Anhang
3 Unterrichtsmaterialien
- M1 Erzählung: Aaron freut sich (S. 5-7)
- M2 Ergenissicherung, S. 7
M1 Erzählung
Aaron freut sich
Aaron steht mit seinen Enkelkindern Elias und Hanna auf dem flachen Dach seines Hauses und lässt seine Blicke über Tell-Abib schweifen. Das hätte er sich vor 50 Jahren nicht träumen lassen, dass dies einmal seine Heimat werden könnte.
Die ersten Jahre in Babylon waren auch ganz schön hart: Noch Jahre nach der Vertreibung verfolgten ihn die Bilder vom brennenden Tempel und dem Feuerschein über Jerusalem. Als die Soldaten ihnen damals befohlen hatten, schnell alles Wichtige zusammenzupacken, hatte Aaron schreckliche Angst gehabt: er war überzeugt gewesen, dass nun alles aus sei, dass man ihn von seiner Familie trennen und in die Sklaverei verkaufen würde.
Und dann – nach dem elendig langen Marsch die Ankunft in der Ruinenstadt Tell-Abib, die man ihnen als Wohnort zugeteilt hatte! Wie schwer war es hier am Anfang: Monatelange mussten sie in Zelten hausen, es mangelte an Nahrungsmitteln, an Kleidern. Die Babylonier hatten ihnen Land zur Bebauung zugeteilt. Aber die meisten von ihnen hatten ihr Leben lang in Jerusalem gelebt. Nun mussten ehemalige Hofbeamte und Priester zum ersten Mal in ihrem Leben auf dem Feld arbeiten.
Doch sie hatten sich eingewöhnt: mit der Zeit wurden sie so geschickt im Ackerbau, dass ihr Getreide besser wuchs als in so manchem babylonischen Dorf. Sie bauten sich zuerst einfache Hütten, später, als sie erste Gewinne erwirtschaften konnten, errichteten sie solide Häuser. Eigentlich war es ihnen ganz gut ergangen, denn sie durften zusammenbleiben und sie waren keine Sklaven geworden. Ja, sie hatten es geschafft, in der Fremde anzukommen.
Aaron hat vor vielen Jahren Deborah geheiratet. Mit Freude denkt er an die gemeinsamen Kinder Samuel, Rut und Mirjam und an die 12 Enkel, die er inzwischen hat. Ja, sie leben alle ganz gut in Tell-Abib. Und trotzdem: nie hat Aaron Jerusalem und den Tempel vergessen können. Nie hat ihn die Sehnsucht nach seiner Heimat ganz verlassen.
Und jetzt ist etwas Unglaubliches geschehen: Vor einigen Monaten besiegten die Perser die Babylonier. Und als die Perser alle Tempel und Schatzkammern in Babylon nach Wertgegenständen durchforsteten, stießen sie auch auf den Jerusalemer Tempelschatz.
Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer in Tell-Abib verbreitet: „König Kyros will uns erlauben, den Tempelschatz nach Jerusalem zurückzubringen!“ Aaron hat Tränen in den Augen, wenn er daran denkt. Er kann sich noch gut an die vergoldeten Becken und silbernen Becher aus seiner Kindheit erinnern. Kyros will nun allen Judäern erlauben, in ihre Heimat zurückzukehren, damit sie die Stadt und den Tempel wieder aufbauen.
„Opa, warum weinst du“, fragt Hanna, Aarons jüngste Enkelin. „Bist du traurig?“ „Nein, im Gegenteil“, antwortet Aaron, „ich freue mich so sehr über die guten Neuigkeiten, dass ich weinen muss! Als ich so alt war wie du, wohnte ich neben dem Tempel. Er war groß und prächtig ausgestattet, mit Zedernholztüren und vergoldeten Fußböden!“ Und er beginnt zu erzählen und im Sand die Umrisse aufzumalen: den Hauptraum und das Allerheiligste, die Vorhalle und den Vorhof. Gebannt schauen seine Enkel zu.
„Aber der größte Schatz, den wir haben“, sagt Aaron, „sind unsere Erinnerungen. Die Erinnerungen an Jerusalem, aber auch an die Zeit hier. Wir müssen alles aufschreiben, damit diese Erinnerungen niemals verloren gehen. Am meisten hat uns hier in der Fremde unser Glaube geholfen, dass Gott uns nicht verlässt. Diesen Glauben müssen wir uns unbedingt bewahren, auch wenn wir nach Hause zurückkehren, wir müssen aufschreiben, wie uns der Glaube hilft.
Deshalb freue ich mich, dass euer Vater Samuel den Beruf des Schreibers erlernt hat und dass er auch euch diese Kunst beibringen will. Was sollen wir eurer Meinung nach unbedingt aufschreiben, damit es nicht verloren geht?“
M2
Den Glauben bewahren - das Wichtigste wird aufgeschrieben
Die Menschen im Exil waren überzeugt:
Gott hat uns nicht verlassen. Wir müssen alles tun, um nach der Rückkehr in die Heimat nicht die alten Fehler wieder zu machen. Deshalb müssen wir das Wichtigste aufschreiben und mitnehmen:
- Sammlung von Liedern und Gebeten ⇐ Was sollen wir in den Gottesdiensten singen und beten?
- Sammlung von Regeln und Gesetzen ⇐ Was ist erlaubt und was verboten?
- Sammlung von Vätergeschichten ⇐ Welche Geschichten trösteten uns?
- Sammlung von Prophetenüberlieferungen ⇐ Wer half uns, Gottes Willen zu verstehen?
Die vollständige Unterrichtseinheit findet sich unter: lehrerfortbildung-bw.de
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