Walter Helmut Fritz: Augenblicke, Schüler:innenbeispiele
Schüler:innenbeispiel 1
Interpretation: Erste Fragestellungen
- Was mich an der Kurzgeschichte auf den ersten Blick emotional anspricht:
Mich sprechen vor allem die Gedanken von Elsa gegenüber ihrer Mutter an. Ich finde es schade, dass bei all dem, was ihre Mutter für sie getan hat, Elsa nur die Gedanken hat, von zuhause auszubrechen. Zumal Elsa sowieso nicht so viel Zeit mit ihrer Mutter übrig bleibt, da sie schon alt und oft krank ist. - Was mir an der Kurzgeschichte auf dem zweiten Blick an Besonderheiten/Untypischem/Außergewöhnlichem auffällt:
Elsa rennt bzw. eilt aus dem Haus.
Dass Elsa ihrer Mutter nicht einfach sagt, dass sie ihre Ruhe im Badezimmer haben will. - So lassen sich diese Auffälligkeiten vielleicht deuten:
Sie will ihrer Mutter und dem engen Zuhause möglichst schnell entkommen.
Sie will vielleicht ihre Mutter nicht verletzen.
Schüler:innenbeispiel 2
Interpretation: Erste Fragestellungen
- Was mich an der Kurzgeschichte auf den ersten Blick emotional anspricht:
Dass Elsas Mutter oft krank ist und sich nur um Elsa sorgt uns sie liebt. Elsa fühlt sich jedoch von ihrer Mutter bedrängt und möchte ein eigenständiges Leben führen. Sie müssten nur miteinander sprechen.
- Was mir an der Kurzgeschichte auf dem zweiten Blick an Besonderheiten/Untypischem/Außergewöhnlichem auffällt:
Elsa ist innerlich total aufgewühlt und sauer, bleibt ihrer Mutter gegenüber trotzdem freundlich.
Sie handelt sehr impulsiv und möchte ausziehen. Jedoch liegt sie abends wieder zuhause in ihrem Bett.
- So lassen sich diese Auffälligkeiten vielleicht deuten:
Elsa ist gar nicht wirklich auf ihre Mutter sauer, sondern möchte ihr eigenes Leben anfangen.
Sie traut sich nicht den Schritt zu machen und auszuziehen, da ihr auch wieder einfällt, dass ihre Mutter schon alt und krank ist und dann alleine wäre.
Schüler:innenbeispiel 3
Interpretation ohne Einleitung und Schluss
Vorarbeit:
-
Mitgefühl für die alleinlebende Mutter
-
kaputtes Mutter-Tochter-Verhältnis
-
Elsa hat einen inneren Konflikt
Fließtext:
Für mich ist der Kern der Kurzgeschichte das etwas traurige, kaputte Verhältnis zwischen Elsa und ihrer Mutter. Sie lässt sich in meinen Augen als eine hilflose Mutter deuten, die niemanden zum Reden hat. Elsa hingegen ist wahrscheinlich überfordert mit der Situation, die sie zuhause hat. Elsas Vater ist nicht mehr am Leben. So etwas kann Ehefrau und Tochter gleichermaßen zeichnen. Ich denke, Elsa schlickt den Schmerz runter, denn sie müsste höchstwahrscheinlich allein mit dem Tod ihrer Mutter fertig werden, da ihre Mutter selbst mit Trauer beschäftigt war.
Elsa würde liebend gerne ausziehen, spürt aber, dass ihre Mutter sie mehr braucht als sie es denkt.
Schüler:innenbeispiel 4
Interpretation ohne Einleitung und Schluss
Vorarbeit:
-
Mutter lebt alleine; sie braucht Aufmerksamkeit
-
Liebe zu Elsa
-
Elsa ist genervt
-
Leben aneinander vorbei
-
Einsamkeit
Fließtext:
Die größte Auffälligkeit der Kurzgeschichte ist das schwierige Verhältnis zwischen Elsa und ihrer Mutter. Die Mutter drängt sich Elsa auf und diese ist davon genervt. Dies zeigt die Einsamkeit der Mutter und die dringend nötige Aufmerksamkeit. Elsa bemerkt dies nicht, was zeigt, dass sie nicht genug auf die Bedürfnisse der Mutter achtet und auch über kaum Empathie verfügt. Beide achten nicht auf die Gefühle der anderen, meinen es jedoch beide gut. Elsa läuft am Abend planlos durch die Stadt, was ihre Verzweiflung in der Situation mit ihrer Mutter besonders ausdrückt.
Schüler:innenbeispiel 5
- Die vorgegebene Grundstruktur
- Das spricht mich an.
- Das fällt mir auf und deute ich wie folgt.
- Diese Fragen stelle ich mir.
An der Kurzgeschichte „Augenblicke“ von Walter Helmut Fritz spricht mich besonders die scheinbar komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung an. Die Hauptfigur Elsa befindet sich in einem inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Selbstständigkeit und der Verantwortung ihrer alternden Mutter. Sie versucht jedoch weiterhin ihrer Mutter freundlich gegenüber zu sein und bringt dabei ihre Wünsche einer räumlichen Trennung und eines selbstständigen Lebens nicht zur Sprache. Sie gibt ihrer Mutter auch nicht das Gefühl von Unbehagen, da sie weiterhin mit ihrer Mutter lacht.
Elsas Mutter wünscht sich jedoch eine gute Beziehung zu ihrer Tochter und versucht dies mittels verschiedenster Kontaktaufnahmen (z.B. wie in der Badezimmer-Szene). Eine mögliche Deutung für diese fast zwanghaften Kontaktaufnahmen ist, dass Elsas Mutter merkt, dass sie alt wird und die Fluchtversuche ihrer Tochter bemerkt.
Außerdem fällt mir auf, dass betont wird, es sei kurz vor Heiligabend. In der Kurgeschichte läuft Elsa in der Stadt auf der Suche nach einer Wohnung herum, anstatt bei ihrer kranken Mutter die Vorweihnachtszeit zu genießen. Am Abend kehrt sie jedoch wieder nach Hause zurück und verspürt Reue: „Sie dachte daran, dass ihre Mutter alt und oft krank war […], sie hätte unartikuliert schreien mögen, in die Nacht mit ihrer entsetzlichen Gelassenheit“ (Z. 54-55).
Diese Szene zeigt die Komplexität ihrer Gefühle und den Wunsch nach Selbstständigkeit, sowie die Schwierigkeit sich von ihrer Mutter zu lösen.
Die Symbolik der Weihnachtszeit betont nochmal besonders die Einsamkeit von Elsa und ihrer Mutter, da, obwohl Weihnachten ein Fest der Liebe ist, beide allein sind.
Eine weitere Auffälligkeit an der Kurzgeschichte ist, dass Elsa sich in der hektischen Stadt voller fremden Menschen wohlfühlt. „Sie spürte Zuneigung zu den vielen Leuten […]“ (Z. 41).
Die große menschenüberfüllte Stadt symbolisiert den kompletten Kontrast zu der kleinen, engen Wohnung und der Kontrolle von Elsas Mutter.
Somit repräsentiert die Stadt nicht nur Freiheit und Unabhängigkeit aufgrund ihres Wunsches einer neuen Wohnung und dem damit verbundenen Neuanfangs, sondern auch Anonymität. Die Stadt ist für Elsa ein Zufluchtsort, welcher frei von den Erwartungen ihrer Mutter ist.