Doppelstunde 2: UFB-Items 2.1 und 2.2
Unterrichtsinhalte im Überblick:
Als exemplarischer Fall einer hedonistischen Glückslehre wird, ausgehend von einer vorläufigen Auseinandersetzung mit ausgewählten Kernaussagen in Form griffiger Zitate (M2.1) nach der Vier-Ecken-Methode, die Position Epikurs in Kernaussagen anhand einer prominenten Textstelle aus dem Brief an Menoikeus (M2.2) erarbeitet. Eine erste Textbegegnung erfolgt in Einzelarbeit. Es schließt sich eine Gruppenarbeit an, in der den einzelnen Gruppen drei verschiedene Abschnitte des Text zur genaueren Erarbeitung zugewiesen werden. Auf dieser Grundlage entsteht in einem Unterrichtsgespräch eine gemeinsame schriftliche Ergebnissicherung in Form von Kernaussagen in eigenen Worten (Erwartungshorizont: M2.3). Epikurs Auffassung wird daraufhin auf einer Positionslinie bzgl. ihrer inhaltlichen Plausibilität und ihrer Aktualität als lebenskunstphilosophisches Orientierungsangebot für Subjekte in der Gegenwartsgesellschaft beurteilt.
Berücksichtigung der Basisdimension „Konstruktive Unterstützung“:
| UFB-Items und Positivindikatoren |
Fachspezifische Exemplifizierung |
|---|---|
Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Unterstützende Maßnahmen und Hilfestellungen der Lehrkraft sind individuell an den Lernstand der Schülerinnen und Schüler angepasst. |
Die Aufgaben 1 und 2 zu M2.1 ermöglichen persönliche Zugänge i.S. individueller Erwartungshaltungen an den Text. Aufgabe 3 führt die Lerngruppe zu einem gemeinsamen, den weiteren hermeneutischen Prozess fördernden Vorverständnis des Textes – ausgehend von den jeweils selbst gewählten Zitaten unterschiedlichen inhaltlichen Komplexitätsgrades. |
Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft ermöglicht durch individualisierte Arbeitsphasen eine Differenzierung des Anspruchsniveaus. |
Die Einteilung der Gruppen erfolgt leistungsdifferenziert: Die Abschnitte weisen in ihrer Reihenfolge einen aufsteigenden Schwierigkeitsgrad – bedingt durch ihre jeweilige Länge, ihren Voraussetzungsreichtum und ihre grammatikalische Komplexität – auf. |
Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft nimmt sich bei Verständnisproblemen gezielt Zeit für einzelne Schülerinnen und Schüler. |
Aufgabe 1 zu M2.2 fördert eine bewusste Suche nach klärungsbedürftigen Passagen für eine Erläuterung durch die Lehrkraft. |
Qualität des Feedbacks (2.1): Die Lehrkraft nutzt Fehler, um auf unzutreffendes Verständnis der Schülerinnen und Schüler einzugehen. |
Die schriftliche Sicherung der Ergebnisse der Gruppenarbeitsphase im Unterrichtsgespräch ermöglicht ein effizientes Eingehen auf punktuelle Fehlverständnisse. Für ein angemessenes globales Textverständnis ist besonders ein Aspekt wichtig: Der Hedonismus ist in der alltagssprachlichen Bedeutung (i.S. einer egoistischen, oft impulsiven und gegenüber problematischen Folgen blinden Konsum- und Genussorientierung) nicht mit dem gleichnamigen philosophischen Konzept identisch. Ggf. bietet es sich für noch mehr Klarheit an, die Unterscheidung zwischen negativem und positivem Hedonismus mit ihrem charakteristischen Primat der kalkulierten Leidvermeidung einerseits bzw. Luststeigerung andererseits einzuführen. |
Materialien
M2.1: Zitate
- „Darum nennen wir auch die Lust Anfang und Ende des seligen Lebens.“
- „Es kommt vor, dass wir über viele Lustempfindungen hinweggehen, wenn sich für uns aus ihnen ein Übermaß an Lästigem ergibt.
- „Wir halten auch die Selbstgenügsamkeit für ein großes Gut, […] in der echten Überzeugung, dass jene den Überfluss am süßesten genießen, die seiner am wenigsten bedürfen.“
- „Jede Lust also, da sie eine uns angemessene Natur hat, ist ein Gut, aber nicht jede ist zu wählen.“
Aus: Epikur. Brief an Menoikeus. Nach einer Übersetzung von Olof Gigon. Wien: Fünfhauserpresse 1997. Textstellen online auf: philosophie.uni-wuppertal.de. Zugriff: 16.01.2025.
Arbeitsanregungen:
- Wählen Sie das Zitat aus, das Sie besonders überzeugt oder besonders zu Widerspruch provoziert. Tauschen Sie sich zu diesem Zitat in Kleingruppen aus – versuchen Sie, ein gemeinsames inhaltliches Verständnis zu entwickeln.
- Ordnen Sie Ihr Zitat den in der vergangenen Stunde kennen gelernten begrifflichen Unterscheidungen zu: Geht es um äußere oder innere Lust? Vertritt es einen hedonistischen oder um einen eudämonistischen Standpunkt?
- Stellen Sie die Ergebnisse Ihrer Gruppen im Plenum vor. Formulieren Sie auf dieser Basis inhaltliche Zusammenhänge und ggf. auch Widersprüche zwischen den einzelnen Zitaten.
M2.2: Textauszug
Epikur über einen glückselig machenden Umgang mit Lust
Quelle: Epikur, Brief an Menoikeus. Nach einer Übersetzung von Olof Gigon. Wien: Fünfhauserpresse 1997. Textstellen online auf: philosophie.uni-wuppertal.de. Zugriff: 16.01.2025. Textauszug von „Darum nennen wir …“ bis „Wechselfällen des Zufalls“. Absätze nach: „… jedes Gut beurteilen“ und „… wie mit einem Gute“.
Arbeitsanregungen:
- Lesen Sie den Text in Einzelarbeit. Markieren Sie sparsam das für Ihr Verständnis Wesentliche mit einer Farbe und Formulierungen, die Ihnen unklar bleiben, mit einer weiteren Farbe.
- Besprechen Sie Ihre Ergebnisse in einer Gruppenarbeit. Beginnen Sie mit den unklar gebliebenen Formulierungen. Ziehen Sie die Lehrkraft bei Passagen hinzu, die Sie in der Gruppe nicht befriedigend erklären können.
- Fassen Sie die zentralen Inhalte (Gruppe A: Abschnitt 1, Gruppe B: Abschnitt 2, Gruppe C: Abschnitt 3): jeweils in maximal drei kurzen Sätzen zusammen.
M2.3: Erwartungshorizont für das Tafelbild
Epikur über einen glückselig machenden Umgang mit Lust
Abschnitt 1:
Glück bedeutet, Lust zu empfinden.
Der Mensch strebt von Natur aus nach Lust.
Gut ist im Leben, was Lust bereitet.
Abschnitt 2:
Der Verzicht auf Lust und das Ertragen von Schmerz kann manchmal sinnvoll sein.
Beides kann dem Erreichen einer größeren Lust dienen.
Es kommt daher auf einen klugen, abwägenden Umgang mit den Lüsten an.
Abschnitt 3:
Glückselig wird nur, wer selbstgenügsam mit den Lüsten umgeht.
Das heißt, man soll sich mit wenigen und einfachen Dingen im Leben begnügen.
Das fördert die Gesundheit und ein Zurechtkommen in Situationen des Mangels.
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