Zu Item 1.1: Advanced Organizer „Nordseeküste“ - Klassen 5/6
Unterrichtsphase Einstieg
Bezug zu IbK 3.1.5.1.2 Analyse ausgewählter Räume in Deutschland und Europa
M1

Quelle: S. Kirsch, Bilder kreiert mit DALL·E
Didaktische Hinweise
Ein Advanced Organizer kann verwendet werden, um das Wissen und die Lernziele einer Unterrichtseinheit oder -stunde klar und verständlich darzustellen. Diese Methode unterstützt die Lernenden dabei, neue Informationen sinnvoll einzuordnen, indem der Advanced Organizer eine Verbindung zwischen vorhandenem Wissen und neuen Inhalten herstellt und die Lernziele sowie Inhalte klar vermittelt. Den Lernenden wird dadurch verdeutlicht, was sie am Ende der Einheit können, verstanden oder kritisch reflektiert haben sollen. Im vorliegenden Beispiel können im Unterrichtsgespräch zudem die Basiskonzepte angebahnt werden. Es wäre möglich, Nachhaltigkeit im Bereich des Lebensraums (Ökologie) oder auch des Wirtschaftsraums (Ökonomie) zu thematisieren. Ebenso wird das Mensch-Umwelt-System im Advanced Organizer deutlich („Strom aus der Nordsee?“).
Methode: Advanced Organizer
Ein Advanced Organizer erleichtert den Lernenden den Zugang zu einer neuen Thematik, indem an bisher Gelerntes angeknüpft und gleichzeitig verdeutlicht wird, was neu erlernt werden soll. Bei der Gestaltung des Advanced Organizers ist darauf zu achten, dass die wichtigsten Inhalte, Begriffe und Prinzipien in der Darstellung enthalten sind. Eine sinnvolle Struktur ist entscheidend, damit die Lernenden einen guten Überblick erhalten. Das Verwenden von Bildern, Grafiken und Pfeilen hilft, die Inhalte ansprechend zu gestalten (vgl. Reinfried 2023, S. 102).
Weitere Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Bildungsplans 2016
Der Einsatz des Advanced Organizers eignet sich für jede Unterrichtseinheit des Bildungsplans. Besonders hilfreich ist er in Unterrichtseinheiten, in denen eine zusätzliche Struktur aufgrund der Vielzahl an Themen und Fachbegriffen das Verständnis erleichtert und einen roten Faden bietet. Zusätzlich können in dem Advanced Organizer auch die Basiskonzepte eingebunden werden, indem beispielsweise passende Begriffe (bspw. Zeithorizonte: langfristig, mittelfristig und kurzfristig) integriert werden.
1.1.2. Unterrichtsphase Erarbeitung
Beispiel Klassen 7/8 - Aufgabe Kategorien finden „Nachhaltige Nutzung des Regenwaldes“
Bezug zu IbK 3.2.5.1 Analyse ausgewählter Räume in unterschiedlichen Geozonen
Aufgabenstellung für die Lernenden:
- Lest euch die zugeteilten Informationskärtchen durch.
- Was gehört zusammen? Ordnet die Informationskärtchen in Gruppen ein.
- Arbeitet für jede Gruppe eine Überschrift (=Kategorie) heraus.
M1 Informationskarten: Nachhaltige Nutzung des Regenwaldes am Beispiel der Platanera RÍo
Sixaola, Costa Rica (Rainforest Alliance)
1 Zusammenarbeit mit großen internationalen Unternehmen zur Verbesserung der Lieferketten. |
2 Schulung der Bevölkerung in nachhaltigen Anbaumethoden. |
3 Anpflanzung von Bäumen entlang der Ufer, um Bodenerosion bei Überschwemmungen zu verhindern. |
4 Einschränkung der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden). |
5 Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten Schutzkleidung und Sicherheitseinweisungen. |
6 Zusicherung einer gerechten Entlohnung und Förderungen von Arbeitervereinigungen. |
7 Maßnahmen tragen dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten. |
8 Schulung der Arbeiter und Arbeiterinnen in natürlicher Schädlingsbekämpfung. |
9 Ausweisung von Naturschutzgebieten, um langfristig Eingriffe zu verhindern. |
10 Bessere Anbaumethoden, um Erträge auf bestehenden Flächen zu steigern. |
11 Weiterer Ausbau der Plantagen wurde verhindert und damit die Umweltzerstörung reduziert. |
12 Vor Ort werden Partnerschaften mit den Gemeinden und Wissenschaftlern gefördert, um das Projekt bekannt zu machen. |
13 Nutzung der Agroforstwirtschaft, bei der Mischkulturen angepflanzt werden und die Bäume den Anbaufrüchten Schatten spenden und die Verdunstung reduzieren. |
14 Das „Rainforest Alliance“-Siegel wird auf die Banane geklebt, sodass Verbraucherinnen und Verbraucher die Produktion bewusst unterstützen können. |
15 Mit Filtersystemen werden die Wasserentsorgung und -weiterverwendung optimiert. |
16 Der Energiebedarf der Plantage wird zu 100% aus Solarenergie gewonnen. |
17 Indigene Bevölkerungsgruppen und Frauen werden gefördert. |
18 Die Paletten für die Verschiffung der Bananen werden mit Holz des naheliegenden extensiv bewirtschafteten Waldes hergestellt. |
Quelle: Eigene Zusammenstellung nach:
https://www.rainforest-alliance.org/de/einblicke/rainforest-alliance-zertifizierte-bananen/
[Zugriff am 21.03.2025]
Didaktische Hinweise
Das Beispiel M1 zeigt auf, wie man das systemische, geographische Denken anbahnen kann.
Die Lernenden greifen bei dieser Erarbeitung auf ihr Vorwissen zurück, indem sie die Informationen nach dem Durchlesen in Gruppen einteilen, die sie aus ihren Präkonzepten heraus erstellen. In einem zweiten Schritt erstellen die Lernenden Überbegriffe bzw. Kategorien für ihre Gruppierungen. Hierbei können je nach Kompetenz der Lernenden bereits die Basiskonzepte der Geographie Anwendung finden oder in einem späteren Schritt durch die Lehrkraft aufgezeigt werden.
Im vorliegenden Beispiel geht es um das Basiskonzept „Nachhaltigkeit“. Es ist denkbar, dass unter anderem Gruppierungen mit den Begriffen Wirtschaft, Handel oder Ökonomie benannt werden. Aufgrund der offenen Gestaltung ist zudem die Einbeziehung weiterer Basiskonzepte möglich, beispielsweise der Maßstabsebenen.
Methode: Kategorien finden
Bei der in M1 dargestellten Methode erhalten die Lernenden Informationskärtchen oder auch Bilder. Nach dem Durchlesen und Betrachten der Inhalte ordnen sie diese so zu, dass sie jeweils gemeinsame Merkmale oder Verbindungen aufweisen. Dabei verwenden sie meist bereits bekannte Kategorien oder bilden neue Kategorien. Indem die einzelnen Kärtchen Nummern erhalten, kann in einer anschließenden Reflexionsphase die Kategorisierung besser besprochen werden (vgl. Vankan 2015, S.62f).
Weitere Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Bildungsplans 2016:
Diese Herangehensweise zur Anbahnung und auch Vertiefung des systemischen Denkens kann in allen Klassenstufen thematisch gut umgesetzt werden.
1.1.3. Unterrichtsphase Transfer
Allgemeiner Hinweis zum Transfer
M1

Quelle: S. Kirsch, Hintergrundbild kreiert mit DALL·E 2024-04-20 (Create a cartoon classroom: A dramatically gesturing teacher in front of a world map, shocked students with exaggerated emotions.)
Didaktische Hinweise:
Der Transfer bzw. die Anwendung des Gelernten setzt voraus, dass die Lernenden die Inhalte der Stunde gut verstanden haben, um sie schließlich in dieser Unterrichtsphase anwenden zu können. Ohne eine vorab verständnisorientierte Stunde, ist es den Lernenden kaum möglich, die Transferaufgabe erfolgreich zu bewältigen (siehe M1). Dadurch bleibt das Ziel der Aufgabe unklar (Negativindikator).
Um innerhalb der Unterrichtsstunde bzw. -einheit allen Lernenden einen Wissenszuwachs zu ermöglichen, sind auch die Qualität des Feedbacks (vgl. Item 2.1) und die individuelle Unterstützung der Lernenden (vgl. Item 2.2) von großer Bedeutung.
Literaturverzeichnis
- Fauth, B., Herbein, E., Maier, J. L. (2024). Beobachtungsmanual zum Unterrichtsfeedbackbogen Tiefenstrukturen. Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg. https://ibbw-bw.de/site/pbs-bw-km-root/get/documents_E-1352898320/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/Dienststellen/ibbw/Empirische%20Bildungsforschung/Programme-und-Projekte/Unterrichtsfeedbackbogen/IBBW_Unterrichtsfeedbackbogen_Manual_241112_BF.pdf
- Reinfried, S. (2023): Geographie unterrichten lernen. Die Didaktik der Geographie. Cornelsen, Berlin.
- Vankan, L. (2015): Diercke Methoden 1. Denken lernen mit Geographie. Westermann Schroedel, Braunschweig.
- Fögele, J., Sesemann, O., Westphal, N. (2021): Mit Basiskonzepten die fachliche Tiefenstruktur des Geographieunterrichts gestalten. Klett. https://gewi-im-unterricht.de/wp-content/uploads/2024/08/403917_Basiskonzepte_konzeptionelle-Tiefenstruktur.pdf
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