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Item 1.1 Verständnisorientierung

Der Unterricht hat einen klaren Fokus auf die zentralen Inhalte, die von den SuS verstanden werden sollen.

Als Einstieg in die Unterrichtsstunde wird den Schülern und Schülerinnen* ein handelsübliches Kresseschälchen gezeigt.

Mit dem Impuls des Kresseschälchens und der offenen Frage: „Was braucht eine Pflanze zum Wachsen?“ findet die erste kognitive Aktivierung in der Unterrichtsstunde statt. Die SuS werden angeregt, ihre bisherigen Kenntnisse über

Pflanzenwachstum aus früheren Unterrichtseinheiten evt. auch aus der Grundschule, eigene Erfahrungen oder Alltagswissen abzurufen. Dabei wird das Vorwissen zur Photosynthese und zu den Wachstumsbedingungen aktiviert. Typischerweise werden vermutlich Antworten wie „Erde, Wasser, Licht, Luft, Nährstoffe“ genannt. Bei diesem Vorgehen ermittelt „die Lehrkraft (…) das aktuelle Verständnis der SuS“, wie es im Item 1.2 des Unterrichtsfeedbackbogens Tiefenstrukturen (1) angeführt wird. Hier wird im weiteren Verlauf des Unterrichts noch ein Bezug bei der konstruktiven Unterstützung zu 2.3 möglich und notwendig sein. Die Frage „Woher kommen die Schülerinnen und Schüler, was bringen sie mit?“ wird zugrunde gelegt und die Präkonzepte der SuS werden erfasst. Dieses Vorgehen, das Vorwissen der SuS zu aktivieren und an die bereits bestehenden SuS-Vorstellungen anzuknüpfen wird auch von der Lehr-Lern-Forschung gefordert, um gute Lernerfolge bei den SuS zu erzielen. Als Methode bietet sich die Think-Pair-Share-Methode an, so dass auch äußerlich sichtbar wird, ob sich alle SuS an den Überlegungen beteiligen.

Anschließend an diese erste Phase wird der Karton, der das Kresseschälchen ums chließt, entfernt und es wird sichtbar, dass die Kressepflanzen ohne Erde gewachsen sind. Es schließt sich die Frage an: „Wie kann es sein, dass die Kressepflanzen trotzdem wachsen bzw. gewachsen sind?“

Bei dieser Frage wird das Item 1.3 „Im Unterricht wird mit Fragen und Aufgaben gearbeitet, die die SuS zur vertieften Auseinandersetzung mit den Inhalten herausfordern.“ (1) von der Lehrperson in den Blick genommen und gleichzeitig der zentrale Inhalt der Stunde weiter im Blick behalten (Item 1.1). Bereits die Frage: „Wie kann es sein, dass die

Kressepflanzen trotzdem wachsen bzw. gewachsen sind?“ kann als Positivindikator für das Item 1.3 in Betracht gezogen werden, da die SuS mit einem widersprüchlichen Sachverhalt konfrontiert wurden. In ihrem bisherigen Verständnis brauchen Pflanzen nämlich Erde zum Wachsen. So erzeugt das Kresseschälchen ohne Erde eine kognitive Dissonanz. Es ist eine echte Frage, da die SuS mit eigenen Augen sehen, dass die Pflanzen trotzdem gewachsen sind, obwohl ihnen eine vermeintlich essenzielle Komponente, die Erde, fehlt. Dieser Widerspruch fordert die SuS heraus, ihr bestehendes Wissen zu überdenken und ist als Aufgabe zu sehen, ihr bisheriges Wissen anzupassen. Dieser Widerspruch führt zu einem erneuten kognitiven Konflikt und zu einer erneuten kognitiven Aktivierung bei und nach Renkl (2020) auch zu einer aktiven Informationsverarbeitung. Die SuS werden nun von der Lehrperson angeregt, Erklärungen zu suchen, Hypothesen zu formulieren und ihre bisherigen Vorstellungen kritisch zu hinterfragen. Dieses Vorgehen kann ebenfalls als ein Positivindikator, für das Item 1.3 gewertet werden, wenn zudem die Lehrperson das Unterrichtsgespräch noch so moderiert, dass „unterschiedliche Meinungen und Lösungen kontrastierend gegenübergestellt werden“.  Hierbei ist davon auszugehen, dass sich die SuS engagiert am Unterricht beteiligen, also das Item 1.4 „Die SuS sind engagiert am Unterrichtsgeschehen beteiligt“ erfüllen. Nachfragen der Lehrperson, wie die SuS auf ihre Vermutungen und Äußerungen kommen und die Aufforderung ihre Antworten zu begründen sind weitere Positivindikatoren für das Item 1.2. Sie verleihen dem Unterrichtsgespräch zudem die nötige fachliche Tiefe.