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Doppelstunde 5: UFB-Items 2.2 und 2.4

Unterrichtsinhalte im Überblick:

Die Schülerinnen und Schüler notieren in der Hinführungsphase individuell vier bis fünf verschiedene Ziele, deren Erreichung für sie persönlich maßgeblich für ein glückliches Leben ist, und bringen diese anschließend in Präferenzordnungen, beginnend mit dem wichtigsten Ziel. Drei Personen notieren ihre Ziele auf Metaplan-Karten, die im Unterrichtsraum veröffentlicht werden. Daraufhin werden mögliche Gründe für auffällige Übereinstimmungen und Unterschiede erörtert. Es schließt sich eine Diskussion der Relevanz solcher Zielhierarchien für eine glückliche Lebensgestaltung an. Im zweiten Stundenteil halten die Schülerinnen und Schüler eine für ihr eigenes Glücksverständnis relevante Erkenntnis in der Form des Fünfsatzes fest. Sie können sich dabei ggf. auch auf ihre in der ersten Stunde der Unterrichtsreihe formulierten Vorverständnisse beziehen. Im anschließenden Plenargespräch tragen verschiedene Schülerinnen und Schüler ihre Statements vor und nehmen Feedback entgegen. Gesprächsangebote in Form von Zustimmung oder Kritik in inhaltlicher wie auch formaler Hinsicht werden mit Hilfe von Ampelkarten signalisiert. Die Lehrkraft korrigiert dabei ggf. zusätzlich v.a. Fehlverständnisse im philosophischen Hintergrundwissen. In der Hausaufgabe wird die in der Stunde eröffnete eudämonistische Perspektive auf die Frage nach dem Glück wieder aufgegriffen und weitergeführt. Die Schülerinnen und Schüler sollen darin die Argumentation im Kapitel I.1 der Nikomachischen Ethik anhand von verschiedenen Teilaufgaben erschließen (M5.1). Dabei können sie je nach selbst eingeschätztem Leistungsniveau entweder die Aufgaben 1 bis 4 oder 3 bis 6 bearbeiten. Die Erstbegegnung mit dem philosophischen Originaltext in Form der Hausaufgabe rechtfertigt sich aus dem Ansinnen der Lehrkraft, die Ergebnisse einer genaueren Kompetenzdiagnose in Bezug auf die individuelle Lesekompetenz zu unterziehen. Die Aufgabenstellungen orientieren sich dabei an der Kompetenzniveaudifferenzierung nach Anita Rösch (Stufenzuordnung der Aufgaben zu Händen der Lehrkraft: M5.2). Die diagnostische Intention sollte der Lerngruppe vorab auch transparent gemacht werden.

Berücksichtigung der Basisdimension „Konstruktive Unterstützung“:

UFB-Items und Positivindikatoren

Fachspezifische Exemplifizierung

Klassenklima (2.4): Die Schülerinnen und Schüler hören einander zu und lassen sich gegenseitig ausreden, auch bei andauernden Antworten.

Die Darstellungen persönlicher Ziele dreier Schülerinnen und Schüler stehen exemplarisch für die Überlegungen aller anderen Mitglieder der Lerngruppe. Wenn diese den Präsentationen der Metaplan-Karten folgen, geschieht dies daher auch mit Spannung in Bezug auf die eigenen Überlegungen. Dieser Umstand fördert die Konzentration auf den Unterrichtsgegenstand und den wertschätzenden Umgang miteinander.

Klassenklima (2.4): Die Schülerinnen und Schüler stellen einander bei Fehlern nicht bloß.

Schülerinnen und Schüler, die ihre persönlichen Glücksverständnisse im Fünfsatz vortragen, dürfen anhand der aufgezeigten Ampelkarten selbst entscheiden, von welchen Mitgliedern ihrer Lerngruppe sie Feedback entgegennehmen. Das Aufzeigen der Ampelkarten selbst verhindert unüberlegte Spontanurteile zugunsten eines differenzierteren Abwägungsprozesses, in dem verschiedene, inhaltliche und formale Aspekte betrachtet und gewichtet werden müssen.

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft ermöglicht eine Differenzierung des Anspruchsniveaus.

In der Hausaufgabe versuchen sich die Schülerinnen und Schüler aufgrund einer Selbsteinschätzung an im Leistungsniveau möglichst passenden Aufgabenstellungen. Die von der Lehrkraft beurteilte Qualität der Erarbeitungen führt, zusammen mit weiteren auf die Textkompetenz bezogenen Individualeindrücken aus den vergangenen Stunden, zu niveaudifferenzierten Aufgaben im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe.

Material

M5.1: Textgrundlage

Quelle: Aristoteles, Nikomachische Ethik I.1 (1094a). Übersetzt von Eugen Rolfes. Online auf: textlog.de. Zugriff: 16.01.2025. Text von „Jede Kunst …“ bis „… Vermögen es gehört“.

Arbeitsanregungen:

  1. Erklären Sie in Stichpunkten die beiden Arten von Zielen, die Aristoteles im Text unterscheidet.
  2. Formulieren Sie in einem Satz das übergeordnete Thema, um das es Aristoteles in diesem Text geht.
  3. Geben Sie die Kernaussagen des Textes möglichst knapp und präzise wieder.
  4. Überprüfen Sie, inwiefern Sie die von Aristoteles getroffenen begrifflichen Unterscheidungen auf Ihr eigenes Leben anwenden können: Was sind für Sie selbst untergeordnete Ziele und architektonische Ziele? Was sind für Sie bestimmte, aufeinander aufbauende Güter und was das Gute bzw. das oberste Gut?
  5. Könnte man behaupten, dass Aristoteles in diesem Text selbst „Politik“ zugunsten einer bestimmten Bevölkerungsgruppe macht? Zitieren Sie für Ihre Auffassung ein bis zwei Textbelege und erläutern Sie diese.
  6. Sie wissen bereits, was Epikur unter einer zur Glückseligkeit führenden Lebensweise versteht. Begründen Sie mit einem gut gestützten Argument, z.B. in Form des Fünfsatzes, ob Sie diese Orientierung für sinnvoller oder für weniger sinnvoll halten als die des Aristoteles.

M5.2: Zuordnung der Aufgabenstellung zu den Niveaustufen nach Rösch

Aufgabe

Niveau

Indikhtoren: Die Schülerinnen und Schüler können …

1

A1

einfache Fragen zum Text beantworten.

2

A2

den Hauptgedanken eines Textes in eigenen Worten wiedergeben.

3

B1

den Inhalt eines Textes in eigenen Worten wiedergeben.

4

B2

anhand von eigenen Beispielen die Aussagen des Textes überprüfen.

5

C1

eine eigene Position entwickeln und begründen.

6

C2

selbstständig Problemlösungen erarbeiten.

Vgl. Rösch, Anita: Kompetenzorientierung im Philosophie- und Ethikunterricht. Münster: LIT 2009, S. 218.