Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Doppelstunde 7: UFB-Items 1.1, 1.2 und 1.3

Unterrichtsinhalte im Überblick

Die Schülerinnen und Schüler wenden das Format der ethischen Fallanalyse auf einen komplexeren Fall an. Dabei können sie im Unterschied zum ersten Fall aus Doppelstunde 4 auf die Goldene Regel und auf Wissen zum guten Argumentieren zurückgreifen. Außerdem entwickeln sie zum Abschluss der Unterrichtseinheit Regeln für gutes Argumentieren. Diese Doppelstunde dient zugleich als Überleitung zur nächsten Unterrichtseinheit „Wahrhaftigkeit und Lüge“.

Berücksichtigung der Basisdimension „Kognitive Aktivierung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3):

Die Lehrkraft konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit widersprüchlichen Sachverhalten.

Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen (1.2.):

Die Lehrkraft befragt die Schülerinnen und Schüler nach ihren Ideen und Vorstellungen zu einem Thema.

Die Lehrkraft sammelt unterschiedliche Schülerbeiträge und hält sich dabei zurück.

Als Einstieg dient ein ethisches Dilemma zum Thema Lügen (M7.1), in dem es um einen Wertekonflikt zwischen Wahrheit und Verletzlichkeit geht. Die Schülerinnen und Schüler artikulieren zunächst mündlich ihr moralisches Vorverständnis, das von Lehrkraft aufgenommen wird.

Verständnisorientierung (1.1):

In der Stunde wird deutlich, was die Schülerinnen und Schüler am Ende einer Einheit können, verstanden oder kritisch reflektiert haben sollen.

Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen (1.2.):

Die Lernenden werden aufgefordert, ihre Antworten zu begründen.

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3):

Die von der Lehrkraft gestellten Fragen und Aufgaben nicht nur mit Ja und Nein beantwortet werden.

Die von der Lehrkraft gestellten Fragen und Aufgaben gehen über die reine Reproduktion von auswendig gelernten Wissen oder der Anwendung von Prozeduren hinaus.

Unterschiedliche Meinungen, Lösungen oder Fälle werden einander kontrastierend gegengestellt.

Die Schülerinnen und Schüler werden zu Selbsterklärungen angehalten.

Die ethische Fallanalyse ist eine in der Unterrichtspraxis etablierte und in der Philosophiedidaktik anerkannte fachspezifische Unterrichtsmethode zur Förderung des ethischen Argumentierens und der ethischen Urteilsbildung. Die drei Schritte der Fallanalyse lassen sich folgenden Teilaufgaben zuordnen:

1.) Sachanalyse: Teilaufgaben 1-5

2.) Wertanalyse: Teilaufgaben 6-9

3.) Urteilsfindung: Teilaufgaben 10-12.

Die Fallanalyse 2 (M7.1) unterscheidet sich von der Fallanalyse 1 durch ihre größere Komplexität aufgrund des größeren Personentableaus. Außerdem stehen den Schülerinnen und Schülern im Unterschied die Goldene Regel und Kenntnisse über Argumentieren zur Verfügung.

Herausfordernde Aufgaben und Fragen (1.3):

Die Schülerinnen und Schüler werden aufgefordert, eigene Lösungsideen zu entwickeln.

Die Schülerinnen und Schüler werden zu Selbsterklärungen angehalten.

Die Problematisierungsphase dient dazu, in der Unterrichtseinheit erworbenes Wissen und Fähigkeiten zur Formulierung von Argumentationsregeln anzuwenden.

Materialien

M7.1: Ethische Fallanalyse 2

Soll man immer sagen, was man denkt?

„Alans Vater war Erfinder. Er erfand nützliche und unnütze Dinge. Seine Freunde und Bekannten nannten ihn Max Düsentrieb. Manchmal brachte er Dinge mit nach Hause, an denen er arbeitete, und es kam vor, dass er sie einfach irgendwo liegen ließ.

An diesem Morgen hatte Alan ein merkwürdiges Gefühl im Bauch. Es kam ihm vor, als sei er frecher und mutiger als sonst. Ob dies wohl an dem Stück blauer Schokolade lag, das er gestern Abend im Wohnzimmer entdeckt und gegessen hatte, weil es so gut roch?

Seine Schwester hatte mal wieder endlos lange im Bad gebraucht, um sich zurechtzumachen. Beim Frühstück sagte Alan zu ihr: „Du siehst mit deinen Haaren ätzend aus. Frag mal den Bauern Meier, ob er dich als Vogelscheuche aufstellt.“ Jennifer war entsetzt. So etwas hatte Alan noch nie zu ihr gesagt.

Und seiner Mutter flüsterte er zu: „Ich finde es übrigens klasse, dass du dich um unser Frühstück kümmerst. Das machen andere Mütter nicht.“ Seine Mutter bedankte sich, schaute ihn aber mit einem fragenden Blick an. Alan wunderte sich über sich selbst. Wieso hatte er gesagt, was er eigentlich nur gedacht hatte? […]

Auf dem Weg in die Klasse stieß Alan fast mit Katharina zusammen. Er mochte sie, sprach aber nie mit ihr. Er fürchtete immer, etwas Falsches von sich zu geben. Jetzt sagte er zu ihr: „Du, Katharina, ich finde dich viel netter als all die anderen Mädchen.“ Er spürte, wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Auch Katharina wurde rot. Sie schaute ihn freundlich an und sagte nur: „Danke!“ Als sie in die Klasse ging, lächelte sie. […]

Als Alan nach Hause kam, fragte seine Mutter: „Wie war`s in der Schule?“ Alan wollte wie üblich „Gut“ antworten, aber er hörte sich sagen: „Es war schrecklich, einfach schrecklich.“ Und er erzählte, was ihm alles passiert war. Er hatte zu Hannes gesagt, er bewundere ihn wegen seiner tollen Ideen. Das war ihm peinlich gewesen. Und zu der Clique um Gerald hatte er gesagt, sie seien doch alle fürchterliche Angeber und nur zusammen stark. Da hatten sie nur höhnisch gelacht und ihn hin und her geschubst und geknufft. Alan erzählte alles, und er sagte auch, es sei ihm eigentlich peinlich, das alles zu erzählen. Seine Mutter konnte immer nur nicken oder den Kopf schütteln, weil sie nicht zu Wort kam.

Während des Abendessens fragte Alans Vater: „Hat jemand meine blaue Schokolade gegessen? Ich habe nachgedacht. …“

Quelle: Engels, Helmut (2010): Blaue Schokolade. Hannover: Siebert, S. 45f., Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Helmut Engels)

Arbeitsanregungen:

  1. Wer hat die blaue Schokolade gegessen?

  2. Mit wem spricht Alan? Nenne die Personen.

  3. Wie könnte sich Alan am Morgen fühlen, nachdem er die blaue Schokolade gegessen hat? Vollende den Satz.

    Alan fühlt sich… .

  4. Wie könnten sich die anderen Personen fühlen, nachdem Alan mit ihnen gesprochen hat?

  5. Ist es für Alan gut, dass er die Schokolade gegessen hat? Kreuze an.

    ▢ Ja   ▢ Nein   ▢ Ja und Nein

  6. Suche dir eine Person heraus, die es gut findet, dass Alan so mit ihr gesprochen hat. Schreibe in die Sprechblase, was sie zu Alan sagen könnte.

    Sprechblase
  7. Suche dir eine Person heraus, die es schlecht findet, dass Alan so mit ihr gesprochen hat. Schreibe in die Sprechblase, was sie zu Alan sagen könnte. Sprechblase
  8. Nenne die beiden Regeln, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen.

    Regel 1:

    Regel 2:

  9. Was passiert, wenn Alan sich nicht an die Regeln hält?

    Wenn Alan sich nicht an die Regel 1 hält,

    dann

    Wenn Alan sich nicht an die Regel 2 hält,

    dann

  10. Welche Regel ist wichtiger Regel 1 oder Regel 2? Benutze dazu das Größer- (>) oder Kleinerzeichen (<).

    Regel 1

    Regel 2

  11. Alans Vater überlegt, ob er seine Erfindung „blaue Schokolade“ allen Menschen zugänglich machen sollen. Was rätst du ihm? Kreuze an.

    • Ja
    • Nein
  12. Warum gibst du ihm genau diesen Ratschlag? Begründe deine Entscheidung.

Arbeitsanregungen:

  1. Notiert drei moralische Regeln, die bei den von euch bearbeiteten ethischen Dilemmata eine Rolle spielen.
  2. Welche Regeln der drei Regeln sollen eher eingehalten werden? Erstellt eure Top 3 der wichtigsten moralischen Regeln.
  3. Kann man sagen, dass man eine bestimmte Regel immer einhalten soll? Oder hängt dieses von dem ethischen Dilemma ab? Diskutiert darüber.

Ergebnissicherung

Folgende Fragen können hilfreich, um zu beantworten, um eine Regel einer anderen Regel vorzuziehen ist:

  1. Ist die Regel nur für eine Person von Vorteil oder für möglichst viele Personen?
  2. Welche Folgen hat das Einhalten der Regel kurzfristig und langfristig?
  3. Wird durch das Einhalten der Regel eine andere Person verletzt?