„Soll der Mindestlohn erhöht werden?“
Material: Item 1.3 Herausfordernde Aufgaben
Item : Im Unterricht wird mit Fragen und Aufgaben gearbeitet, die die Schülerinnen und Schüler zur vertieften Auseinandersetzung mit den Inhalten herausfordern.
Unterrichtssequenz : Bildungsplan WBS 3.1.3 Wirtschaftsbürger
Dieses Papier soll ein Beispiel für das Item „Herausfordernde Aufgaben“ darstellen. Im folgenden Stundenablauf, welcher auf Basis des Petrik‘schen Dreischritts konzipiert ist, sollen die Schülerinnen und Schüler am Beispiel des Mindestlohns Argumente kognitiv aktivierend verarbeiten und die abschließenden Impulse nach der Urteilsbildung zeigen den Lernenden die exemplarische Bedeutung des Themas. Um die ökonomische Schwerpunktsetzung zu betonen ist es wichtig, dass das Drei-Dimensionen-Modell bei der Planung mitgedacht wird.
Einstieg
Ausgehend von einer Karikatur/ einer Schlagzeile/ kontroversen Aussagen/ … wird die Problemfrage „Soll der Mindestlohn erhöht werden?“ aufgeworfen.
Informationsphase (Was ist?)
Gemeinsam mit der Klasse wird das Vorgehen der Stunde transparent erarbeitet und plausibilisiert, warum es aus Sicht der Lernenden wichtig ist, verschiedene Standpunkte zu kennen, sodass jeder kann sich auf Basis der Informationen ein eigenes begründetes Urteil bilden kann.
In einer Informationsphase (z. B. Informationsvideo, Textarbeit, Lehrervortrag, …), erhält die Klasse die zentralen Informationen zu folgenden Aspekten:
- Warum ist ein geringer Arbeitslohn ein Problem?
- Information über den aktuellen Mindestlohn
- Historie des Mindestlohns in Deutschland (evtl. im europäischen Vergleich)
Hierzu könnten herangezogen werden: Statistiken zum Niedriglohnsektor, Daten zu Aufstockern, kontroverse Aussagen zum aktuellen Mindestlohn, usw. .
Erarbeitung
(Was ist möglich?)
Die Klasse erarbeitet ausgehend von einer Materialanalyse Argumente für und gegen eine Erhöhung des Mindestlohnes. Dabei sollten folgende Aspekte im Materialpool enthalten sein: Mindestlohn im PMD (neoklassische Perspektive – Denken im Modell und kritische Reflexion, Grenzen des Modells), evtl. die (post-)keynesianische Einnahmen-Ausgaben-Logik für makroökonomische Prozesse, die Sicht der Gewerkschaften, der Arbeitgeberverbände, der Arbeitenden sowie die staatliche Argumentation.
Die ausgewählten Perspektiven sollten anhand des Drei-Dimensionen-Modells geprüft werden, um sicherzustellen, dass eine ökonomische Schwerpunktsetzung erfolgt ist.
Für die Ergebnissicherung wird eine kognitiv aktivierende Auseinandersetzung mit den Argumenten anstrebt. Diese werden von den Schülerinnen und Schülern mit Kriterien und Perspektiven verknüpft.
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Pro: Der Mindestlohn soll steigen! |
Contra: Der Mindestlohn soll nicht steigen! |
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Argument Kriterium: |
Akteur/ Perspektive |
Argument Kriterium: |
Akteur/ Perspektive |
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Argument Kriterium: |
Akteur/ Perspektive |
Argument Kriterium: |
Akteur/ Perspektive |
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Auswertung und Urteilsbildung (Was soll sein?)
In der individuellen Urteilsbildung ist es besonders wichtig kognitive Aktivierung durch gezielte Impulse in der Moderation zu erreichen. Diese sollten die der Problemfrage zugrundeliegenden Spannungsfelder aufdecken und die Übertragbarkeit des Beispiels auf andere ökonomische Situationen (z.B. Elternzeit, Homeofficeregelung, …) herauszuarbeiten (Tiefenbohrung). Im Fall des Mindestlohns bietet sich das Spannungsfeld an, welches aufzeigt, wie groß die staatliche Einflussnahme auf die Lohnentwicklung und wie viel Markfreiheit herrschen sollte.
Kommentar:
Die Frage nach einer Erhöhung des Mindestlohns ist besonders geeignet, um kognitiv aktivierende Impulse zu setzen, da sie die Lernenden zu anspruchsvollen Denk- und Urteilsprozessen anregt. Kognitiv aktivierende Impulse fördern Denkprozesse, die über reines Faktenwissen hinausgehen, indem sie Schülerinnen und Schüler dazu herausfordern, ihr Wissen anzuwenden, zu verknüpfen und kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es darum, verschiedene Argumente begründet gegeneinander abzuwägen, Positionen zu reflektieren und ein eigenes, fundiertes Urteil zu formulieren. Die Frage „Soll der Mindestlohn erhöht werden?“ ist hierfür besonders geeignet, weil sie kontrovers und mehrperspektivisch ist. Sie eröffnet unterschiedliche Sichtweisen – etwa aus der Perspektive von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Arbeitgebern oder der Politik – und erfordert es, ökonomische, soziale und ethische Argumente miteinander in Beziehung zu setzen. Dabei geht es insbesondere auch darum, nicht in pauschale Urteile zu verfallen, z. B. Mindestlohn ist ökonomisch nicht sinnvoll, dagegen sozial und ethisch zu bevorzugen. Durch differenzierte Urteilsbildung werden die Lernenden kognitiv gefordert, da sie ihr zuvor erworbenes Wissen über Wirtschaft und Gesellschaft aktiv anwenden und in einen neuen Zusammenhang bringen müssen. Zudem besitzt das Thema einen hohen Lebensweltbezug, da Fragen nach Lohn, Gerechtigkeit und sozialer Ungleichheit für viele Schülerinnen und Schüler unmittelbar nachvollziehbar und relevant sind. Diese Relevanz steigert ihre Motivation, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, und fördert dadurch eine vertiefte kognitive Aktivität.
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