Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

Doppelstunde 3: UFB-Item 2.2

Unterrichtsinhalte im Überblick:

Im Ausgang von persönlichen Auseinandersetzungen mit den Aussagen auf dem Cover eines Buches der Thanatologin Christine Pernlocher-Kügler formulieren die Schülerinnen und Schüler in der Hinführungsphase der Stunde die Problemfrage nach einem glückenden Umgang mit dem Faktum der menschlichen Sterblichkeit. Sie stellen auf der Grundlage der Erkenntnisse der vorangegangenen Doppelstunde Vermutungen dazu an, welche Position der Hedonist Epikur in diesem Zusammenhang vertritt. Diese wird in der nachfolgenden Informationsphase aus einem Textauszug (M3.1) herausgearbeitet und in einem Tafelbild (Erwartungshorizont: M3.2) gesichert. Als Transferaufgabe (M3.3) dient daraufhin die Umformung dieser Argumentation in eine formallogische Struktur (Erwartungshorizont: M3.4). Auf dieser Grundlage erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit Epikurs Argument und der grundlegenderen lebenskunstphilosophischen Frage nach dem Umgang mit dem Faktum der eigenen Sterblichkeit. In der Hausaufgabe arbeiten die Schülerinnen und Schüler Gütekriterien wissenschaftlicher Textwiedergaben aus einem Muster-Text heraus, der die im Unterricht gelesene Textstelle zusammenfasst (M3.5).

Berücksichtigung der Basisdimension „Konstruktive Unterstützung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Unterstützende Maßnahmen und Hilfestellungen der Lehrkraft sind individuell an den Lernstand der Schülerinnen und Schüler angepasst.

Für einige Schülerinnen und Schüler möglicherweise nicht selbsterklärende Formulierungen werden in Fußnoten erläutert.

Für die formallogische Rekonstruktion der Position Epikurs kann auf Nachfrage eine der Prämissen vorgegeben werden. Wer die Aufgabe schnell bewältigt hat, kann inhaltlich antithetische Syllogismen formulieren.

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft gibt den Schülerinnen und Schülern genug Zeit, um überlegt auf Fragen antworten zu können.

Die Einübung der Kriterien für Textwiedergaben erfolgt als Hausaufgabe, um eine Bearbeitung im jeweils eigenen Arbeitstempo zu ermöglichen.

Materialien:

M3.1: Textauszug

Epikur über den glückenden Umgang mit dem Tod

Quelle: Epikur. Brief an Menoikeus. Online auf: unterrichten.zum.de . Zugriff: 16.01.2025. Textstelle bis „… es ihm einträgt“.

Worterklärungen in Fußnoten:

  • Tor (Z. 10): unüberlegt handelnder Mensch.
  • Mühsal (Z. 18): kraftraubende, herausfordernde Aufgabe.
  • des Hades Tor (Z. 29): Eingang zum Reich der Toten in der griechischen Mythologie.

Arbeitsanregung:

  • Markieren Sie mit verschiedenen Farben (1) Merkmale des Lebens und (2) des Todes.

M3.2: Erwartungshorizont für das Tafelbild

Epikur über den glückenden Umgang mit dem Tod

Leben (=Empfinden) → Leben (=Empfinden) „Gutes“ (Glück) ↔ „Schlimmes“ (Leid)

Pfeil nach oben und nach unten

Tod (=Ende der Empfindung) ↔ „Nichts“(weder gut noch schlimm

M3.3: Transferaufgabe

Die Argumentationsform des Syllogismus

Der Syllogismus ist eine Form der Argumentation, bei der zwei oder mehr Aussagen (Prämissen) so miteinander verknüpft werden, dass eine weitere Aussage als Schlussfolgerung (Konklusion) aus ihnen logisch zwingend folgt. Man spricht dann auch von einem „gültigen Schluss“.

Beispiel:

Prämisse 1 (P1): Jeder Mensch ist sterblich.

Prämisse 2 (P2): Sokrates ist ein Mensch.

Konklusion (K): Also ist Sokrates sterblich.

Die Konklusion ergibt sich in diesem Fall logisch zwingend, weil mit der ersten Prämisse eine Aussage getroffen wird, die ausnahmslos für alle Menschen gilt, zu denen nach Prämisse 2 auch die Einzelperson des Sokrates zählt. Syllogismen können auch verneinende Aussagen enthalten, wie das folgende Beispiel zeigt:

P1: Menschen sind sterblich.

P2: Götter sind nicht sterblich.

K: Also sind Menschen keine Götter.

Nur weil sich eine Konklusion logisch zwingend aus anderen Aussagen ergibt, bedeutet das allerdings noch nicht, dass sie auch inhaltlich wahr ist. Dies ist nur dann der Fall, wenn auch die Prämissen wahr sind. Das lässt sich gut an einem Nonsense-Beispiel zeigen:

P1: Alle Katzen sind grün.

P2: Maxi ist eine Katze.

K: Also ist Maxi grün.

Arbeitsanregungen:

  1. Formulieren Sie zwei weitere Syllogismen, in denen ein logisch korrekter Schluss vorliegt, obwohl mindestens eine der Prämissen inhaltlich falsch ist.
  2. Formulieren Sie einen Syllogismus, der wesentliche Überlegungen Epikurs zum Umgang mit der menschlichen Sterblichkeit zusammenfasst.

M3.4: Erwartungshorizont zur Transferaufgabe

Verschiedene Lösungen sind denkbar – z.B.:

P1: Leiden sind Empfindungen.

P2: Tote haben keine Empfindungen.

K: Also haben Tote auch keine Leiden.

oder:

P1: Alles Schlimme ist ein Leiden.

P2: Im Tod gibt es kein Leiden.

K: Also gibt es im Tod nichts Schlimmes.

oder:

P1: Wir fürchten uns nur vor dem Leiden.

P2: Im Tod gibt es kein Leiden.

K: Also ist im Tod nichts zu fürchten.

M3.4: Hausaufgabe

Wissenschaftliche Textzusammenfassung zu: Epikur, „Ist der Tod ein Übel?“

In vorliegenden Abschnitt aus dem Brief an Menoikeus legt der Philosoph Epikur dar, warum der Mensch vor dem Tod keine Angst haben solle und wie er mit dieser Erkenntnis sein Leben intensiver nutzen könne. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist die Behauptung, dass der Tod das Ende aller positiven, aber auch negativen Empfindungen sei (Z. 1-3). Daraus schlussfolgert Epikur, dass der Tod selbst nichts Schlimmes und die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit unbegründet sei. Wer dies verstanden habe, fürchte sich nicht mehr vor dem Tod und auch sonst vor nichts im Leben (Z. 4-8). Epikur begründet diese Auffassung damit, dass etwas, das an sich nicht schlimm sei, auch in der Erwartung vorab nicht befürchtet werden müsse (Z. 8-12). Auf den Zeilen 13-16 fasst Epikur seine bisherigen Gedanken noch einmal knapp zusammen. Er unterscheidet diese schließlich von den Ansichten der größeren Menge der Menschen, die den Tod entweder fürchten oder ihn als Erlösung herbeisehnen würden. Er schlussfolgert daraus am Ende, dass der „Weise“ ohne solche Gedanken seine Lebenszeit intensiver nutzen könne, wobei er sie nicht quantitativ ausdehnen, sondern qualitativ möglichst gut ausnutzen wolle (Z. 17-23).

Arbeitsanregung:

  • Benennen Sie in Stichpunkten die besonderen Merkmale, die diese Darstellung nach Ihrer Auffassung als wissenschaftliche Textwiedergabe erkennbar machen. Gehen Sie dabei auf die inhaltliche Gliederung, auf die sprachliche Gestaltung sowie weitere Dinge ein, die Ihnen auffallen.