Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Doppelstunde 6: UFB-Items 1.1, 1.2 und 1.3

Unterrichtsinhalte im Überblick:

Die Schülerinnen und Schüler identifizieren die Goldene Regel als Metaregel, d.h. als Regel zweiter Ordnung zur Begründung von Regeln erster Ordnung. Sie lernen die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Formulierung der Goldenen Regel und identifizieren anhand von Beispielen die beiden unterschiedlichen Formulierungen. Außerdem wenden die Schülerinnen und Schüler die Goldene Regel zur Begründung von ethischen Normen und zur Bearbeitung des ethischen Falls aus der Doppelstunde 4 an.

Berücksichtigung der Basisdimension „Kognitive Aktivierung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen (1.2.):

Die Lehrkraft sammelt unterschiedliche Schülerbeiträge und hält sich selbst zurück.

Im Einstieg (M6.1) formulieren die Schülerinnen und Schüler Begründungen für ethische Regeln und entwickeln Vorschläge für eine Regel der Begründung. Ausgehend von Vorschlägen der Schülerinnen und Schüler, in denen die oftmals aus dem Kindergarten bekannte Goldene Regel einer negativen Fassung genannt wird, erfolgt eine Sicherung der Funktion dieser Regel unter Berücksichtigung ihrer logischen Struktur.

Verständnisorientierung (1.1):

In der Stunde wird deutlich, was die Schülerinnen und Schüler am Ende einer Einheit können, verstanden oder kritisch reflektiert haben sollen.

Die Lehrkraft fokussiert ihren Unterricht auf die zentralen zu erwerbenden Inhalte.

Der Bezug zu den zentralen Inhalten wird im Verlauf der Stunde immer wieder hergestellt.

Die Unterrichtsinhalte werden mit Blick auf das Unterrichtsziel zusammengefasst.

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3):

Die Lehrkraft konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit widersprüchlichen Sachverhalten.

Die Materialien (M6.2) dienen den Schülerinnen und Schülern dazu, die Omnipräsenz der Goldenen Regel in den Weltreligionen zu erkennen sowie zwischen negativen und positiven Fassungen zu unterscheiden. Formulierung 5 der Goldenen Regel fordert von ihnen zwischen der Semantik und Syntax der Regel zu unterscheiden.

Die Schülerinnen und Schüler lernen die Goldene Regel auf einzelne Regeln und ethische Dilemmata anzuwenden. Damit wird ihnen verdeutlicht, dass noch eine zweite Begründungsebene existiert, was auf das Toulmin-Schema vorausverweist.

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3):

Unterschiedliche Meinungen, Lösungen oder Fälle werden einander kontrastierend gegengestellt.

Die anspruchsvolle Problematisierung dient dazu, dass die Schülerinnen und Schüler über die Grenzen der Anwendung der Goldenen Regel auf ethische Dilemmata und Fallbeispiele reflektieren.

Materialien:

M.6.1: Goldene Regel

Regel → Begründung

Du sollst nicht lügen. → Du willst auch nicht belogen werden.

Du sollst in Notsituationen helfen. → Du willst auch, .

Du sollst nicht provozieren. → .

Frage:

Wie lautet die Regel der Begründungen?

Arbeitsanregungen:

  1. Vollende die Begründungen.
  2. Finde die Regel der Begründungen. Notiert diese besondere Regel.

Ergebnissicherung

Universelle Goldene Regel:

„Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“ (Sprichwort)

Konkrete Regeln: zum Beispiel: „Man soll nicht andere Menschen ärgern.“

Die Goldene Regel ist eine besondere Regel. Sie gibt keine konkreten Anweisungen zum Handeln, wie die Regel „Man soll nicht lügen.“, sondern dient zur Überprüfung und Begründung konkreter Regeln. So kann man mit der Goldenen Regel begründen, warum man nicht lügen soll, nämlich weil man selbst nicht belogen werden möchte. Die Goldene Regel ist ganz allgemein formuliert, sie soll überall und jederzeit auf der Welt gelten (universell).

Deshalb wird sie von manchen Menschen als eine Super-Regel der Ethik angesehen oder zumindest als ethischer Grundsatz. Dieser kann dazu dienen, ein moralisches Dilemma zu lösen. Die Goldene Regel ist eine ethische Entscheidungshilfe. Will man sie anwenden, hat man sich in den Anderen hineinzuversetzen, seine eigene Handlung mit den Augen des Anderen zu sehen.

M.6.2: Formulierungen der Goldenen Regel

Die vorliegende Regel zur Begründung von Regeln wird seit Anfang des 17. Jahrhundert „Goldene Regel“ genannt. In der Geschichte ist sie im 7. Jahrhundert v. Christus in Überlieferungen nachweisbar. Seit dieser Zeit findet man sie in den Schriften fast aller Religionen und Kulturen - mit kleinen Unterschieden. Der Hauptunterschied zwischen den einzelnen Ausformulierungen der Goldenen Regel besteht darin, ob sie etwas auffordert nicht zu tun, also verbietet (negative Formulierung), oder sie auffordert etwas zu tun, also gebietet (positive Formulierung).

negative Formulierung

„Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem andern zu.“ 

positive Formulierung

„Behandelt andere Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“

Formulierung 1

„Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.“ (Jesus. In: Bibel, Lukas 6,31)

Formulierung 2

„Was dir verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora, alles andere ist Auslegung. Geh, lerne!“ (Hillel. In: Talmud 31a)

Formulierung 3

„Wünsche den Menschen, was du dir selbst wünschst, so wirst du ein Muslim.“ (Hadithe von Mohammed)

Formulierung 4

„Der Wissende möge alle Wesen behandeln wie sich selbst.“ (Mahabharata, 12, 268, 10 de.wikipedia.org)

Formulierung 5

„Was für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, das ist auch für den anderen eine unliebe und unangenehme Sache. Was da für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, wie könnte ich das einem anderen aufladen?“ (Buddha. In: Samyutta Nikaya)

Formulierung 6

„Was du willst, dass andre dir nicht tun, tue ihnen auch nicht; was jene dir tun sollen, tue du auch ihnen.“ (Johann Gottfried Herder, Ideen zur Geschichte der Menschheit, 1784)

Formulierung 7

„Wir müssen andere behandeln, wie wir von anderen behandelt werden wollen.“ (Hans Küng, Erklärung zum Weltethos, 1993)

Quelle: Formulierungen der Goldenen Regel, zit. n. Art. Goldene Regel, de.wikipedia.org, 10.1.2025

Arbeitsanregungen:

  1. Welche der Formulierungen sind positive Fassungen, welche negative Fassungen der Goldenen Regel. Schreibt dazu ein „-“ für negative Fassung oder ein „+“ für positive Fassung hinter die Formulierung der Regel. Markiert die entscheidenden Wörter für eure Zuordnung.

  2. Prüft, ob sich folgende Regeln für ein gutes Zusammenleben mithilfe der Goldenen Regel begründen lassen:

    Regel A: „Man darf nicht stehlen.“

    Regel B: „Du sollst Streit vermeiden.“

  3. Diskutiert, ob die Regeln A und B universell gelten können.

Arbeitsanregungen:

  1. Prüft, ob sich das ethische Dilemma („Soll Marlene ihre Freundin verraten?“ aus Doppelstunde 4 mithilfe der Goldenen Regel lösen lässt. Notiert dazu, wie sich Marlene entscheiden soll und begründet eure Entscheidung.

  2. Überlegt euch ein (ethisches Dilemma).

    1. Schreibt diese auf.

    2. Nennt die beiden sich widersprechenden Regeln.

    3. Prüft, ob sich dieses ethische Dilemma mit Hilfe der Goldenen Regel lösen lässt. Notiert dazu, wie sich die Person entscheiden soll und begründet eure Entscheidung.

  3. Kann man die Goldene Regel eigentlich immer anwenden? Findet ein ethisches Dilemma, wo diese nicht herangezogen werden kann. Notiert dieses Dilemma und begründet, warum hier die Goldene Regel nicht funktioniert.

Hinweis: Überlegt euch, ob Menschen immer das gleiche wünschen oder empfinden.