Zur Haupt­na­vi­ga­ti­on sprin­gen [Alt]+[0] Zum Sei­ten­in­halt sprin­gen [Alt]+[1]

Neue Sach­lich­keit – Exil – Nach­kriegs­ly­rik


Zwi­schen Na­tur­ma­gie und Na­tu­rent­frem­dung

M 19 At­mo­sphä­re

Spree Berlin
Bild­quel­le: De-okin (talk) (cc by-sa 3.0): Spree Ber­lin Ships.​JPG
com­mons.​wi­ki­me­dia.​org

Oskar Lo­er­ke: Blau­er Abend in Ber­lin

Der Him­mel fließt in stei­ne­ren Ka­nä­len [...]

(1911)

 

1. Oskar Lo­er­ke ord­net die Groß­stadt Ber­lin neu aus der Per­spek­ti­ve des Was­sers. Über­set­zen Sie die fol­gen­den Bil­der, die er ge­braucht, in die Re­al­spra­che und de­fi­nie­ren Sie, um wel­che Bil­der es sich han­delt. Vgl. dazu „info Bil­der“

Der Him­mel fließt in stei­ne­ren Ka­nä­len Me­ta­pher Stra­ßen
voll vom Him­mels­blau­en ____________ ____________
gleich Bojen    ____________ ____________
gleich Pfäh­len im Was­ser ____________ ____________
schwar­ze Es­sens­dämp­fe wie Was­ser­pflan­zen ____________ ____________
Leben am Grun­de ____________ ____________
wie eines Was­sers Bo­den­satz und Tand ____________ ____________
im Dünen, Kom­men, Gehen, Glei­ten, Zie­hen ____________ ____________
wie gro­ber Sand ____________ ____________
Spiel der gro­ßen Wel­len­hand ____________ ____________

 

2. Das Ge­dicht ist ein So­nett. Zei­gen Sie, wie Lo­er­ke diese Ge­dicht­gat­tung an Hand des Was­ser­mo­tivs ideal rea­li­siert. Be­ach­ten Sie dabei fol­gen­de As­pek­te: Gleich­ar­ti­ges in den Quar­tet­ten, Kon­zen­tra­ti­on in den Ter­zet­ten, Abs­trak­ti­on am Schluss.

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________
info So­nett

Aus Ita­li­en stam­men­de, streng auf­ge­bau­te Ge­dicht­form: 14 meist elf­sil­bi­ge Zei­len in fünf­fü­ßi­gen Jam­ben , be­ste­hend aus 2 Quar­tet­ten und 2 Ter­zet­ten mit um­schlin­gen­der bzw. freie­rer Reim­stel­lung in den Ter­zet­ten. In­halt­lich ent­wer­fen die Quar­tet­te in einer Art Ex­po­si­ti­on ent­we­der Gleich­ar­ti­ges oder Ge­gen­sät­ze, wäh­rend die Ter­zet­te ver­ei­ni­gen, kon­zen­trie­ren oder auf eine meist auf abs­trak­ter Ebene lie­gen­de Schluss­poin­te in den letz­ten Zei­len füh­ren. Ins­ge­samt kommt es zu einem schwe­ben­den Ein­druck, der zu einem ent­schei­den­den Ge­dan­ken hin­ge­führt wird.

 

3. Ana­ly­sie­ren Sie das Ge­dicht for­mal unter fol­gen­den Ge­sichts­punk­ten: Stro­phen­auf­bau und –über­gän­ge; Reim­sche­ma, Vers­maß. In­wie­fern wird der Fluss des Was­sers durch die for­ma­len Ele­men­te un­ter­stützt?

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

4. Ver­glei­chen Sie die Na­tur­dar­stel­lung in dem Text mit dem Aus­zug aus Arno Holz’ „Phan­ta­sus“. Wel­ches Ge­dicht ver­mit­telt eher den Ein­druck der Ein­heit­lich­keit und Stim­mig­keit?

Phan­ta­sus: __________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________ Lo­er­ke: __________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________
info Neue Sach­lich­keit

Die Neue Sach­lich­keit hat sich un­ge­fähr ab 1920 als eine Art Ge­gen­be­we­gung gegen den ex­trem sub­jek­ti­vis­ti­schen Ex­pres­sio­nis­mus ver­stan­den. Der Wille zu mehr Wirk­lich­keit in ob­jek­ti­ven Er­schei­nun­gen wurde als dich­te­ri­sche Ge­stal­tungs­auf­ga­be ge­se­hen, die die Dinge ohne sub­jek­ti­ve Be­wer­tung zur Wir­kung brin­gen soll­te. Die Be­we­gung öff­ne­te so­wohl den Dich­tern, die wäh­rend des 3. Reichs in Deutsch­land blie­ben, über die Flucht in die Natur den Weg in die in­ne­re Emi­gra­ti­on als auch den Au­to­ren, die emi­grier­ten, durch Kon­fron­ta­ti­on der un­schul­dig rei­nen Natur mit den bru­ta­len Re­al­ver­hält­nis­sen den ver­frem­den­den und oft­mals kri­ti­schen Blick auf den Ge­gen­stand „Na­tur­ly­rik“ selbst. Nach dem 2. Welt­krieg er­fuhr die Rich­tung pas­send zur Ent­po­li­ti­sie­rung der 50er Jahre ihre Wei­ter­ent­wick­lung zur na­tur­ma­gi­schen Schu­le , die alle Rea­li­tät aus­zu­blen­den ver­such­te zu Guns­ten eines für sich selbst spre­chen­den na­tür­li­chen Uni­ver­sums . Al­ter­na­tiv dazu ent­wi­ckel­te sich eine grundskep­ti­sche Hal­tung, die an­ge­sichts der Er­eig­nis­se in Deutsch­land den frei­en poe­ti­schen Um­gang mit Natur prin­zi­pi­ell in Frage stell­te.

 

Bertold Brecht
Bild­quel­le: Bun­des­ar­chiv Bild 183-W0409-300, Ber­tolt Brecht.jpg (cc by-sa 3.0DE)
com­mons.​wi­ki­me­dia.​org

Ber­tolt Brecht

Zu­fluchts­stät­te

Ein Ruder liegt auf dem Dach. [...]

(1937)

Früh­ling
[   ]
III
In den Wei­den am Sund [...]

(1938)

info Svend­bor­ger Ge­dich­te

Die bei­den Texte sind im Exil in Dä­ne­mark ent­stan­den, wohin Brecht vor der Na­zi­herr­schaft flie­hen muss­te. Wäh­rend das Ge­dicht „Zu­fluchts­stät­te“ in den Svend­bor­ger Ge­dich­ten, einer von Brecht im Jahr 1937 her­aus­ge­ge­be­nen Samm­lung sei­ner Exil­ly­rik, er­schien, wurde das zwei­te Ge­dicht, „Früh­ling“, spä­ter in der Samm­lung „Ge­dich­te“ (1941) pu­bli­ziert. Von die­sem Ge­dicht wird hier nur der Schluss­teil be­trach­tet.

 

5. Un­ter­su­chen Sie die at­mo­sphä­ri­sche Wir­kung der Sze­ne­rie in den Ge­dich­ten und über­le­gen Sie, wel­che Aus­sa­gen über die Si­tua­ti­on des Au­tors im Exil in­di­rekt zum Aus­druck ge­bracht wer­den. Er­gän­zen Sie dazu die fol­gen­de Ta­bel­le.

Tabelle_1

 

6. Wel­che Auf­ga­be hat in den bei­den Ge­dicht­bei­spie­len die Dar­stel­lung von Natur und Um­ge­bung für das ly­ri­sche Ich bzw. den Spre­cher?

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

7. Brechts be­rühm­te Äu­ße­rung in dem Ge­dicht „An die Nach­ge­bo­re­nen“, das eben­falls in die Svend­bor­ger Samm­lung auf­ge­nom­men wurde,
„Was sind das für Zei­ten, wo
ein Ge­spräch über Bäume fast ein Ver­bre­chen ist,
weil es ein Schwei­gen über so viele Un­ta­ten ein­schließt“
steht bei­spiel­haft für die Na­tur­auf­fas­sung wäh­rend der Zeit des deut­schen Fa­schis­mus. In­ter­pre­tie­ren Sie die bei­den Ge­dicht­tex­te vor die­sem Hin­ter­grund.

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

Februarmond
 
Ray­mond Zol­ler: Луна над горою ( cc-by-sa 2.0 ) flickr.com

Wil­helm Leh­mann

Fe­bru­ar­mond

Ich seh den Mond des Fe­bru­ar sich la­gern [...]

(1954)

info Na­tur­ma­gie

Wil­helm Leh­mann wird in­ner­halb der Neuen Sach­lich­keit der so­ge­nann­ten na­tur­ma­gi­schen Be­we­gung zu­ge­ord­net, die dem Traum­haf­ten Wirk­lich­keitscha­rak­ter zu­bil­lig­te und die Natur in ihrer selbst­wir­ken­den Magie in den Vor­der­grund stell­te.

 

8. Stel­len Sie sich vor, Sie bli­cken in die Sze­ne­rie, die das Ge­dicht ent­fal­tet. Was sehen Sie? Wel­che At­mo­sphä­re wird auf­ge­baut?

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

9. Wel­che Rolle spielt das ly­ri­sche Ich? Ver­glei­chen Sie diese Rolle mit der des ly­ri­schen Ichs in Bren­ta­nos „Wün­schel­ru­te“ .

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

10. Leh­mann schrieb be­reits vor Be­ginn der Na­zi­herr­schaft bis weit nach Ende des 2. Welt­kriegs. Rich­tig be­kannt wurde er in der BRD der 50er Jahre. Das 1954 ent­stan­de­ne Ge­dicht „Fe­bru­ar­mond“ weist in der letz­ten Zeile auf den Sün­den­fall hin. Wie er­scheint die zuvor ent­wor­fe­ne Na­tur­sze­ne­rie vor die­sem Hin­ter­grund?

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

11. Ver­glei­chen Sie die at­mo­sphä­ri­sche Auf­be­rei­tung der Natur durch Leh­mann mit der von Ber­tolt Brecht.

__________________________________________________
__________________________________________________
__________________________________________________

 

wei­ter: Sprach­lo­sig­keit und Re­si­gna­ti­on