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Doppelstunde 1: UFB-Items 2.2, 2.3 und 2.4

Unterrichtsinhalte im Überblick:

Die Schülerinnen und Schüler führen im Unterrichtsgespräch ein Gedankenexperiment nach Robert Spaemann (M1.1) durch. Ausgehend von ihren persönlichen Entscheidungen im vorgegebenen Szenario explizieren sie in Form kurzer Statements („Glück bedeutet für mich …) ihre Vorverständnisse zum Begriff des Glücks auf DIN A4-Blättern und veröffentlichen diese im Unterrichtsraum, in dem sie über die Unterrichtsreihe hinweg präsent bleiben. Daraufhin werden zwei terminologische Unterscheidungen (M1.2) erarbeitet. Die zuvor formulierten individuellen Glücksverständnisse werden auf dieser Grundlage philosophisch reflektiert und Beurteilungen unterzogen. Umgekehrt wird mit ihrer Hilfe aber auch die Tragweite der erarbeiteten philosophischen Begriffsbestimmungen überprüft.

Berücksichtigung der Basisdimension „Konstruktive Unterstützung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Wertschätzung und Respekt (2.3): Die Lehrkraft zeigt Interesse für die Perspektiven und Meinungen der Schülerinnen und Schüler.

Das Gedankenexperiment eröffnet Äußerungen persönlicher Vorstellungen bzgl. einer glücksorientierten Lebensgestaltung. Im weiteren Stundenverlauf werden diese Vorverständnisse konstruktiv aufgegriffen und gewürdigt.

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft ermöglicht durch individualisierte Arbeitsphasen eine Differenzierung des Anspruchsniveaus.

Die beiden Begriffspaare (inneres Glück vs. äußeres Glück; Hedonismus vs. Eudämonismus) weisen unterschiedliche Abstraktionsgrade auf. Entsprechend bietet sich ihre Erarbeitung in einer arbeitsteiligen Partner- oder Gruppenarbeit an. Das erste Begriffspaar ist aus der konkreten lebensweltlichen Anschauung heraus leichter zu erschließen. Die Aufgabenstellung ist in ihrem Dreischritt zusätzlich auch induktiv angelegt, die Aufgabenstellung zu Hedonismus und Eudämonismus hingegen deduktiv.

Klassenklima (2.4): Die Schülerinnen und Schüler helfen und unterstützen sich gegenseitig.

Die Schülerinnen und Schüler erklären sich ihre jeweils erarbeiteten Begriffspaare in einer Partnerarbeitssequenz.

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft bietet Hilfen bei sprachlichen Barrieren an.

Die in dieser Stunde erarbeiteten, elementaren begrifflichen Dichotomien bilden eine gemeinsame Verständnisgrundlage für alle weiteren Inhalte der Unterrichtsreihe.

Materialien

M1.1: Gedankenexperiment

Ein verlockendes Angebot?

Der deutsche Philosoph Robert Spaemann und der US-Amerikanische Philosoph Robert Nozick haben zur Diskussion der Frage, was unter Glück verstanden werden kann, zwei sehr ähnliche Gedankenexperimente vorgeschlagen. In beiden Fällen sollen wir uns vorstellen, dass wir uns in einem Labor befinden. In ihm haben Wissenschaftler eine technisch fortgeschrittene Maschine entwickelt, an die sie die Gehirne von Menschen anschließen können. Die Maschine spielt diesen Menschen dann eine Erlebniswelt vor, in der alle Wünsche in Erfüllung gehen, so dass sich ein dauerhafter Zustand äußerster Befriedigung einstellt. Die Menschen können diese perfekte Traumwelt nicht von der Realität unterscheiden. – Nun sollen wir uns fragen: Würden wir uns an diese Maschine auch selbst anschließen lassen?

Quellen: Robert Spaemann, Moralische Grundbegriffe. München: Beck 2015, S.30ff. Robert Nozick: Anarchy, State and Utopia (1974). Paraphrasiert und illustriert auf: welt.de. Zugriff: 28.02.2025.

Arbeitsanregungen:

  1. Geben Sie in eigenen Worten wieder, vor welche Entscheidung uns das Gedankenexperiment stellt.
  2. Nehmen Sie begründet Stellung für eine der beiden Handlungsoptionen: Wie würden Sie sich persönlich entscheiden?
  3. Diskutieren Sie, ob Sie im Leben glücklicher oder weniger glücklich sein würden, wenn Sie der Einladung des Wissenschaftlers im Experiment folgen würden.

M1.2: Grundbegriffe

Äußeres und inneres Glück

Manche Menschen verstehen unter Glück eher etwas Äußerliches, andere hingegen ein inneres Erleben. Sprachlich lassen sich diese beiden Bedeutungen unterscheiden, indem wir im ersten Fall davon sprechen, Glück zu haben, und im zweiten davon, glücklich zu sein. Der deutsche Philosoph Malte Hossenfelder verdeutlichte den Unterschied einmal mit der Geschichte eines Mannes, der im Leben scheinbar alles erreicht hatte. Dieser Mann erfreute sich bester Gesundheit, war beruflich erfolgreich und hatte es so zu großem Wohlstand und gesellschaftlicher Anerkennung gebracht. Er lebte in einer guten, liebevollen Partnerschaft und hatte höfliche, kluge Kinder. Dieser Mann wurde, so Hossenfelder, überall für glücklich gehalten. Er selbst behauptete aber, dass er zu Tode betrübt und unglücklich sei. Er ließ sich von diesem Gefühl auch nicht abbringen, wenn man ihm alle Vorzüge seines Lebens aufzählte und sagte, dass man gern mit ihm tauschen würde.

Text: Volker Haase. Vgl. Malte Hossenfelder, Die Rolle des Glücksbegriffs in der Moralphilosophie. Das Vorbild der Antike. In: Joachim Schummer (Hg.): Glück und Ethik. Würzburg: Königshausen & Neumann 1998, S. 172.

Arbeitsanregungen:

  1. Benennen Sie ausgehend vom Text Dinge, die Menschen erstreben, um glücklich zu sein. Erklären Sie, warum man beim Besitz dieser Dinge von äußerem Glück sprechen kann.
  2. Definieren Sie den Begriff des inneren Glücks. Bestimmen Sie Voraussetzungen für das Erreichen dieser Art von Glück.
  3. Stellen Sie die Ergebnisse Ihrer bisherigen Überlegungen tabellarisch zusammen:

Äußeres Glück

Inneres Glück

Definition

Beispiele/Voraussetzungen

Prominente Vertreter

Hedonismus und Eudämonismus

Schon in der antiken Philosophie wurde diskutiert, was wir Menschen unter Glück verstehen sollten und wie wir zu ihm gelangen können. Die beiden prominentesten Antworten lassen sich zwei philosophischen Richtungen zuordnen.

Vertreter des Hedonismus leiten ihre Selbstbezeichnung vom griechischen Wort hedone ab, das sich mit Lust übersetzen lässt. Entsprechend behaupten sie, dass wir umso glücklicher sind, je besser es uns gelingt, Lustempfindungen zu maximieren bzw. Unlust und Schmerz zu vermeiden. Hedonisten wie der Philosoph Epikur bestehen darauf, dass es richtig ist, diesen naturgegebenen Impulsen zu folgen. Dem Verstand kommt dabei die Aufgabe zu, sich gegen die Ursachen möglichen Leids abzusichern und die Befriedigung der Lust klug und vorausschauend zu planen. Dabei ist es z.B. denkbar, in bestimmten Situationen Unlust in Form von Anstrengungen auf sich zu nehmen, um am Ende umso mehr Lust zu empfinden. In der modernen Philosophie bauen manche Varianten des so genannten Utilitarismus auf diesen Überlegungen auf. Moralisch gerechtfertigt ist eine bestimmte Handlung ihm zufolge immer dann, wenn sie zur Luststeigerung oder Leidvermeidung der Mehrzahl der Betroffenen beiträgt.

Hiervon unterscheidet sich der Ansatz des Eudämonismus. Die Bezeichnung geht ebenfalls auf das Altgriechische zurück, in dem eudaimonia für das Wohlergehen und den entsprechenden Gemütszustand steht. Eudämonisten setzen das Glück mit einem obersten Ziel gleich, das wir im Leben durch unser Handeln erreichen können. Dieses oberste Ziel wird innerhalb der eudämonistischen Philosophie allerdings durchaus unterschiedlich bestimmt. Aristoteles als einer ihrer prominentesten Vertreter sieht es z.B. dann als erreicht an, wenn es uns gelingt, tugendhaft zu leben und unser persönliches, mit unseren geistigen Fähigkeiten zusammenhängendes Talent zu entfalten. Er grenzt sich dabei deutlich von den Hedonisten ab, indem er betont, dass eine Lebensform, die allein auf ein Management der Lüste abzielt, unter den naturgegebenen Selbstentfaltungsmöglichkeiten von uns Menschen bleibt.

Quelle: Text: Volker Haase.

Arbeitsanregungen:

  1. Stellen Sie die Charakteristika der hedonistischen und eudämonistischen Philosophie tabellarisch gegenüber:

    Hedonismus

    Eudämonismus

    Definition von Glück

    Wege zum Glück

    moralisch gutes Glücksstreben

  2. Verdeutlichen Sie die im Text eröffneten philosophischen Perspektiven am Beispiel ihrer eigenen Person im Schulalltag: Wie können Sie Ihr Glück im Verlauf der kommenden Wochen aus hedonistischer Sicht steigern – und wonach würden Sie als Eudämonist streben?