Klausur/Leistungsmessung und Lösungshinweise
Aufgaben:
- Legen Sie die vier zentralen Punkte dar, die – laut Dimitri Coelho Mollo – Intelligenz ausmachen. (4 Punkte)
- Vergleichen Sie mithilfe der Überlegungen von Joseph Weizenbaum und Byung Chul-Han maschinelle und menschliche Intelligenz. (6 Punkte)
- Analysieren Sie die drei von Catrin Misselhorn genannten Grundbestandteile einer essentialistischen Kunstdefinition anhand eines selbstgewählten Beispiels. (6 Punkte)
- Erklären Sie, warum – laut Walter Benjamin – die massenweise Reproduktion eines Kunstwerks dessen ursprüngliche Aura verkümmern lässt. Gehen Sie dabei auf den „Kultwert“ sowie den „Ausstellungswert“ des Werkes ein. (6 Punkte)
- Nehmen Sie Stellung zur zentralen These der Autorin. (8 Punkte)
Lösungshinweise:
- Aufgabe:
- Allgemeinheit: die Fähigkeit, in vielen unterschiedlichen Situationen angemessen zu handeln und ganz unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden;
- Flexibilität: die Fähigkeit, das eigene Verhalten an sich verändernde Umstände anzupassen;
- Zielgerichtetheit: die Fähigkeit, in einer Situation angemessene Ziele zu finden und zu verfolgen;
- Adaptivität oder Lernen: die Fähigkeit, gegenwärtiges und zukünftiges Verhalten an Erfahrungen auszurichten. Von Intelligenz kann demnach gesprochen werden, wenn ein System ein Verhalten zeigt, das diesen vier Kriterien entspricht.
- Aufgabe:
Byung-Chul Han: Menschliche Intelligenz basiert auf einem dezidiert analogen Vorgang, weil Menschen von der Welt affiziert werden, bevor sie sie zu begreifen versuchen. Begriffe sind daher nachträglich formulierte Versuche die Wirkung der Welt auf uns Menschen sprachlich fassbar zu machen. Maschinelles Denken funktioniert genau umgekehrt: Eine KI kommt nie mit der Welt in Berührung und erschließt diese immer zuerst über Begriffe, die sich jedoch nicht aus der Konfrontation mit der Welt ergeben, sondern dieser Konfrontation vorausgehen. Daher ist die Maschine letztlich blind und taub für die Welt deutet diese nur gemäß der von ihr eingeübten Denkmuster. Sie denkt nicht, sondern rechnet. Weizenbaum: Menschliche Intelligenz ist mehr als Informationsverarbeitung, da der Mensch Wissen auf unterschiedliche Arten und Weisen (zum Beispiel kinästhetisch) erwirbt, die Maschinen gar nicht möglich sind. Die Verkörperung des Menschen hat zur Folge, dass dieses Wissen und damit die Welt vollkommen anders erschließt als eine Maschine, die auf eine symbolische Darstellung von Dingen, Zuständen, Gefühlen, Interaktionen, Stimmungen etc. angewiesen. Diese Übersetzung ist oftmals schlichtweg unmöglich.
- Aufgabe:
- Ein Kunstwerk muss eine Bedeutung verkörpern: Andy Warhols „Brillo Box“ zeigt, wie alltägliche Konsumgegenstände in den Kontext der Kunst übertragen werden. Warhols Intention war es, die Grenzen zwischen Kunst und Alltag zu hinterfragen und die Mechanismen der Massenproduktion und Konsumgesellschaft zu reflektieren.
- Diese besteht in einem Gehalt höherer Ordnung, der eine gewisse Sichtweise zum Ausdruck bringt: Indem er handelsübliche Verpackungen in den Kunstkontext brachte, wollte Warhol auf die Austauschbarkeit von Kunst und Konsumgütern aufmerksam machen und die Frage aufwerfen, was Kunst ausmacht. Einige Betrachter sehen in Warhols Werk eine provokative Kritik an der Konsumgesellschaft, während andere es als ironischen Kommentar zur Kunstwelt selbst verstehen. Das Werk hat Diskussionen über den Wert und die Definition von Kunst ausgelöst, da es die Frage aufwirft, worin Kunst eigentlich besteht.
- Das Verständnis des Gehalts höherer Ordnung erfordert eine Interpretation, die den Kontext der Kunstwelt miteinbezieht: Die „Brillo Box“ wurde in renommierten Galerien und Museen ausgestellt, was zu ihrer Anerkennung als Kunstwerk beitrug. Der institutionelle Kontext spielt eine entscheidende Rolle, indem er Warhols Werk als bedeutendes Beispiel der Pop-Art legitimiert und ihm einen Platz im Kanon der modernen Kunst zuweist. Die Ausstellungen und die Aufnahme in Sammlungen renommierter Institutionen unterstreichen den Kunststatus der „Brillo Box“ und beeinflussen die Wahrneh-mung und den Wert des Werkes.
- Aufgabe:
Walter Benjamin argumentiert, dass die massenhafte Reproduktion eines Kunstwerks dessen ursprüngliche Aura verkümmern lässt, weil sich die „Aura“ eines Kunstwerks auf seine Einzigartigkeit, Authentizität und seine Verankerung in einer bestimmten Tradition und Geschichte bezieht. Diese Aura ist tief mit dem „Kultwert“ des Kunstwerks verbunden. Der „Kultwert“ bezieht sich auf den rituellen und symbolischen Wert des Werkes, der oft mit religiösen oder kulturellen Praktiken verbunden ist. Ein Kunstwerk hat in seiner ursprünglichen Form eine besondere Bedeutung, die durch seine Einbettung in bestimmte kulturelle und historische Kontexte entsteht. Es ist einzigartig und nicht einfach reproduzierbar, was ihm eine besondere Aura verleiht. Durch die technische Reproduzierbarkeit wird hingegen der „Ausstellungswert“ eines Kunstwerks betont. Der „Ausstellungswert“ bezieht sich darauf, wie ein Kunstwerk dem Publikum präsentiert und zugänglich gemacht wird. Mit der Möglichkeit, Kunstwerke massenweise zu reproduzieren, wird der Fokus von ihrem einzigartigen „Kultwert“ auf ihren „Ausstellungswert“ verschoben. Kunstwerke werden nun in erster Linie ausgestellt, um gesehen zu werden, und verlieren dadurch ihre exklusive Aura. Die Reproduktion ermöglicht es, Kunstwerke in verschiedenen Kontexten und Orten zu zeigen, was zwar demokratisierend wirkt, aber gleichzeitig die ursprüngliche Einzigartigkeit und den Kultwert des Originals mindert. Die Aura des Originals wird durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit seiner Reproduktionen geschwächt, da die Reproduktionen nicht die gleiche Authentizität und Einzigartigkeit wie das Original besitzen.
- Aufgabe:
Es wird eine eigene klar begründete Stellungnahme zur Position der Autorin verlangt. Dabei kann auf folgende Aspekte eingegangen werden: Die zentrale These der Autorin besagt, dass künstliche Intelligenz (KI) in der Lage ist, Werke zu schaffen, die durch ein Moment des Unvorhergesehenen und eine scheinbar eigene künstlerische Handschrift unser Interesse wecken und auf unser Kunstverständnis Einfluss nehmen können. Einerseits ist es faszinierend zu beobachten, dass KI-Systeme in der Lage sind, kreative Outputs zu generieren, die oft über die ursprünglichen Anweisungen (den menschlichen Prompts) hinausgehen. Dies kann als eine Art „künstlerische Überraschung“ betrachtet werden, die der KI eine gewisse Autonomie im kreativen Prozess zuzuschreiben scheint. Die Fähigkeit der KI, aus großen Datenmengen neue und unerwartete Muster zu generieren, kann in der Tat unser Verständnis von Kreativität und künstlerischer Originalität herausfordern. Wenn ein Kunstwerk, das von einer KI geschaffen wurde, Emotionen hervorruft oder unsere Wahrnehmung auf unerwartete Weise anspricht, könnte dies eine ernsthafte Betrachtung der KI als potenzielle Akteurin im Kunstbereich rechtfertigen. Andererseits wirft diese These auch Fragen auf. Die „künstlerische Handschrift“ der KI beruht letztlich auf Algorithmen und Datensätzen, die von Menschen erstellt und kuratiert wurden. Die Kreativität der KI ist somit eine Reflektion menschlicher Inputs und der kulturellen Kontexte, aus denen sie schöpft. Dies könnte die Art der Kreativität und Originalität, die wir von der KI wahrnehmen, relativieren. Zudem bleibt die Frage offen, ob die von der KI erzeugte Kunst wirklich einen eigenständigen künstlerischen Wert hat oder ob sie lediglich als Werkzeug zur Erweiterung menschlicher Kreativität dient.
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