Zu Item 2.1: Erklärvideo Section Control erstellen
- Fachliche Ausprägungen der Indikatoren zu Item 2.1
- Rückmeldungen helfen der Lerngruppe, ihre Fehler zu erkennen
- Die Lehrkraft klärt, warum eine Antwort richtig oder falsch war
- Die Lehrkraft fokussiert in ihren Rückmeldungen auf den Lösungsprozess
- Die Lehrkraft würdigt korrekte Antworten bzw. Ergebnisse der Lerngruppe
- Die Lehrkraft gibt stets freundliche und wohlwollende Rückmeldungen selbst bei Fehlern
- Positive Fehlerkultur, Positivindikatoren 6-8
Kurze Einordnung der Einheit und der Stunde im Bildungsplan
In der Kinematik-Einheit haben die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I die Aufgabe, Bewegungen verbal zu beschrieben und in Bewegungsdiagrammen darzustellen (Ministerium für Jugend Kultus und Sport, 2016) Zudem soll aus experimentellen Messdaten die Geschwindigkeiten berechnet werden. Diese Messdaten sollen im Sinne einer Prävention und Gesundheitsförderung dann auch interpretiert werden und ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr daraus abgeleitet werden (Ministerium für Jugend Kultus und Sport, 2016).
Nicht nur im Fach Physik spielt die Kinematik in der Sekundarstufe eine wichtige Rolle. Auch im Fach Informatik, Mathematik und Physik (IMP) – einem Profilfach der Gemeinschaftsschule – ist die Kinematik beim Inhalt 3.3.3.2 „Computergestützte Physik“ von zentraler Bedeutung (Ministerium für Jugend Kultus und Sport, 2016). Hier sollen zeitliche physikalische Abläufe wie z. B. Bewegungen beschrieben und anschließend modelliert werden. Neben der Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit werden in der Klassenstufe 10 darüber hinaus Bewegungen mit konstanter Beschleunigung mit Hilfe des Computers untersucht.
In einigen Physikbüchern wird folgende Stoffverteilung einer Kinematik-Einheit für die Sekundarstufe empfohlen, vgl. (Barmeier, Ciprina, & u.a., 2024) (Wacker, 2024) (Freundner-Hunneke, Möllers, & Schulz, 2024):
- Diagnose: Geschwindigkeiten (ein) schätzen und vergleichen.
- Unterschiedliche Bewegungen und Bezugssystem (Modeleisenbahn)
- Die Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit genauer untersuchen (z. B. praktischer Test)
- Weg-Zeit-Diagramm und Geschwindigkeits-Zeit-Diagramm erstellen und interpretieren
- Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit (Section Control). Geschwindigkeit berechnen (hier dargestellt).
- Sicheres Verhalten im Straßenverkehr (Reaktionszeit)
Erklärvideo zur Section Control erstellen: Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit
Bei einer Section Control wird nicht die Momentangeschwindigkeit an einer bestimmten Stelle erfasst, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei weiter entfernten Punkten. In Österreich wird dieses System schon länger in Baustellen und Tunneln zur Verkehrsüberwachung eingesetzt. Mit einem durch Schülerinnen und Schüler erstellten Erklärvideo zur Section Control können die Begriffe Momentan- und Durchschnittsgeschwindigkeit erlernt und die Bestimmung der Durchschnittsgeschwindigkeit vertieft werden. Erklärvideos bieten visuelle und auditive Lernhilfen, komplexe Themen wie diese Abschnittskontrolle anschaulich erklären und das Verständnis sowie die Behaltensleistung verbessern können. Erklärvideos lassen sich auf unterschiedliche Weise im Unterricht herstellen. Eine Möglichkeit zum Erstellen eines Erklärvideos ist die Legetechnik, bei der Einzelfotos zu einem Film durch Stop-Motion-Software werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Verwenden von Programmen, die auf der Grundlage eines selbst erstellten Skriptes automatisch ein animiertes Erklärvideo erzeugen. Bei diesen Programmen wird die Legetechnik sozusagen automatisiert und virtuelle Hände schieben entsprechende Bilder in das Video.
Wenn Schülerinnen und Schüler kognitive Prozesse erbringen müssen, die über die vorgegebenen Informationen hinausgehen, z. B. für das Generieren eigener Hypothesen im naturwissenschaftlichen Unterricht oder für die Produktion von Erklärvideos, sind sie im konstruktiven Modus (Eder, Scheiter, & Lachner, 2023). Das bedeutet, dass Lernende nach dem ICAP-Modell in einem hohen Aktivitätsmodus agieren (Chi & Wylie, 2014). Da für die Generierung von Erklärvideos im Vorfeld die Erstellung eines selbst erstellten Skriptes erforderlich ist, müssen sich die Schülerinnen und Schüler auf einer vertieften Ebene mit dem Sachverhalt auseinandersetzen. Im Sinne der Starken Basis! werden bei der individuellen Erstellung des Skriptes nebenbei auch Kompetenzen aus dem Bereich Deutsch gefördert.
Ziel der hier vorgestellten Doppelstunde ist es, dass sich die Lerngruppe kreativ mit den Begriffen Momentan- und Durchschnittsgeschwindigkeit auseinandersetzt und parallel ihre Medienkompetenz schult. Am Ende der Stunde werden die Schülerinnen und Schüler zudem eine Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmen und sie von der Momentangeschwindigkeit abgrenzen können.
Vorbereitung
Bei der hier vorgestellten Stunde wird ein mit einem Skript automatisch animiertes Erklärvideoprogramm verwendet. Um Kosten zu sparen ist es wichtig, dass das Programm in einer Education Version erhältlich ist. Zusätzlich sollten in kurzer Zeit sehr gute Ergebnisse zu sehen sein. Einige Programme ermöglichen es sogar, auf das Skript zu verzichten und lediglich durch die Eingabe des Begriffes „Section Control“ ein KI-generiertes Erklärvideo zu erstellen. Hierdurch reduziert sich jedoch der Aktivitätsmodus der Lerngruppe.
Zur Nutzung der Programme ist eine vorherige Registrierung notwendig. Anzumerken ist, dass bei Education Versionen oder privat zu nutzender Software meistens nicht alle Features nutzbar sind. In den meisten Fällen ist der Programmumfang für die Erstellung von Erklärvideos völlig ausreichend. Um der Lerngruppe zu helfen, kann man in einem Ordner geeignete Bilder ablegen, die dann im Erklärvideo eingesetzt werden können. Ansonsten wählen die Programme selbst geeignete Bilder im Comicformat aus.
Einstieg
Als Einstieg wird ein Video der Österreichischen Autobahnmeisterei ASFINAG gezeigt (youtube Link im Anhang). In diesem mit Untertitel versehenen Video wird die Funktionsweise der Section Control mit österreichischem Dialekt erklärt. Die Schülerinnen und Schüler schauen sich das Video an und versuchen, in einem ersten Schritt das Grundprinzip der Section Control zu erfassen. Ein kurzes Klassengespräch über den Film beendet die Einstiegsphase. Der konkrete Arbeitsauftrag für die Stunde wird formuliert: „Erstellt in eurer Experimentiergruppe ein Erklärvideo zur Section Control!“
In einem zweiten Schritt wird das Video erneut gezeigt und jeder in der Lerngruppe soll ein Skript zum Film erstellen. Falls der Lerngruppe nicht bekannt ist, wie man ein Skript schreibt, muss dies vorher geklärt werden. Wenn notwendig kann das Video an entsprechenden Stellen pausiert werden. Folgendes Skript zum Film wäre möglich:
Skript 1
Mit einer Section Control kann man die Geschwindigkeit überwachen. Sie wird häufig in Tunneln und Baustellen eingesetzt. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Blitzer wird die Zeit während einer längeren Wegstrecke gemessen. Hierzu wird beispielweise am Anfang der Baustelle (oder des Tunnels) ein Foto gemacht. Dieses erste Foto ist mit einem Zeitstempel versehen, sodass man weiß, wann das Auto in die Baustelle (den Tunnel) eingefahren ist. Fährt das Auto aus der Baustelle (dem Tunnel) heraus, wird ein zweites Foto mit Zeitstempel gemacht. Anhand der beiden Zeitstempel kann man die für die Strecke benötigte Zeit bestimmen. Da man die Tunnellänge kennt, kann die Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmt werden, indem man den Weg durch die Zeit teilt.
Hauptteil
An der Tafel wird die Funktionsweise der Section Control an einem praktischen Zahlenbeispiel verdeutlicht. Das Auto fährt um 9:00 Uhr in die 20 Kilometer lange Baustelle und um 9:15 Uhr wieder heraus. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h. Die Schülerinnen und Schüler sollen beurteilen, ob die Fotos der Kamera gelöscht werden oder eine Ordnungswidrigkeit besteht. Hierzu wird der Quotient aus Weg (20 km) und Zeit (0,25h) gebildet. Es ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h. Diese Angaben werden in das Skript eingebaut und von der Momentangeschwindigkeit abgegrenzt. Hier kann nochmal die Momentangeschwindigkeit erklärt werden als der Wert, den der Tacho im Moment anzeigt. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können zudem ein eigenes Zahlenbeispiel in das Skript einarbeiten, welches sie später im Video visualisieren. Folgendes überabeitete Skript kann final als Grundlage für das Video dienen:
Skript 2
Mit einer Section Control kann man die Geschwindigkeit überwachen. Sie wird häufig in Tunneln und Baustellen eingesetzt. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Blitzer wird die Zeit in einer längeren Wegstrecke gemessen. Hierzu wird beispielweise am Anfang der Baustelle (oder des Tunnels) ein Foto gemacht. Dieses erste Foto ist mit einem Zeitstempel (hier 9:00h) versehen, sodass man weiß, wann das Auto in die Baustelle (den Tunnel) gefahren ist. Fährt das Auto aus der Baustelle (dem Tunnel) wird ein zweites Foto mit Zeitstempel (hier 9:15h) gemacht. Anhand der beiden Zeitstempel kann man die für die Strecke benötigte Zeit (hier 0,25 h) bestimmen. Da man die Tunnellänge kennt, kann die Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmt werden, indem man den Weg durch die Zeit teilt. Da es sich hier um eine Durchschnittsgeschwindigkeit handelt, kann es sein, dass das Auto in manchen Momenten auch schneller gefahren ist (Momentangeschwindigkeit). Das Auto muss dann aber auch in manchen Momenten langsamer als 80 Kilometer pro Stunde gefahren sein. Wo eine Section Control eingesetzt wird, sinkt die Anzahl der Unfälle.
Erstellung eines Erklärvideos in zehn Schritten
Nachdem man die Tablets ausgeteilt hat, führt man die Lerngruppe kurz durch die Schritte des Programmes (Liste kann auch ausgedruckt und ausgeteilt werden).
Schritt 1: Anmelden und auf „Meine Videos“ gehen
Schritt 2: Neues Video kreieren und Name für das Projekt wählen (Deutsch auswählen).
Schritt 3: Eigenes Skript schreiben wählen (alternativ teilweise auch KI-Generierung möglich)
Schritt 4: Leere Vorlage auswählen (eventuell Education Modus)
Schritt 5: Titel eingeben und vorher erstelltes Skript eintippen (auch Schlussworte möglich)
Schritt 6: Video visualisieren und ggf. den Stil wählen (Film wird dann automatisch erstellt)
Schritt 7: Bilder lassen sich jetzt noch bearbeiten (über eigene Uploads möglich)
Schritt 8: Video vor Finalisierung anschauen
Schritt 9: Sprecher auswählen oder Film selber vertonen (s. u)
Schritt 10: Je nach Version ist Film Public und in SD-Qualität herunterladbar (auch durch Link)
Schluss
Das Ergebnis des Filmes lässt sich in Schritt 7 verbessern, indem man die vorgeschlagenen Bilder durch eigene tauscht. Als Hausaufgabe wäre es möglich, den Film selbst zu vertonen. Schritt 9 ist aber sehr schuluntauglich, da in der Klasse eine Vertonung durch die Lernende nur schwer möglich ist. Wenn die Schülerinnen und Schüler den Film zuhause vertonen, müssen sie lediglich den angezeigten Text in einem angemessenen Sprechtempo nachsprechen. Der Link für ein selbst erstelltes Beispielvideo befindet sich im Anhang. Die Vertonung durch Schülerinnen und Schüler ist jedoch nur mit einer Vollversion rechtlich möglich, da die Videos sonst öffentlich mit den Stimmen der Lerngruppe zugänglich sind. Das wäre nach aktuellem Stand rechtlich nicht mehr zulässig.
Fachliche Ausprägungen der Indikatoren zu Item 2.1
Rückmeldungen helfen der Lerngruppe, ihre Fehler zu erkennen
In der empirischen Unterrichtsforschung wurde Feedback als ein zentraler Einflussfaktor für den schulischen Lernerfolg identifiziert (Hattie & Timperley, 2007).
Um eine gezielte Rückmeldung zu ermöglichen, sollte die Bildung zu vieler Gruppen vermieden werden. Bereits in einer frühen Phase des Prozesses sollte Feedback gegeben werden, um Frustration bei den Schülerinnen und Schülern durch unentdeckte Fehler zu verhindern. Teilweise geben die verwendeten Programme den Schülerinnen und Schülern in Form von Punkten automatisiertes Feedback zur Qualität des Videos. Dabei wird die verwendete Sprache des Skriptes, die visuellen Elemente der Einzelseiten sowie die Vertonung berücksichtigt. Die Rolle der Lehrkraft kann sich weitgehend auf die einer beratenden Begleiterin / eines beratenden Begleiters beschränken, wodurch ausreichend Zeit bleibt, um alle Gruppen individuell zu unterstützen. Entscheidend bei der Rückmeldekultur ist die Anerkennung des fertigen Produkts. Da die Videoclips eine geringe Dateigröße aufweisen (etwa 6 MB), können sie in einer Cloud gespeichert und von den Mitschülerinnen und Mitschülern mit wertschätzenden Kommentaren versehen werden. Die Schülerinnen und Schüler können sich zudem ein Peer-Feedback mit einem vorstrukturierten Rückmeldebogen geben, z. B. „Das hat mir an deinem Video besonders gut gefallen..“. In einem formativen Feedback kann die Lehrkraft das Endprodukt bewerten und in einem abschließenden Gespräch klären, ob die zentralen Inhalte korrekt verstanden wurden.
Die Lehrkraft klärt, warum eine Antwort richtig oder falsch war
Um Verwechslungen beim Erlernen von Begriffen zu minimieren, kann eine visuelle Unterstützung durch Bilder erfolgen. So kann beispielsweise die Momentangeschwindigkeit durch die Darstellung eines Tachometers oder eines Blitzerfotos und die Durchschnittsgeschwindigkeit durch die Visualisierung mittels Section Control veranschaulicht werden. Dadurch wird es erleichtert, auf korrekte und inkorrekte Antworten im Begriffserwerb einzugehen.
Die gemeinsame Durchführung der Beispielrechnung mit den Schülerinnen und Schülern trägt dazu bei, Fehlerquellen bei der freien Wahl eines Zahlenbeispiels zu verringern. Schwächere Lernende können das vorgegebene Zahlenbeispiel im Rahmen der Reproduktion übernehmen, während mit leistungsstärkeren Gruppen eine kurze Besprechung eines selbst erstellten Beispiels erfolgen kann. Durch den Rückgriff auf das zuvor gemeinsam besprochene Zahlenbeispiel lässt sich leichter nachvollziehen, warum ein selbstgewähltes Beispiel richtig oder falsch ist.
Die Lehrkraft fokussiert in ihren Rückmeldungen auf den Lösungsprozess
Die Gestaltung eines Erklärvideos gliedert sich grundsätzlich in sechs Kernphasen: die Erstellung des Skripts, die Konkretisierung des Skripts durch die Auswahl eines geeigneten Zahlenbeispiels, die automatische Erstellung des Videos, die Optimierung der Bildauswahl, die individuelle Vertonung sowie die abschließende gemeinsame Besprechung der erstellten Produkte. Die gestellte Aufgabe, ein Erklärvideo zur „Section Control“ zu erstellen, stellt einen iterativen Prozess dar, in dem einzelne Komponenten kontinuierlich verändert und verbessert werden können. Durch gezielte und motivierende Rückmeldungen der Lehrkraft kann dieser Prozess weiter optimiert werden.
Ein effektives Feedback sollte sich auf die Beantwortung folgender drei Fragen konzentrieren: „Wo stehen die Lernenden?“, „Was ist das Lernziel?“ und „Welche nächsten Schritte sind erforderlich?“ (Hattie & Timperley, 2007). Im konkreten Beispiel könnten diese Fragen nach jedem der oben genannten Arbeitsschritte gestellt werden, um den Lernprozess kontinuierlich zu begleiten und zu fördern.
Es ist zudem denkbar, gegen Ende des Prozesses die Arbeitsform zu ändern: Aus der Gruppenarbeit wird im letzten Schritt eine Einzelarbeit, indem jede Schülerin / jeder Schüler das in der Gruppe erstellte Video zu Hause individuell vertont. Dies ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt und bietet Raum für eine abschließende, individuelle Rückmeldung und ermöglicht somit auch eine individuelle Leistungsbeurteilung.
Die Lehrkraft würdigt korrekte Antworten bzw. Ergebnisse der Lerngruppe
Eine sachlich und konstruktiv formulierte Rückmeldung ist für die Schülerinnen und Schüler von zentraler Bedeutung, um gezielt an ihren Fähigkeiten weiterarbeiten zu können (Rakoczy, 2006). In diesem Zusammenhang bietet es sich an, gemeinsam mit der Lerngruppe zu diskutieren, wie die Programme zu einer automatisch generierten Bewertung des erstellten Videos gelangen. Da in den verwendeten Programmen die Optimierungsmöglichkeiten dokumentiert sind, können die korrekten Vorschläge der Lernenden entsprechend gewürdigt werden.
Einige Programme zur Erstellung von Erklärvideos ermöglichen es zudem, Fragen zu dem produzierten Film zu generieren, die an sinnvollen Stellen eingeblendet werden können. Die Perspektivübernahme als „Fragenstellerin“ bzw. „Fragensteller“ fördert ein vertieftes Verständnis des Lerninhalts. Im Rahmen der Rückmeldung auf gegebene Antworten können die Schülerinnen und Schüler wertschätzende Rückmeldungen formulieren, was zu einer positiven Feedbackkultur innerhalb der Lerngruppe beiträgt.
Die Lehrkraft gibt stets freundliche und wohlwollende Rückmeldungen selbst bei Fehlern
Durch die Arbeit in der Experimentiergruppe kann die Teamarbeit gemeinsam reflektiert werden. Jede / Jeder kann sich entsprechend ihrer/seiner Kompetenzen in den Prozess der Videoerstellung einbringen. Beispielsweise können Lernende, die über ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten verfügen, aktiv an der Formulierung des Skripts in einfacher Sprache mitwirken. Schülerinnen und Schüler mit mathematischen Begabungen können sich hingegen intensiver mit der Auswahl und Ausarbeitung von Rechenbeispielen beschäftigen. Schließlich können medienkompetente Jugendliche ihre Fähigkeiten bei der Bedienung der Software sowie beim Finden und Einfügen von Bildern einbringen. Es wäre wünschenswert, dass alle Schülerinnen und Schüler am Ende des Prozesses ein ähnliches Kompetenzniveau erreichen. Dies kann am besten durch eine Rückmeldung in einem freundlichen und wohlwollenden Ton, sowohl von den Mitschülerinnen und Mitschülern als auch von der Lehrkraft, unterstützt werden.
Ein wesentlicher Vorteil von Erklärvideos im Fall fehlerhafter Schülerantworten besteht darin, dass sie ein Lernprodukt bieten, das pausiert oder wiederholt werden kann. Nach mehrmaligem Abspielen einer bestimmten Sequenz erhalten die Lernenden die Möglichkeit, in einem wertschätzenden Rahmen ihre Fehler zu erkennen und die Aussagen zu korrigieren.
Positive Fehlerkultur, Positivindikatoren 6-8
Eine typische Fehlvorstellung beim Thema Geschwindigkeit ist, das Schülerinnen und Schüler Bewegungen nur als Ganzes sehen. Lernende verstehen bei diesem Präkonzept Bewegung als Ganzes und nicht die momentane Bewegung (Wodzinski, 1996). Dies erschwert das Begriffslernen von Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit und führt häufig zu fehlerhaften Antworten, denen mit einer positive Fehlerkultur entgegnet werden sollte. So kann man beispielsweise die Jugendlichen Fragen, ob ein Auto bei einem mit einer Section Control überwachten Abschnitt auch mal schneller als die zulässige Richtgeschwindigkeit fahren darf. Auf Grundlage der Fehlvorstellung kommen die Schülerinnen und Schüler häufig zum falschen Schluss, dass man zu keinem Zeitpunkt schneller fahren darf.
Sollten Lernende über eine solche Fehlvorstellung verfügen, darf die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler nicht bloßstellen. Vielmehr sollte sie die Lernchancen nutzen und mit geeigneten Visualisierungen der Fehlvorstellung entgegenwirken (vgl. Abbildung 1). Auch im Kinematik-Unterricht sollte deutlich werden, dass Fehler wichtig sind für das Lernen.
Abschließend lässt sich zu Erklärvideos Im Physikunterricht sagen, dass sie inhaltlich korrekt sein müssen und adressatengerecht gestaltet werden sollten. Falsches bleibt auch interessant aufgemacht falsch. Das Skript darf darüber hinaus nicht zu stark verkürzt sein, da so das Lernen erschwert werden kann. Erklärvideos mit kognitiv fordernden interaktiven Elementen fördern das Lernen mit allen Sinnen und können den Physikunterricht methodisch bereichern.
Markus Wacker M.A. (ZSL) [CC BY NC SA DE4]
Abbildung 1: Aufgabe Section Control
Literaturverzeichnis
- Barmeier, M., Ciprina, H. J., & u.a. (03. 07 2024). Klett Homepage. Von klett.de abgerufen
- Chi, M. T., & Wylie, R. (2014). The ICAP framework: Linking cognitive engagement to active learning outcomes. Educational Psychologist 49, S. 219-243.
- Eder, T., Scheiter, K., & Lachner, A. (2023). Einsatz digitaler Medien für einen wirksamen Unterricht (Band 9). Stuttgart: Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW).
- Freundner-Hunneke, I., Möllers, R., & Schulz, S. (03. 07 2024). Schroedel Erlebnis Physik. Von westermann.de abgerufen
- Hattie, J., & Timperley, H. (2007). The powerr of Feedback. Academic Research Libary : Review of Educational Research.
- Klopsch, B. (2019). Quereinstieg. Unterrichtsprozesse planen und Durchführen. Hamburg: Persen.
- Ministerium für Jugend Kultus und Sport. (2016). Gemeinsamer Bildungsplan für die Sekundarstufe I. Stuttgart: Baden-Württemberg.
- Minnameier, G., Hermkes, R., & Mach, H. (2015). Kognitive Aktivierung und Konstruktive Unterstützung als Prozessqualitäten des Lehrens und Lernens. Zeitschrift für Pädagogoik 61(6), S. 837-856.
- Rakoczy, K. (2006). Hoch inferentes Rating: Beurteilung der Qualität unterrichtlicher Prozesse. In I. Hugener, C. Pauli, & K. Reusser, Dokumentation der Erhebungs- und Auswertungsverfahrenzur schweizerisch-deutschen Videostudie "Unterrichtsqualität, Lernverhalten und mathematisches Verständnis". Teil 3. Videoanalysen (S. 206-233). Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung.
- Seifried, J., Dresel , M., Rausch , A., & Wuttke, E. (2022). Umgang mit Fehlern im Unterricht. Stuttgart: IBBW Land Baden-Württemberg.
- Sliwka, A., Klopsch, B., & Dumont, H. (2022). Konstruktive Unterstützung im Unterricht. Wirksamer Unterricht Band 3. Baden Württemberg: Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW).
- Wacker, M. (03. Juli 2024). Cornelsen Physik. Von cornelsen.de abgerufen
- Wodzinski, R. (1996). Untersuchung von Lernprozessen beim Lernen Newtonscher Mechanik im Anfangsunterricht. Münster: LIT-Verlag.
- ASFINAG Video zur Erklärung der Sektion Control youtube.com
- Beispiel-Video Section Control videos.simpleshow.com