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Materialien mit Bezug zu inhaltsbezogenen und prozessbezogenen Kompetenzen

1. Doppelstunde: KI im Alltag - Steuerung oder Selbstbestimmung?

Gemäß der inhaltsbezogenen Kompetenz, dass die Schülerinnen und Schüler „den Stellenwert der Technik für den Menschen an Beispielen differenziert beschreiben und vergleichen“ (3.1.5.2.(2)), soll in der ersten Doppelstunde mit besonderem Fokus auf die prozessbezogenen Kompetenzen „wahrnehmen und (sich) hineinversetzen“ und „analysieren und interpretieren“ sichtbare und unsichtbare Prägung des Alltags durch KI untersucht und deren moralische Relevanz reflektiert werden. Dies geschieht, indem zunächst bewusst gemacht wird, wo und wie künstliche Intelligenz in unterschiedlichen Ausformungen unseren Alltag (mit)prägt. Ausgehend von der Überlegung, welche Vor- und Nachteile die entsprechende Nutzung haben kann, soll zur wertebezogenen Einordnung übergeleitet werden, die die Schülerinnen und Schüler anhand von kleinen Beispielszenarien reflektieren sollen. Damit soll möglichst flüssig ein altersangemessener Schritt zu einer abstrakteren Reflexion der KI-Nutzung geleistet werden, die zugleich einen normativen Rahmen für die Folgestunden und die in ihnen diskutierten Probleme darstellen kann. Zugleich wird der inhalts-bezogenen Kompetenz 3.1.5.2.(3) Rechnung getragen (die Schülerinnen und Schüler können „Auswirkungen der Technik auf Mensch und Natur und die Folgen zunehmender Tech-nisierung im Hinblick auf mögliche Wertkonflikte darstellen und diskutieren“).

2. Doppelstunde: Hilft uns KI, die Natur besser zu verstehen?

Einen spezifischeren Bezug zum Umweltthema wird in den beiden mittleren Doppelstunden der Einheit hergestellt. Zunächst soll dabei konkret das Phänomen einer technisierten Naturwahrnehmung am Beispiel von KI-gestützten Bestimmungs-Apps in den Blick genommen werden. Der inhaltliche Bezug zum Bildungsplan ist dabei 3.1.5.2(1): Die Schülerinnen und Schüler können „die Bedeutung der Natur für den Menschen an Beispielen differenziert beschreiben und vergleichen“, wobei es hier im Speziellen um einen Vergleich analoger und technik-/KI-basierter Wahrnehmung von Natur geht. Auf diesen soll durch die zwei Varianten eines Waldspaziergangs im Einstieg hingearbeitet werden, deren jeweiligen Wertbezug die Schülerinnen und Schüler herstellen sollen. Im Anschluss sollen sie sich zwei Positionen erarbeiten, die die technisierte Naturwahrnehmung einmal positiv-euphorisch (Piotr Heller und Moritz Metz) und einmal kritisch (Christian Uhle), wodurch die prozessbezogene Kompetenz „anaysieren und interpretieren“ geschult werden soll. Auf der Grundlage des Erarbeiteten sollen die Schülerinnen und Schüler dann im Anschluss einen Dialog zwischen den beiden Waldspaziergängern schreiben, für den mögliche Orientierungsfragen zur Verfügung gestellt werden. Der Schwerpunkt liegt hier auf der prozessbezogenen Kompetenz „argumentieren und reflektieren“. Die Fragen können zugleich als Impulse für eine Abschlussreflexion genutzt werden, indem die Schülerinnen und Schüler sie dann nicht mehr aus der Perspektive der Waldspaziergänger, sondern aus ihrer eigenen Perspektive reflektieren.

3. Doppelstunde: Ist KI eine Chance oder Gefahr für den Naturschutz?

Erfolgte die Reflexion des Verhältnisses von Mensch, Natur und (KI-)Technik in der zweiten Doppelstunde aus einer eher individuellen Sicht, wird in der dritten Doppelstunde gemäß einer Progression der Perspektive dieses Verhältnis aus globaler Perspektive untersucht. Dies geschieht, indem Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz Natur und einen nachhaltigen Umgang mit ihr gegenübergestellt werden, wodurch die Schülerinnen und Schüler „Aspekte von Freiheit und Verantwortung im Umgang des Menschen mit Natur und Technik an Beispielen untersuchen, Möglichkeiten eines verantwortungsvollen Umgangs mit Technik und Natur entwickeln“ können. Der Schwerpunkt dieser Doppelstunde liegt auf den prozessbezogenen Kompetenzen „analysieren und interpretieren“, indem zwei Informationstexte in Bezug auf die Frage nach Nachhaltigkeit von künstlicher Intelligenz ausgewertet werden sollen. Um dies zu erreichen, liegen zwei Planungsalternativen vor: Planungsalternative arbeitsteilige Textarbeit: Der methodische Zugang ist hier textbasiert und arbeitsteilig, die Lerngruppe wird in zwei große Expertengruppen aufgeteilt, die sich aufgrund der jeweiligen Länge der zu analysierenden Texte in jeweils vier Untergruppen unterteilen. Die Auswertung erfolgt anschließend in Mischgruppen, sodass es hier zu einer maximalen Aktivierung der Lerngruppe kommt. Die abschließende Stellungnahme auf der Grundlage eines Im-pulszitates nimmt insbesondere die die prozessbezogenen Kompetenzen „argumentieren und reflektieren“ sowie „urteilen und (sich) entscheiden“ in den Fokus.

Planungsalternative Fallanalyse: Alternativ hierzu kann die Frage auch in Form einer auf einem erfundenen Szenario basierenden Fallanalyse diskutiert werden. Diese erfolgt in reduzierter Form, berücksichtigt aber die vier wesentlichen Schritte (Situationsanalyse – Interessensanalyse – Werte/Normen – Bewertung/ethisches Urteil), die durch unterstützende Leitfragen strukturiert sind. Einstiegsmaterial und Diskussionsimpuls aus der Planungsalternative a) lassen sich auch hier verwenden.

4.Doppelstunde: Zwischen Hilfe und Manipulation – Wann wird KI zur Gefahr für unsere Autonomie?

In der letzten Doppelstunde steht das sogenannte „Nudging“ im Zentrum, ein Phänomen also, das Menschen durch eine positive Bestärkung oder Belohnung meist unbewusst zu einer Handlung oder Entscheidung führen soll. Der französische Philosoph Gaspard Koenig hat zahlreiche Nudging-Phänomene im Kontext von künstlicher Intelligenz untersucht und dabei eine Gefahr für die Autonomie des Menschen konstatiert, die auch in dieser Stunde diskutiert werden soll.1 Damit werden Aspekte „von Freiheit und Verantwortung im Umgang des Menschen mit […] Technik an Beispielen untersuch[t], Möglichkeiten eines verantwortungsvollen Umgangs mit Technik […] entwickel[t].“ (3.1.5.2.(4)) Dazu werden in einem ersten Schritt einige alltägliche KI-gestützte Nudging-Phänomene thematisiert, worauf eine differenzierte Erarbeitung des Begriffes und ein Rückbezug auf die Einstiegssituationen erfolgt. Dabei soll bereits stets eine Beurteilungsebene miteinbezogen werden, um so den auch ambivalenten Charakter des Nudgings zu reflektieren. In einem zweiten Schritt soll dann mit Hilfe eines altersangemessenen philosophischen Textes Nudging explizit mit der Frage nach der Autonomie und ihrer möglichen Einschränkung diskutiert werden. Damit stehen die prozessbezogenen Kompetenzen argumentieren und reflektieren sowie beurteilen und (sich) entscheiden im Zentrum.

1 Vgl. Gaspard Koenig: Das Ende des Individuums. Reise eines Philosophen in die Welt der Künstlichen Intelligenz. Köln 2019. V.a. S. 128-157.