil eines Arguments und seinem begründeten Teil vermittelt. Das Ziel, Schülerinnen und Schülern den Aufbau eines Arguments näherzubringen, wird hier induktiv über Begründungen mittels moralischer Regeln erreicht. In einem zweiten Schritt erfolgt eine genaue Einführung des Begriffs „Argument“. Dabei wird aus Gründen der Veranschaulichung der abstrakten logischen Struktur eines Arguments der Vergleich mit den Komponenten eines Hauses herangezogen. Zugleich werden Schülerinnen und Schüler intuitiv damit vertraut gemacht, dass bei einem deduktiven Schluss in der Ethik mindestens eine Prämisse präskriptiver Natur sein muss.

Verständnisorientierung (1.1):

In der Stunde wird deutlich, was die Schülerinnen und Schüler am Ende einer Einheit können, verstanden oder kritisch reflektiert haben sollen.

Der Bezug zu den zentralen Inhalten wird im Verlauf der Stunde immer wieder hergestellt.

 

Engagement von Schülerinnen und Schülern (1.4)

Unvollständige Argumente von Schülerinnen und Schülern aus der ethischen Fallanalyse der vorherigen Stunde werden in der Erarbeitungsphase aufgegriffen (M5.4). Durch das Vervollständigen der Argumente durch Prämissen (hier: moralische Regeln) und Konklusionen (moralische Entscheidungen) werden die Schülerinnen und Schüler mit der logischen Struktur von Argumenten vertraut gemacht.

Die von Schülerinnen und Schülern erworbenen fachspezifischen Fähigkeiten zur Durchführung einer ethischen Fallanalyse wenden sie auf einen konkreten Fall (M5.5) an. Dieser wird hier im Medium eines kurzen Dialogs präsentiert. Außerdem üben sie dabei, ein unvollständige Argumente durch Prämissen (hier: Regeln) und Konklusionen (hier: Entscheidungen) zu vervollständigen.

Der Aufmerksamkeitsfokus der Schülerinnen und Schüler liegt auf dem Unterrichtsgeschehen.

Die von Schülerinnen und Schülern erworbenen fachspezifischen Fähigkeiten zur Durchführung einer ethischen Fallanalyse wenden sie auf einen konkreten Fall (M5.5) an. Dieser wird hier im Medium eines kurzen Dialogs präsentiert. Außerdem üben sie dabei, ein unvollständige Argumente durch Prämissen (hier: Regeln) und Konklusionen (hier: Entscheidungen) zu vervollständigen.

Materialien

M5.1: Aussage ist nicht gleich Aussage

Schiedsrichterin: „Der Spieler mit der Nummer 6 erhält eine rote Karte, weil der Spieler ein grobes Foul begangen hat.“

Arbeitsanregungen

  1. Der Satz enthält zwei Aussagen. Nenne diese.
  2. Wodurch unterscheiden sich die beiden Aussagen? Finde einen Namen für die beiden Arten von Aussagen.
  3. Wie hängen die Aussagen zusammen? Beschreibe die Verbindung zwischen den beiden Aussagen.

Wie argumentieren wir in der Ethik?

M5.2 Begründung und Entscheidung

Schauen wir uns das Beispiel noch genauer an. Die Schiedsrichterin gibt dem Spieler mit der Nummer 6 eine rote Karte, weil er ein grobes Foulspiel begangen hat. Sein Foulspiel ist eine Tatsache. Das heißt, dass der Spieler der Nummer 6 wirklich ein grobes Foul an einem anderen Spieler begangen hat. Dass die Schiedsrichterin dem Spieler eine rote Karte zeigt, ist ihre Entscheidung. Für ihre Entscheidung liefert sie eine Begründung. Das muss sie sogar machen, weil es in der Sportart Fußball die Fußball-Regeln gibt. Dort steht: Wer ein grobes Foulspiel begeht, erhält eine rote Karte.

Tatsache, Regel und Entscheidung bilden zusammen die Teile eines Arguments. Was das genau ist, gucken wir uns in M2 genauer an. Den Aufbau eines Arguments kann man so darstellen:

Tatsache der Begründung: Der Spieler mit der Nummer 6 hat ein grobes Foulspiel begangen.

Regel der Begründung: Wer ein grobes Foulspiel begeht, erhält eine rote Karte.

Entscheidung: Der Spieler mit der Nummer 6 erhält eine rote Karte.

In der Ethik treffen wir moralische Entscheidungen, zum Beispiel wenn wir in einer moralischen Zwickmühle stecken. Wir sagen, was getan werden soll oder nicht. Unsere Entscheidungen haben wir zu begründen. Manche Gründe, die wir anführen, sind gut, andere weniger. Begründungen bestehen aus Aussagen. Unsere Entscheidung, die wir treffen, können wir auch als eine Aussage formulieren. Begründung und Entscheidung sind voneinander zu unterscheiden. Aber sie sind miteinander verbunden. Das, was die Begründung stützt, ist die Entscheidung.

M5.3 Aufbau eines ethischen Arguments

Statt ‚begründen‘ sagt man vielfach auch ‚argumentieren‘. Den Begriff hast du sicherlich schon einmal gehört. Beim Diskutieren werden Argumente verlangt. Aber was ist genau ein Argument? Ein Argument besteht immer aus zwei Teilen: dem begründeten Teil, hier eine moralische Entscheidung, und einem begründenden Teil, der Begründung. Die Entscheidung kann eine Aussage sein, die begründet wird. Die Begründung ist der Teil eines Arguments, mit dem die Entscheidung begründet wird. Genauer muss man sagen, dass eine Begründung selbst immer aus zwei Teilen besteht, nämlich aus einer Regel und einer Tatsache. Manchmal wird die Regel nicht genau genannt. Manchmal fehlt auch die Tatsache. Zwischen Tatsache und Regel besteht eine Beziehung. In unserem Fall kommt als Begründung eine Regel vor, genauer eine Spielregel aus der Welt des Sports. Auch beim Nachdenken über moralische Zwickmühlen lohnt sich ein genauer Blick auf die Begründungen. In einer moralischen Zwickmühle gibt es ja Begründungen für einander genau entgegengesetzte Entscheidungen.

Du kannst dir den Aufbau eines Arguments in der Ethik mithilfe der Buchstabenkombination „TRE“ (für Tatsache, Regel und Entscheidung) merken. Eine andere Möglichkeit, dir die Struktur eines Arguments zu verdeutlichen, besteht darin, an den Aufbau eines Hauses zu denken. Ein Haus besteht immer aus einem Dach und mindestens zwei Wänden. Die Wände stützen das Dach.

So ist das auch bei einem ethischen Argument. Wir brauchen zwei Stützen für eine moralische Entscheidung: eine Tatsache und eine moralische Regel.

Haus Argument
Dach moralische Entscheidung
Wand 1 moralische Regel der Begründung
Wand 2 Tatsache der Begründung

Weil aus den beiden Begründungsteilen eine Entscheidung hergeleitet wird, kann man ein Argument als „umgedrehtes Haus“ vorstellen:

Haus Argument
Wand 1 Tatsache der Begründung
Wand 2 moralische Regel der Begründung
Dach moralische Entscheidung

Anmerkung: Ein Argument wird auch als Schluss bezeichnet. Dieser besteht aus einer Schlussfolgerung (hier: Entscheidung) und Annahmen (hier: Tatsache der Begründung und Regel der Begründung).

Arbeitsanregungen:

  1. Lies den Text M1. Die Lehrerin sagt: „Peter erhält eine Strafarbeit, weil er den Unterricht gestört hat.“

    Bestimme in dem Satz, was die Entscheidung der Lehrerin und welches ihre Begründung ist.

    Entscheidung:

    Begründung:

    Gegen welche Regel hat Peter verstoßen? Notiere diese.

  2. Lies den Text M2. Zeichne ein Haus mit Dach und zwei Wänden.

    Trage in deine Zeichnung die Tatsache der Begründung, die Regel der Begründung und die Entscheidung ein, die zu dem Satz der Lehrerin passt.

  3. Stelle das vollständige Argument der Lehrerin dar.

    Tatsache:

    Regel:

    Entscheidung:

M5.4: Begründung und Argument

Du erinnerst dich an den Fall, in dem Charlotte, die Freundin von Marlene, ein T-Shirt stiehlt.

Hier findest noch einmal Antworten und Begründungen von euch.

Schülerin 1:  

Marlene soll antworten: „Charlotte wohnt in der Straße … Hausnummer 11.“

Begründung: „… weil Marlene sonst eine Strafe bekommt.“

Schülerin 2:

Marlene soll antworten: „Nein, ich kenne sie nicht.“

Begründung: „… weil man Freunde nicht verraten soll.“

Schülerin 3:

Marlene soll antworten: „Charlotte heißt sie.“

Begründung: „…weil Diebe Diebe sind, ganz egal, ob es ihre Freundin ist.“

Arbeitsanregungen:

1. Welche Regeln tauchen in den Begründungen auf? Manchmal werden diese nicht genau genannt. Notiere diese jeweils.

Regel von Schülerin 1:

Regel von Schülerin 2:

Regel von Schülerin 3:

2. Ergänze die folgenden Argumente, so dass sie vollständig sind.

Argument von Schülerin 1

Tatsache der Begründung: Charlotte hat das T-Shirt gestohlen

Regel der Begründung:

Entscheidung: Marlene soll Charlotte verraten.

Argument von Schülerin 2

Tatsache der Begründung: Charlotte ist eine Freundin.

Regel der Begründung: Man soll seine Freunde nicht verraten.

Entscheidung:

Argument von Schülerin 3

Tatsache der Begründung: Meine Freundin Charlotte hat das T-Shirt gestohlen.

Regel der Begründung:

Entscheidung: Marlene soll Charlotte verraten.

3. Welche Begründung hältst du für die beste? Begründe deine Entscheidung.

M5.5: Dürfen Eltern lügen?

Anna: „Du, Papa, ich hab’ überhaupt keinen Bock auf den Sportunterricht heute. Die Sportlehrerin ist krank. Wir müssen mit den Jungs zusammen Sport machen. Manche von denen sind immer so krass fies beim Sport. Kannst Du mir eine Entschuldigung wegen Krankheit schreiben?“

Vater: „Könnte ich schon, aber dann müsste ich ja lügen. Du bist doch gesund.“

Anna: „Stimmt schon. Aber willst Du, dass ich im Unterricht runtergemacht werde?“

Vater: „Natürlich nicht.“

Anna: „Na also.“

Vater: „Puh, einfach ist das nicht.“

Frage: Soll Annas Vater seiner Tochter Anna eine Entschuldigung für den heutigen Sportunterricht schreiben?

Arbeitsanregungen:

  1. Wer hat mit dem ethischen Dilemma zu tun? Nenne die Personen.

  2. Wie könnte sich Annas Vater fühlen, als Anna ihn bittet für sie eine Entschuldigung zu schreiben?

    Vollende den Satz.

    Er fühlt sich.

  3. Warum würde sich Annas Vater in diesem Fall so fühlen?

    Er fühlt sich so, weil

  4. Nenne die beiden Regeln, die Annas Vater einhalten möchte.

    Regel 1:

    Regel 2:

  5. Was passiert, wenn Annas Vater sich nicht an die Regeln hält?

    Wenn Annas Vater sich nicht an die Regel 1 hält, dann

    Wenn Annas Vater sich nicht an die Regel 2 hält, dann

  6. Welche Regel ist wichtiger Regel 1 oder Regel 2? Benutze dazu das Größer- (>) oder Kleinerzeichen (<).

    Regel 1    Regel 2

  7. Schreibe in die Sprechblase, was Marlene zu dem Detektiv sagen sollte.

    Sprechblase
  8. Warum gibst du Annas Vater genau diesen Ratschlag? Begründe deine Entscheidung.

Arbeitsanregungen:

Stelle die möglichen Argumente von Annas Vater da.

A) Tatsache der Begründung: Anna ist nicht krank.

Moralische Regel der Begründung:

Moralische Entscheidung: Annas Vater soll Anna keine Entschuldigung schreiben.

B) Tatsache der Begründung: Anna wird im Sportunterricht von Jungs fies behandelt werden.

Moralische Regel der Begründung: Niemand soll im Sportunterricht fies behandelt werden.

Moralische Entscheidung: