4. DS: KI ist ein Medium zum Kunstschaffen – Kunst als Schnittstelle zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz
Einstieg: Die Galerie der Zukunft (Gedankenexperiment)
Stellen Sie sich vor, es ist das Jahr 2050. Eine renommierte Kunstgalerie richtet eine Ausstellung mit dem Titel „Kunst der neuen Ära“ aus. Die Ausstellung umfasst Werke, die ausschließlich von Künstlichen Intelligenzen (KIs) geschaffen wurden. Diese Werke reichen von Gemälden und Skulpturen bis hin zu Musikstücken und literarischen Texten. Besucher der Ausstellung sind sich uneinig: Ist das Kunst?
4-er Gruppenarbeit:
Kommen Sie in Ihrer 4er-Gruppe zusammen. Jedes Gruppenmitglied fokussiert sich auf eines der vier folgenden Szenarien und erläutert – basierend auf diesem – nach eine kurzen Einzelarbeits-phase seiner Gruppe, inwiefern KI und Kunst kompatibel sind.
Szenario A: Ein Besucher steht vor einem Gemälde, das ihn zu Tränen rührt. Er erfährt später, dass es von einer KI erstellt wurde, die mit Millionen von Kunstwerken der Vergangenheit trainiert wurde. Seine Reaktion ändert sich, als er erfährt, dass das Werk das Produkt einer KI ist.
Szenario B: Ein Besucher steht vor einem Gemälde, das ihn zu Tränen rührt. Er erfährt später, dass es von einer KI erstellt wurde, die mit Millionen von Kunstwerken der Vergangenheit trainiert wurde. Seine Reaktion ändert sich nicht, als er erfährt, dass das Werk das Produkt einer KI ist.
Szenario C: Ein anderes Werk in der Ausstellung ist eine Skulptur, die von einer KI generiert wurde, die entwickelt wurde, um über eigene Algorithmen neue Formen zu schaffen, ohne auf bestehende Kunstwerke zurückzugreifen.
Szenario D: Eine KI hat ein Musikstück komponiert, das in einem Konzert gespielt wird. Das Publikum ist begeistert und empfindet eine tiefe emotionale Verbindung zu dem Stück, ohne zu wissen, dass es von einer KI stammt. Erst nach dem Konzert wird bekannt, dass kein Mensch an der Komposition beteiligt war.
Mögliche Diskussionsfragen für die Arbeit in den Gruppen und dann zur Besprechung im Plenum:
- In welchen Szenarien würden Sie die Werke als „Kunst“ anerkennen, und warum?
- Ist der Schaffensprozess oder die Wirkung entscheidend dafür,ob etwas als Kunst gilt?
- Welche Rolle spielt die Intention des Künstlers (oder des KI-Systems) in der Definition von Kunst?
- Kann eine KI jemals ein „kreatives Genie“ haben, oder bleibt dies eine ausschließlich menschliche Eigenschaft?
- Wie beeinflusst das Wissen um den Schöpfer (Mensch oder KI) unsere Wahrnehmung von Kunst?
- Welche Rolle spielt die Rezeption des Werkes?
- [Zusatz: Ist es für Euch als Lernende problematisch, dass das Gedankenexperiment aus dem Einstieg mithilfe einer KI konzipiert wurde?]
Erarbeitung I:
Protest gegen KI-Kunstwerke (Textarbeit in EA)
Aufgaben:
- Geben Sie in eigenen Worten die Kritik von Alexander Nanitchkov und seinen Unterstützerinnen und Unterstützern an KI-Kunstwerken wieder.
- Nehmen Sie Stellung zum Protest: Ist dieser angebracht und legitim?
Erarbeitung II:
Podcast Hörsaal auf Deutschlandfunk Nova: Dorothea Winters Vortrag „KI kann Kunst!...oder doch nur Kitsch?“
Aufgaben:
- Was ist Kunst? (09:45min bis 16:10min):
- Nennen Sie die zwei Arten Kunst zu betrachten?
- Geben Sie die auf Aristoteles und Kant zurückgehenden Merkmale von Kunst wieder.
- Was ist KI (im Vergleich zum Menschen)? (16:15min bis 22:45min): Nennen Sie die zentralen Merkmale, die künstlich intelligente von menschlichen Wesen unterscheiden?
- Kann KI Kunst erschaffen? (22:50min bis 26:30min): Erklären Sie den Zusammenhang von Freiheit und Kunst und begründen Sie, warum – laut Dorothea Winter – Menschen Kunst schaffen, KI jedoch nur Kitsch produzieren kann.
- Optional: Wie verändert KI den Kunstmarkt? (ab 26:30min):
- Fassen Sie zusammen, inwiefern KI den Bereich des Kunstschaffens verändert.
- Geben Sie wieder, wie sich durch KI die Rezeption von Kunst verändert.
- Wiederholen Sie die von Dorothea Winter aus geforderten Maßnahmen zu einem ethischen Umgang mit KI im Bereich der Kunst.
Diskussionsimpulse:
Wie würde sich Dorothea Winter wohl zu den „No AI Art“-Protesten äußern? Bringt KI mehr Künstlerinnen und Künstler hervor als durch sie in ihrer Existenz bedroht werden? Verlieren Kunstwerke ihre Aura (Walter Benjamin), weil sie von sehr viel mehr Menschen, an unterschiedlichen Orten, auch über digitale Endgeräte rezipiert werden können? Wie behält der Mensch im Bereich des Kunstschaffens die Kontrolle über KI, diese lediglich als „nichts anderes als einen Pinsel, als ein Werkzeug“ (Dorothea Winter) zu verwenden?