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3. DS: Ai Da als Künstlerin? – Von der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks zu dessen technischer Produzierbarkeit

Einstieg

Wie beurteilen Sie folgende Meldung?: „KI-Gemälde für 1,2 Millionen Euro verkauft“

Nehmen Sie in diesem Zusammenhang Stellung zu folgendem Artikel der Journalistin Laura Ewert

Erarbeitung

Ist ein echtes Kunstwerk technisch (von einer humanoiden KI) produzierbar? (Schreibgespräch an vier Lernstationen zu Walter Benjamins Thesen zur technischen Reproduzierbarkeit eines Kunstwerkes und seiner Aura: Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit [1936], Anaconda Verlag, 2024)

1. Textbaustein (Plenum): (S. 20)

Aufgabe: Formulieren Sie ein Beispiel für die Aura eines natürlichen Gegenstandes, die Sie in einer bestimmten Situation erlebt haben.

Aufgabe: Formulieren Sie ein Beispiel für die Aura eines natürlichen Gegenstandes, die Sie in einer bestimmten Situation erlebt haben.

Infotext für alle Stationen:

Walter Benjamin war ein deutscher Philosoph, Kulturkritiker und Schriftsteller (1892-1940). Eines seiner bekanntesten Werke ist „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, das erstmals 1936 erschien. In diesem Essay untersucht Benjamin, wie die Fähigkeit, Kunstwerke wie Gemälde oder Musikstücke technisch zu reproduzieren, deren Wert und Bedeutung verändert. Er führt den Begriff der „Aura“ ein, der die Einzigartigkeit und Authentizität eines Kunstwerks beschreibt. Benjamin argumentiert, dass durch die Massenproduktion die Aura eines Kunstwerks verloren gehen kann, da es nicht mehr an einen bestimmten Ort und eine bestimmte Zeit gebunden ist und nicht mehr einmaligen Akt des Kunstschaffens durch eine Person angesehen werden kann. Was bedeutet es für das Kunstwerk, aber auch als alle Kunstbetrachtenden, dass man beispielsweise die „Mona Lisa“, Leonardo da Vincis weltbekanntes Gemälde, nicht mehr nur in Paris im Louvre direkt und vor Ort betrachten kann, sondern die „Mona Lisa“ auf Postkarten, Mousepads, T-Shirts, Postern etc. überall auf der Welt zu finden ist? Welche Auswirkungen hat es, wenn eine Maschine Kunst(werke) hervorbringt? Ist das überhaupt möglich oder fehlt diesen Erzeugnissen nicht grundsätzlich und kategorisch der Kunstwert?

Methodisches Vorgehen:

Die Lernstationen werden in den vier Ecken des Klassenzimmers positioniert, indem die Textausschnitte dort aufgehängt werden (mindestens DIN A3). Die optionale zusätzliche Station befindet sich in der Mitte des Klassenzimmers. Die Lerngruppe wird in 4er-Gruppen aufgeteilt (z. B. A1 = Schülerin oder Schüler ist Mitglied der Gruppe A und liest zunächst den Text an Station 1; C3 = Schülerin oder Schüler ist Mitglied der Gruppe C und liest zunächst den Text an Station 3 etc.). Jedes Mitglied einer 4er-Gruppe liest zunächst einen Textausschnitt, verfasst seine jeweilige schriftliche Aufgabe und bespricht diese vor Ort mit den anderen Expertinnen und Experten der jeweiligen Stammgruppen (A, B, C etc.), indem

  1. inhaltliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einem fremden Text farblich markiert werden und
  2. eine kurze schriftliche Rückmeldung zu diesem Text formuliert wurde. Anschließend wählen die Expertengruppen gemeinsam eine Lösung aus, die als Referenz für den mündlichen Austausch in den Stammgruppen verwendet wird. Die individuellen Lösungen werden nach dem Vorbild der Referenz bearbeitet und verbessert.

Anschließend tauschen sich die Mitglieder der Stammgruppen aus, indem Sie mithilfe ihrer Ergebnisse gemeinsam diskutieren, ob ein echtes Kunstwerk technisch (von einer humanoiden KI) produzierbar ist. Hierzu verfasst jede Stammgruppe ein knappes (maximal 100 Wörter umfassen-des) Statement, das im Plenum verlesen und schließlich diskutiert wird.

1. Station: (S. 16)

Schreibimpuls: Erklären Sie in etwa 100 Wörtern anhand der „Mona Lisa“, warum die massenweise Reproduktion eines Kunstwerks dessen ursprüngliche Aura verkümmern lässt. Nehmen Sie dabei vor allem Bezug auf das ursprüngliche Zustandekommen der Aura.

2. Station: (S. 21)

Schreibimpuls: Arbeiten Sie in etwa 100 Wörtern heraus, ob sich das Abbild der „Mona Lisa“ vom ursprünglichen Bild – dem Originalgemälde von Leonardo da Vinci – unterscheidet. Gehen Sie dabei insbesondere auf die Art Rezeption der Abbilder ein.

3. Station: (S. 40)

Schreibimpuls: Vergleichen Sie in etwa 100 Wörtern die Aura eines Bühnenschauspielers mit dessen filmischer Repräsentation. Fokussieren Sie sich dabei auf die Perspektive der Zuschauer.

4. Station: (S. 55)

Schreibimpuls: Stellen Sie in etwa 100 Wörtern anhand eines konkreten Beispiels vergleichend dar, welche Bilder sich ein Chirurg und ein Maler vom selben Gegebenen machen könnten. Heben Sie besonders hervor, wie diese Bilder mit den jeweiligen Aufgaben der Personen zusammenhängen.

Optionale zusätzliche Station: (S. 30)

Schreibimpuls: Beurteilen Sie in 100 bis 150 Wörtern, ob die durch technische Reproduktion des Kunstwerks bedingte „qualitative Veränderung seiner Natur“ eine positive oder eine negative Entwicklung darstellt.

Diskussionsimpulse für die Sicherungs- und anschließende Diskussionsphase:

Ist das von Ai-Da geschaffene Gemälde „AI-God“ ein Kunstwerk? Kann ein echtes Kunstwerk technisch (von einer humanoiden KI) überhaupt produziert werden? Bedarf es einer Aura, um von einem Kunstwerk zu sprechen? Können nur menschliche Künstlerinnen und Künstler eine solche Aura erschaffen? Können nur menschliche Kunstbetrachtende eine solche Aura fühlen – und können sie diese fühlen, wenn das Werk von einer Maschine erschaffen wurde?

Weiterer optionaler Impuls: (Sven Kramer: Walter Benjamin zur Einführung, 2023: S. 101.)

Diskussionsimpulse: Eröffnet KI-Kunst nicht auch einen neuen Wahrnehmungsspielraum? Erlangen wir durch künstlich intelligente Systeme, die Kunst produzieren einen Zugang zu bisher ungesehenen Seiten der Wirklichkeit? Können KI-Künstlerinnen und Künstler nicht doch Werke mit einer sie umgebenden Aura erschaffen? Entsteht die Aura nicht durch die Art der Rezeption der Kunstbetrachtenden und nicht (ausschließlich) durch den Modus der Produktion? (Vergleich von produktions- und rezeptionsästhetischen Ansätzen)