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Klausur/Leistungsmessung

Emma testet für ein Schulprojekt eine KI-gestützte Natur-App. Sie kann mit der Kamera ihres Handys Pflanzen und Tiere bestimmen. Die App gibt ihr sofort den Namen und zusätzliche Informationen zu jedem Fund und verleiht ihr einen Stern, nachdem sie jeweils zehn verschiedene Pflanzen oder Tiere registriert hat. Nach jeweils zehn Sternen in der App werden neue Funktionen freigeschaltet. Das motiviert sie einerseits, öfter in den Wald zu gehen, sie fragt sich aber auch, ob sie dadurch wirklich mehr über die Natur lernt oder ob sie sich nur noch auf ihr Handy verlässt.

  1. Stelle dar, welche positiven und negativen Effekte die App auf Emmas Naturerfahrung haben kann. Berücksichtige dabei zwei mögliche Chancen und zwei mögliche Risiken.
  2. Erkläre den Begriff „Nudging“.
  3. Beurteile, ob es sich bei der Verwendung der App um „Nudging“ handelt.
  4. Erläutere das Konzept „Ich-Technik-Welt“ von Christian Uhle und wende es auf Emmas Fall an. Inwiefern verändert die KI-App ihre Beziehung zur Natur?
  5. Emma fragt sich: „Lerne ich durch die App wirklich mehr über die Natur – oder sammle ich nur Punkte?" Nimm Stellung zu dieser Frage. Begründe deine Meinung mit mindestens zwei Argumenten.

Lösungshinweise:

Zu 1: Chancen: Entdeckerfreude, Beschäftigung mit der Natur, Motivation, schneller Zugang zu Wissen. Risiken: Abhängigkeit von Technik, technisierte Naturwahrnehmung.

Zu 2: Nudging bedeutet eine sanfte, aber gezielte Lenkung von Entscheidungen durch subtile Anreize, ohne direkte Verbote oder Zwang. Ziel ist es, Menschen zu einer bestimmten Entscheidung zu bewegen, oft durch visuelle Hinweise, Belohnungssysteme oder Voreinstellungen.

Zu 3: Tendenziell ja: Die App lenkt Emmas Verhalten durch Gamification/Belohnung (Sterne) in eine gewünschte Richtung (häufigere Naturbeobachtung). Emma trifft ihre Entscheidungen weiterhin selbst, aber wird durch die App sanft dazu angestoßen, bestimmte Handlungen auszuführen. Einschränkungen: Falls Emma irgendwann nur noch wegen der Belohnungen in den Wald geht, könnte man hinterfragen, ob sie wirklich aus eigenem Antrieb handelt.

Zu 4: Uhle ist der Auffassung, dass Technik zwischen Mensch („Ich“) und Welt („Natur“) eine vermittelnde Stellung einnimmt. Die Technik und die Form ihrer Gestaltung beeinflussen, wie wir die Welt wahrnehmen und mit ihr interagieren. Durch die App wird Natur für Emma in Daten, Namen und Sterne übersetzt. Ihre Wahrnehmung verschiebt sich möglichweise von unmittelbarer Erfahrung hin zu einer durch Technik gesteuerten Naturerkenntnis. Sie könnte die Natur zuneh-mend durch die Linse der App statt durch eigene Sinne wahrnehmen.

Zu 5: Mögliche Pro-Argumente: Emma erfährt sofort Fakten zu Pflanzen und Tieren, die sie sich sonst mühsam erarbeiten müsste. Die Motivation durch Belohnungen könnte langfristig dazu führen, dass sie sich intensiver mit Natur beschäftigt. Mögliche Contra-Argumente: Emma könnte sich nur noch darauf konzentrieren, schnell neue Funde zu machen, anstatt sich wirklich mit den Pflanzen/Tieren auseinanderzusetzen. Die App gibt ihr fertige Antworten, ohne dass sie selbst nachdenken oder eigene Entdeckungen machen muss.