Zur Haupt­na­vi­ga­ti­on sprin­gen [Alt]+[0] Zum Sei­ten­in­halt sprin­gen [Alt]+[1]

Schul­be­zo­ge­ne und schul­über­grei­fen­de Per­so­nal­ent­wick­lung

Die sich be­schleu­nigt ab­zeich­nen­de Ent­wick­lung hin zu einer Wis­sens­ge­sell­schaft macht ein le­bens­lan­ges Ler­nen aller un­ab­ding­bar. „Ge­ra­de dem le­bens­lan­gen Ler­nen im Beruf kommt eine er­heb­li­che Be­deu­tung zu, da die Kom­pe­tenz­ent­wick­lung und damit ein­her­ge­hend die Ent­wick­lung päd­ago­gi­scher Pro­fes­sio­na­li­tät weder nach der ers­ten noch nach der zwei­ten Phase ab­ge­schlos­sen sind. Viel­mehr weist päd­ago­gi­sche Pro­fes­sio­na­li­tät ein be­rufs­bio­gra­fi­sches Ent­wick­lungs­mo­ment auf, das sich ge­ra­de in der un­mit­tel­ba­ren Be­rufs­aus­übung auf­baut, ent­wi­ckelt und wei­ter aus­dif­fe­ren­ziert“. (vgl. Diehl u.a. 2010, S. 1) Von daher kommt auch der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort- und Wei­ter­bil­dung der Lehr­kräf­te in der jahr­zehn­te­lan­gen Phase der Be­rufs­tä­tig­keit – als drit­ter Phase der Lehr­kräf­te­bil­dung nach Stu­di­um und Re­fe­ren­da­ri­at bzw. Vor­be­rei­tungs­dienst - eine zen­tra­le Be­deu­tung zu, um die Schü­ler/innen best­mög­lich auf eine sich stark ver­än­dern­de Welt  vor­be­rei­ten zu kön­nen. „Die drit­te Phase der Leh­rer­bil­dung leis­tet einen ent­schei­den­den Bei­trag zur be­ruf­li­chen So­zia­li­sa­ti­on und Kom­pe­tenz­ent­wick­lung von Leh­re­rin­nen und Leh­rern.“ (vgl. Diehl u.a. 2010, S. 1)

Per­so­nal­ent­wick­lung wird de­fi­niert „als In­be­griff aller Maß­nah­men, die der in­di­vi­du­el­len be­ruf­li­chen Ent­wick­lung der Mit­ar­bei­ter die­nen und ihnen unter Be­ach­tung ihrer per­sön­li­chen In­ter­es­sen die zur op­ti­ma­len Wahr­neh­mung ihrer jet­zi­gen und künf­ti­gen Auf­ga­ben er­for­der­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­mit­teln.“ (Mentzel 1997, S. 15) Per­so­nal­ent­wick­lung soll dazu bei­tra­gen, „die künf­ti­ge Auf­ga­ben­er­fül­lung der Schu­le zu ge­währ­leis­ten, indem die Leis­tungs­fä­hig­keit  und -be­reit­schaft der Lehr­kräf­te her­ge­stellt oder er­hal­ten wird. (vgl. Bu­chen 1995, nach Kan­stei­ner 2014, S. 5) Buh­ren und Rolff un­ter­schei­den zwei Di­men­sio­nen der Per­so­nal­ent­wick­lung (PE). „PE ist dem­nach zum einen auf den ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter mit der Ziel­set­zung aus­ge­rich­tet, ihn in sei­ner in­di­vi­du­el­len Ent­wick­lung zu för­dern. Zum an­de­ren ist PE auf die Or­ga­ni­sa­ti­on ins­ge­samt ori­en­tiert, deren Be­darf an qua­li­fi­zier­ten und kom­pe­ten­ten Mit­ar­bei­ten­den ge­deckt wer­den muss.“ (vgl. Buh­ren/Rolff 2002, S. 19f.)

Zwi­schen die­sen bei­den Di­men­sio­nen – der Ent­wick­lung der Mit­ar­bei­ter und der Ent­wick­lung der Or­ga­ni­sa­ti­on – gilt es eine Ba­lan­ce zu fin­den. Fort­bil­dungs­pla­nung ist in die­sem Kon­text ein Ver­fah­ren, mit dem diese Ba­lan­ce ver­han­delt und immer wie­der neu her­ge­stellt wer­den kann. Ein An­lass für das kom­mu­ni­ka­ti­ve Aus­ba­lan­cie­ren von  Ent­wick­lungs­in­ter­es­sen der Per­so­nen und  Ent­wick­lungs­er­for­der­nis­sen der Schu­le ist die Er­he­bung des Fort­bil­dungs­be­darfs z.B. in einer Fort­bil­dungs­kon­fe­renz. In ihr wer­den die Fort­bil­dungs­wün­sche der Lehr­kräf­te und die schul­ent­wick­lungs­be­zo­ge­nen Qua­li­fi­zie­rungs­an­for­de­run­gen the­ma­ti­siert. Ziel die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­on  ist, einen Fort­bil­dungs­be­darf zu ver­ein­ba­ren, der so­wohl dem Ent­wick­lungs­in­ter­es­se der Per­so­nen als auch dem Ent­wick­lungs­er­for­der­nis­sen Schu­le ge­recht wird.

Per­so­nal­ent­wick­lung im schu­li­schen Kon­text hat die Be­son­der­heit, dass die Schu­le Teil eines grö­ße­ren Bil­dungs­sys­tems ist und die  Per­so­nal­ho­heit nicht nur bei der Schul­lei­tung liegt, son­dern auch bei der über­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le. Die Per­so­nal­ent­wick­lung ist des­halb nicht nur schul­be­zo­gen, son­dern muss schul­über­grei­fend auch die Ent­wick­lung und per­so­na­len Be­dar­fe des ge­sam­ten Bil­dungs­sys­tems be­rück­sich­ti­gen. Maß­nah­men der Per­so­nal­ent­wick­lung qua­li­fi­zie­ren in­so­fern schul­be­zo­gen „für be­son­de­re Auf­ga­ben und Zu­stän­dig­kei­ten in der Schu­le“, als auch schul­über­grei­fend „für Aus­bil­dungs-, Be­ra­tungs- und Fort­bil­dungs­tä­tig­kei­ten, für päd­ago­gi­sche Lei­tungs­auf­ga­ben an Schu­len und in der Leh­rer­aus­bil­dung der zwei­ten Phase oder für Tä­tig­kei­ten in der Schul­ver­wal­tung.“ (vgl. „Leit­li­ni­en“ I. Abs. 3).

Per­so­nal­ent­wick­lung schul­be­zo­gen und schul­über­grei­fend zu ver­ste­hen, ist auch durch den Per­so­nen­be­griff be­grün­det. Das Grund­ge­setz geht von dem Ei­gen­wert und der Würde des Men­schen als Ele­men­tar­prin­zip (vgl. BVerfGE 45, 187 [227] „tra­gen­des Kon­sti­tu­ti­ons­prin­zip“) un­se­res Ge­mein­we­sens und höchs­tem Rechts­wert der Ver­fas­sung aus. (vgl. BVerfGE 54, 341 [357] „obers­ter Wert“). Aber der Mensch wird nicht als In­di­vi­du­um ge­dacht, son­dern als Per­son, die ge­mein­schafts­be­zo­gen und ge­mein­schafts­ge­bun­den ist. Die Ge­mein­schafts­be­zo­gen­heit  und Ge­mein­schafts­ge­bun­den­heit tas­tet dabei den Ei­gen­wert der Per­son nicht an. (vgl. BVerfGE 4, 7 [15 ff.])  „Damit wird das in­di­vi­dua­lis­ti­sche Men­schen­bild des klas­si­schen Li­be­ra­lis­mus eben­so ab­ge­lehnt wie das Men­schen­bild des Kol­lek­ti­vis­mus.“ (vgl. Spind­ler 2010, S. 6) Die­ses Span­nungs­ge­fü­ge zwi­schen Per­son und Ge­mein­schaft ist in den „Leit­li­ni­en“ im Recht jeder Leh­re­rin und jedes Leh­rers auf För­de­rung im Rah­men einer schul­be­zo­ge­nen und schul­über­grei­fen­den Per­so­nal­ent­wick­lung und in der Ver­pflich­tung zum Er­halt und der Wei­ter­ent­wick­lung der be­rufs­spe­zi­fi­schen Kom­pe­ten­zen und der ak­ti­ven Mit­wir­kung bei der Um­set­zung des schu­li­schen Fort­bil­dungs­plans kon­kre­ti­siert. Die Per­so­nal­ent­wick­lung ist nicht der Schul­ent­wick­lung un­ter­ge­ord­net und die Per­son nicht Mit­tel zum Zweck der Ent­wick­lung der Schu­le. Die Per­son ist zur Mit­wir­kung bei der Ent­wick­lung der Schu­le ver­pflich­tet, aber die Schu­le muss auch die Ent­wick­lungs­mög­lich­keit der Per­son über die Schu­le hin­aus re­spek­tie­ren und un­ter­stüt­zen.