Zu Item 2.2: Makro Scaffolding - Karten - Klassen 5/6
Beispiele des Makro-Scaffoldings:
Unterrichtsphase Sicherung
Beispiel Klasse 5/6 – Karten:
Bezug zu IbK 3.1.1.1.4 Grundlagen der Orientierung
Aufgabenstellung für die Lernenden
„Erstellt mit Hilfe der nachfolgenden Fragen euren eigenen Tafelanschrieb, indem ihr auf diese Fragen antwortet.
Du kommst nicht weiter? Eine Tippkarte findest du auf dem Lehrerpult.“
Wozu braucht man eine Karte?
In welche zwei großen Gruppen kann man Karten unterteilen?
Was sind die drei Merkmale einer Karte?
Was sind typische Bestandteile einer Karte?
M1 Tippkarte
Alle wichtigen Begriffe für die Beantwortung der Fragen findest du hier im Wortkasten:
verebnet – thematisch – Gradnetz – Maßstab – Legende – Titel – verkleinert – Orientierung – Nordpfeil – vereinfacht – topographisch
Didaktische Hinweise:
Das Beispiel zeigt eine Möglichkeit, auch im Bereich der Sicherung differenzierend (Leistungsdifferenzierung) vorzugehen. Die Lernenden sollen am Ende der Unterrichtsstunde den Sicherungstext mittels vorgegebener Fragen selbstständig verfassen. Hierbei werden sowohl stärkere als auch schwächere Lernende gefördert. Für die stärkeren Lernenden ist es möglich, einen Tafelanschrieb mit zahlreichen Details und Fachbegriffen zu verfassen, die sie in der Stunde erarbeitet und verinnerlicht haben. Schwächere Lernende haben durch die Fragen und auch die zusätzliche Tippkarte (M1) die Möglichkeit, die Aufgabe selbstständig zu bewältigen. Bei den Orientierungsfragen für die Lernenden muss nicht mit Operatoren gearbeitet werden, da diese nur als Hilfestellung für den Denk- und Schreibprozess dienen. Durch diese Art der Sicherung werden die Lernenden nicht zu eng geführt und es kommt nicht zu einer Unter- oder Überforderung (Negativindikatoren).
Weitere Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Bildungsplans 2016:
Diese Form der Sicherung kann prinzipiell in allen Stufen und zu allen Themen des Bildungsplans durchgeführt werden. Es empfiehlt sich aber insbesondere bei kürzeren Sicherungstexten, insbesondere bei dem erstmaligen Einsatz der Methode.
Unterrichtsphase Transfer
Beispiel Klasse 7/8 - Klimawandel:
Bezug zu IbK 3.2.2.3 Phänomene des Klimawandels (Treibhauseffekt)
Aufgabenstellung für die Lernenden: „Überprüfe, ob die von der KI (ChatGPT) generierte Darstellung die Ursachen des anthropogenen Treibhauseffektes darstellt.“

Quelle: Bild kreiert mit DALL·E
Didaktische Hinweise:
Das Unterrichtsbeispiel zeigt einen Transfer, der die individuelle Unterstützung der Lernenden in ihrem Lernprozess fördert.
Nachdem alle Lernenden den anthropogenen Treibhauseffekt im Unterricht erarbeitet haben, bietet diese offene Art der Aufgabe eine Leistungsdifferenzierung, indem alle Lernenden in ihrer Verständnistiefe das von der KI generierte Bild auf die fachliche Richtigkeit hin überprüfen.
Stärkere Lernende können mehrere und komplexere Unstimmigkeiten herausarbeiten, während schwächere Lernende durch eine Ad-hoc Interaktion der Lehrkraft (beispielsweise: „Welche dargestellten Aspekte passen bzw. passen nicht zum anthropogenen Treibhauseffekt?“) ebenfalls Unstimmigkeiten erkennen können.
Ein KI-generiertes Bild dient nicht nur als motivierendes Element für die Lernenden, sondern kann anschließend auch zur kritischen Reflexion über Medien und KI genutzt werden.
2.2.2 Beispiele des Mikro-Scaffolding:
Visualisierung
Begriffsverständnis durch Geomedien erhöhen - Beispiel: „Generalisierung“

Gute Anmerkung. Ich zeige euch mit der digitalen Karte dazu ein Beispiel.
Das ist ja komisch, dass die Nebenstraße genauso breit ist, wie die Hauptstraße.
Didaktischer Hinweis:
Ein Schüler merkt im Unterricht bei der Kartenarbeit an: „Das ist ja komisch, dass die Nebenstraße genauso breit ist, wie die Hauptstraße.“
Die Lehrkraft kann an dieser Stelle als ad-hoc Reaktion mit Hilfe digitaler Karten die Auswirkungen der Generalisierung den Lernenden veranschaulichen.
Lehrkraft: „Gute Anmerkung. Ich zeige euch mit der digitalen Karte dazu ein Beispiel.“
Die Lehrkraft öffnet eine digitale Karte und verdeutlicht die stattfindende Generalisierung abhängig von dem jeweiligen Maßstab.
„In der Realität ist auch hier die Nebenstraße schmaler als die Hauptstraße, jedoch handelt es sich bei dem Kartenausschnitt von euch um einen generalisierten Ausschnitt.“
Beispiel: LMZ Karte Stuttgart „Windgeschwindigkeit“
M1: Ausschnitt Stuttgart-Nord (Maßstab 1:35.000)

(Quelle: https://geo.lmz-bw.de/windpark/ [Zugriff am 25.03.25])
M2: Ausschnitt Stuttgart-Nord (Feuerbach) (Maßstab 1:4.325)

(Quelle: https://geo.lmz-bw.de/windpark/ [Zugriff am 25.03.25])
Die zwei Kartenausschnitte M1 und M2 aus dem Geoportal „Geowerkzeug Windparks“ des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) verdeutlichen die Prozesse, die bei der Generalisierung einer Karte ablaufen. Den Lernenden kann mithilfe der zwei Karten im Unterrichtsgespräch veranschaulicht werden, was konkret Generalisierung bedeutet. Dies kann in diesen exemplarischen Kartenausschnitten zusätzlich an verschiedenen Themen erklärt werden, wie beispielsweise Infrastruktur oder auch Windgeschwindigkeit.
Weitere Einsatzmöglichkeiten der Visualisierung im Rahmen des Bildungsplans 2016:
Der Einsatz von Visualisierungen im Geographieunterricht als ad-hoc-Interaktion zur Unterstützung von Lernenden ist prinzipiell bei allen Themenbereichen möglich. Visualisierungen können nicht nur das Begriffsverständnis, wie im obigen Beispiel gezeigt, fördern, sondern auch in vielen weiteren Bereichen das fachliche Verständnis vertiefen und erleichtern.
Auch für Experimente können Visualisierungen genutzt werden, um den Lernenden Inhalte zu verdeutlichen, ohne dabei viel Zeit für den Aufbau und die Durchführung einplanen zu müssen.
Konzeptuelle Einbindung der Schüleräußerungen:
M1

Quelle: S. Kirsch, Hintergrundbild kreiert mit DALL·E 2024-04-21 (Create a cartoon: a friendly teacher discusses with two students in a classroom with a world map.)
Richtig beobachtet. Das ist ein globaler Prozess.
Das passiert ja überall auf der Welt.
Didaktischer Kommentar:
Eine wichtige ad-hoc Interaktion zwischen der Lehrkraft und den Lernenden besteht darin, dass Schüleräußerungen direkt im Unterrichtsgeschehen von der Lehrkraft aufgegriffen und bei Bedarf in einen größeren konzeptuellen Zusammenhang gebracht werden. Dies ermöglicht den Lernenden, beispielsweise die Basiskonzepte besser zu verstehen und ihr Wissen zu vernetzen. Des Weiteren hilft es dabei, sprachliche Barrieren abzubauen und die Fachsprache weiterzuentwickeln.
Im Beispiel M1 greift die Lehrkraft die Äußerung des Schülers „überall auf der Welt“ auf und nennt den passenden Fachbegriff „global“.
Literaturverzeichnis:
- Fauth, B., Herbein, E., Maier, J. L. (2024). Beobachtungsmanual zum Unterrichtsfeedbackbogen Tiefenstrukturen. Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg. https://ibbw-bw.de/site/pbs-bw-km-root/get/documents_E-1352898320/KULTUS.Dachmandant/KULTUS/Dienststellen/ibbw/Empirische%20Bildungsforschung/Programme-und-Projekte/Unterrichtsfeedbackbogen/IBBW_Unterrichtsfeedbackbogen_Manual_241112_BF.pdf