Doppelstunde 7: UFB-Items 2.2 und 2.3
Unterrichtsinhalte im Überblick:
Die Stunde beginnt mit einem stummen Impuls auf einem Flipchart-Papier in Form der Frage: „Welchen Beruf möchtest Du später vielleicht ergreifen?“. Als Beispiel wird „Lehrkraft“ ergänzt. Auffordernd werden Filzstifte in der Lerngruppe verteilt. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich zu diesem Impuls verhalten, indem sie die Bezeichnung eines für sie selbst prinzipiell in Frage kommenden Berufes an der Tafel notieren. Auf freiwilliger Basis werden die notierten möglichen Berufswünsche individuell begründet. Ausgehend hiervon wird die Leitfrage, inwiefern das Lebensglück von der Berufswahl abhängt, formuliert. Die Lerngruppe erarbeitet in der sich anschließenden Informationsphase in leistungshomogenen Teilgruppen, deren Einteilung auf der Basis der Kompetenzmessung in der 5. Doppelstunde erfolgt, die Lehre der drei Lebensformen mit Hilfe niveaudifferenzierter Aufgabenstellungen und z.T. mit Zusatzinformationen (M7.1). Auf diese Weise können in der Sicherungssequenz, die sich auf einander ergänzende Kurzpräsentationen der Ausarbeitungen in den Gruppen – beginnend mit Niveau A – beläuft, auch tiefere Verständnisse der Lebensformen im Gesamtkontext der aristotelischen Glückslehre hergestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler ordnen anschließend in einer Transfer-Aufgabe ihre ursprünglich geäußerten Berufswünsche in die aristotelische Taxonomie ein. So wird erkennbar, dass in vielen Fällen nicht so sehr die Tätigkeit selbst, sondern vielmehr das leitende Motiv ausschlaggebend ist. Beispiele, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen, ermöglichen zudem den Übergang in die Diskussionsphase der Stunde, die bei genügend verbleibender Zeit z.B. als Amerikanische Debatte für 3-4 Teilnehmende auf jeder Seite gestaltet werden kann. Die Stunde endet unter den gewonnenen Eindrücken mit persönlichen Stellungnahmen zur Leitfrage.
Berücksichtigung der Basisdimension „Konstruktive Unterstützung“:
| UFB-Items und Positivindikatoren |
Fachspezifische Exemplifizierung |
|---|---|
Wertschätzung und Respekt (2.3): Die Lehrkraft geht in angemessenem Rahmen auf persönliche Berichte und Probleme von Schülerinnen und Schülern ein. |
Die Lehrkraft verdeutlicht, dass bei ihr keine feste Erwartung in Bezug auf bereits mehr oder weniger sicher ausgebildete Berufsorientierungen der Schülerinnen und Schüler bestehen. Sie bringt Verständnis für die Schwierigkeiten auf, die mit dieser Orientierungsaufgabe verbunden sind. |
Individuelle Unterstützung im Lernprozess (2.2): Die Lehrkraft ermöglicht eine Differenzierung des Anspruchsniveaus und der Inhalte. |
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten entweder nur die Grundlagen der drei Lebensformen oder ordnen sie darüber hinaus in den Kontext der Seelenlehre und des Ergon-Argumentes ein. |
Material:
M7.1: Textgrundlage
Die Lehre der drei Lebensformen
Aristoteles beschreibt in grober Einteilung drei Lebensformen, die Menschen anstreben können:
(1) Das Genusseben. Viele Menschen streben nach einem Leben voller Genuss und Vergnügen. Sie suchen nach unmittelbarer Befriedigung und finden ihr Glück in sinnlichen Freuden. Aristoteles hält diese Lebensform für minderwertig. Er behauptet allerdings auch, dass sie von den meisten Menschen bevorzugt werden würde und zudem insbesondere im wohlhabenden Teil der Bevölkerung ausgelebt werden würde.
(2) Das politische Leben. Edle und aktive Naturen entscheiden sich für ein Leben im Dienst des Staates und streben nach Ehre. Sie sehen die Ehre als Ziel ihres Lebens an, da sie Anerkennung und Bestätigung ihres eigenen Wertes suchen. Allerdings erkennt Aristoteles, dass Ehre etwas Äußerliches ist und nicht das höchste Ziel sein kann, da es von der Anerkennung anderer Personen abhängt.
(3) Das philosophische Leben. Die dritte und höchste Lebensform ist die Hingabe an die Philosophie. Aristoteles sieht die betrachtende Tätigkeit des Philosophen als die vornehmste und anhaltendste Form menschlicher Aktivität an. Diese Lebensform bietet die größte Unabhängigkeit für eine Person, da sie allein auf innerer Reflexion und Erkenntnis basiert.
Zusatztext für Gruppe B und C:
Die unterschiedliche Bewertung der Lebensformen begründet sich aus der Seelenlehre des Aristoteles. Für die menschliche Seele unterscheidet er drei Teile: Der vegetative Seelenteil ist für Wachstum, Ernährung und Fortpflanzung verantwortlich und findet sich auch in allen Pflanzen. Der animalische Seelenteil umfasst zusätzlich die Fähigkeiten der Wahrnehmung und Bewegung und ist auch in Tieren vorhanden. Über den rationalen Seelenteil verfügt hingegen nur der Mensch. Dieser Teil enthält die Fähigkeiten des Denkens und vernünftigen Urteilens. Wie gut wir diese Fähigkeiten individuell ausüben, ist für Aristoteles z.T. eine Frage der natürlichen Veranlagung. Die Seele bestimmt damit nach Aristoteles‘ Vorstellung über unser Können. Sie ist untrennbar mit dem Körper verbunden und verleiht ihm Leben und Zweck in der Welt.
ext: Generiert von Volker Haase unter Verwendung von FairChat auf der Grundlage der Nikomachischen Ethik I.13.
Arbeitsanregungen:
- Gruppe 1: Markieren Sie die wesentlichen Merkmale der drei Lebensformen sparsam im Text. Fassen Sie Ihre Erkenntnisse anschließend in einer Mindmap zusammen.
- Gruppe 2: Unterscheiden Sie die drei Lebensformen in einer Mindmap. Erklären Sie die von Aristoteles vorgenommenen Bewertungen der Lebensformen anhand seiner Seelenlehre.
- Gruppe 3: Unterscheiden Sie die drei Lebensformen in einer Mindmap. Recherchieren Sie, was unter dem Ergon-Argument in der aristotelischen Theorie zu verstehen ist. Erklären Sie auf dieser Grundlage, warum nach Aristoteles die meisten Menschen das Genussleben bevorzugen und warum nicht jeder Mensch sein Glück in der politischen oder philosophischen Lebensform finden kann.
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